Laut Wifo-Chef Gabriel Felbermayer müsse man sich schon im Sommer um Einsparungen bemühen, sollte der Gashahn Russlands weiter zu bleiben.
Dann könnte von der Regierung auch eine Alarmstufe ausgerufen werden. Wichtiger Stichtag ist der Donnerstag an dem die Wartungsarbeiten an bedeutenden deutsch-russischen Nord Stream 1 Gas-Pipeline enden sollen. Felbermayr meint, man solle prüfen, ob Fracking-Reserven exploriert werden sollen.
Felbermayr will gegebenenfalls schon im Sommer Gas einsparen
Von Einsparungen betroffen wäre vor allem die Industrie, die im Sommer fast das gesamte Gas verwendet. "Man könnte etwa die Zementproduktion stilllegen, um Gas zu sparen, und dafür den Zement aus Mexiko importieren", erklärt der Wifo-Chef. "Die Industrie wird im Sommer Produktionsdrosselungen andenken müssen. Die Alternative wäre, dass der Industrie im Winter Zwangsabschaltungen drohen."
Gasreserven in Niederösterreich könnten angezapft werden
Sollte Putins
Gashahn zu bleiben, sollte Österreich an dem einen oder anderen Tabu
rütteln. "Man wird ernsthaft prüfen müssen, ob die in Europa
schlummernden Gasreserven, etwa in Niederösterreich angezapft werden",
zitiert die "Kleine Zeitung" Felbermayr. "Bisher hat man Fracking
abgelehnt, weil es eine schmutzige Technologie ist - und es bleibt
natürlich eine schmutzige Technologie. Aber die Alternative wäre, dass
man den Schmutz aus Kanada, den USA oder Russland importiert."
Vorteile bei österreichischem Fracking-Gas
Die
Förderung von österreichischem Fracking-Gas könnte finanzielle Vorteile
bieten: "Wollen wir wirklich 160 Euro für umweltschädliches Gas an
Gazprom zahlen oder doch nur 20 Euro für umweltschädliches Gas aus
Österreich?", fragt Felbermayr.
OMV hat 2012 nach heftigen Debatten vom Fracking abgesehen
Zum Fracking in Österreich ist
allerdings festzuhalten, dass die OMV 2012 nach heftigen Debatten um
Fracking vom Vorhaben der Schiefergasförderung in Niederösterreich
abgesehen hat. Die Ausbeute sollte ursprünglich 2020 beginnen. "Aktuell
gibt es dazu keine Pläne", teilte die OMV erst kürzlich auf Anfrage mit.
Selbst wenn man jetzt beschließen würde, das vorhandene Schiefergas zu
fördern, wäre das kurzfristig nicht möglich, sagte OMV-Chef Alfred Stern
zur APA. "Das lässt sich nicht über Nacht machen. Wir können nicht ins
Weinviertel rausfahren und anfangen Löcher zu bohren, sondern das dauert
mehrere Jahre und erfordert intensive Investitionen, um an diese
Vorkommen heranzukommen." Vor Ende dieses Jahrzehnts könnte nichts
gefördert werden, und 2040 wolle man ja in Österreich klimaneutral sein,
dann würden für die Nutzung nur noch zehn Jahre bleiben. "Das ist so
ähnlich, wie wenn Sie mit 95 beschließen, sich noch ein neues Haus zu
bauen."
Der jüngste OMV-Deal, der Österreich die Hälfte des
jährlichen Gasverbrauchs beschert, würde das "Problem der Gasknappheit
nichts lösen", so Felbermayr: "Wir haben nichts davon, wenn wir genug
Gas haben, aber in Deutschland im Winter der Strom ausfällt. Dann haben
auch wir ein Blackout."
Wifo-Chef hofft auch Zustimmung zur Energiegutschrift
Der Wifo-Chef hofft laut Bericht, dass
eine breite Mehrheit im Parlament unter Einbindung der Opposition die
Idee der Energiegutschrift (Gratisstrom für jeden Haushalt, auch
Felbermayr-Modell genannt) umsetzt. Man solle keine halben Sachen
machen. "Wenn die Regierung das Modell, das übrigens nicht ich erfunden
habe, sondern schon seit langem in Europa herumgeistert, umsetzen will,
muss man es ordentlich machen."
Daten von Melderegister mit denen von Stromzählern verknüpfen
Um herauszufinden, wie viele
Menschen tatsächlich an einem Stromzähler hängen, müsste man die Daten
des Melderegisters mit den Daten der Stromzähler verknüpfen. Dafür
bedürfe es der Zweidrittelmehrheit. Und generell: "Unser Hauptanliegen
am Wifo ist, dass den Leuten klar wird: Der Gaspreis ist hoch, weil wir
zu wenig Gas haben, und deshalb muss gespart werden." Zweitwohnsitze
sollten bei der Gratisstrom-Stütze ausgenommen werden.
Die Schiefergas-Möglichkeiten in Österreich
Zurück zu
den Schiefergas-Möglichkeiten in Österreich: 2012 hatte es geheißen,
dass mit dem Schiefergas-Vorrat bei Poysdorf Österreich vermutlich 30
Jahre lang zur Gänze mit Erdgas versorgt werden könnte. Verifiziert
wurden diese Vorkommen nicht, auch fanden laut Bergbauministerium keine
Bohrungen in diesem Bereich statt. Nachgewiesene Naturgasreserven
bestanden laut Montan-Handbuch 2021 per Jahresende 2020 im Ausmaß von
rund 6,5 Mrd. Normkubikmetern (Nm3).
Aktuelle Gas-Lagerstätten im Inland "bestmöglich genutzt"
Die aktuellen Lagerstätten
werden laut Bergbauministerium "weiterhin bestmöglich genutzt", im
Vorjahr wurden 570.000 Tonnen Öl und 640 Mio. m3 Gas produziert. "Im
Falle einer möglichen Förderung von Schiefergas ist mit höchster
Vorsicht und den größten Sicherheitsstandards vorzugehen. Die Förderung
von Schiefergas kann auch nicht mit jener in den USA verglichen werden,
da diese in Österreich auf einer Tiefe rund 4.000 Metern vorzufinden
sind", so das Bergbauministerium im Mai.