Im Juli 2018 wurde eine Task Force gegen Sozialleistungsbetrug gegründet. Seither haben die Behörden bei über 11.000 Anzeigen eine Schadenssumme von über 60 Millionen Euro aufgedeckt.
Die Palette der Delikte reicht von der Erschleichung der Mindestsicherung oder des Arbeitslosengeldes bis hin zu ergaunerten Pensionen. Wie Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) bei einer Pressekonferenz sagte, wurden 30 Prozent der Delikte von Inländern und 70 Prozent von Ausländern begangen.
Task Force deckte Betrug bei Sozialmitteln von 60 Mio. Euro auf
Bei dem Missbrauch von Sozialleistungen handelt es sich Karner zufolge um ein klassisches Kontrolldelikt - sprich: je höher der Fahndungsdruck, umso mehr Fälle werden auch bekannt. So wurde alleine vergangenes Jahr eine Schadenssumme von rund 19,1 Millionen Euro ermittelt. Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) betonte, dass Solidarität zwar ein Grundpfeiler der Gesellschaft sei, diese müsse aber auch für die Steuerzahler gelten, die diese Leistungen finanzieren. "Solidarität ist keine Einbahnstraße" sagte Brunner.
Delikte waren bei Sozialmittelbetrug breit gestreut
Die Delikte waren sehr breit
gestreut. So machte die Task Force dem Leiter der Zentralstelle zur
Bekämpfung von Schlepperkriminalität, Gerald Tatzgern, gleich 50
verschiedene Begehungsformen aus, wie Sozialleistungen erschlichen
wurden. Die Hauptkategorien waren unter anderem die Erschleichung der
Mindestsicherung trotz ausreichendem Vermögen, der Missbrauch von
Pensionsleistungen durch die Vortäuschung eines Scheinwohnsitzes, der
widerrechtliche Erhalt der Familienbeihilfe oder die Erschleichung der
Grundversorgung mittels falscher Identität.
Supermarktkette gab an 1.100 Mitarbeiter geringfügig angestellt zu haben
Der Leiter der
Finanzpolizei, Wilfried Lehner, berichtete etwa von einer
Supermarktkette, bei der sämtliche 1.100 Mitarbeiter geringfügig
angestellt waren, obwohl sie voll gearbeitet hatten. Hier war das
Arbeitslosengeld quasi Teil des Geschäftsmodells. Weiters wurde eine
Frau ausgeforscht, die sowohl Arbeitslosengeld- als auch Notstandshilfe
bezog, obwohl sie alleine durch die Vermietung von 17 Ferienwohnungen
und einer Villa in Kroatien für den Zeitraum von 2016 bis 2021
Mieteinnahmen in der Höhe von rund 80.000 Euro hatte.
Behörden wollen Kampf gegen Sozialleistungsbetrug aufrecht erhalten
Seitens der
Behörden wurde betont, den Kampf gegen die Erschleichung von
Sozialleistungen weiter aufrecht zu erhalten. Schließlich fehle dieses
Geld, bei "anderen Projekten, die wir umsetzen wollen", wie Brunner
sagte.