EU-Chefdipolmat Josep Borrell sieht vermehrt Zweifel an der Sanktionspolitik gegen Russland in europäischen Hauptstädten. Borrell kritisiert die Debatte über die Sanktionen.
"Einige europäische Staats- und Regierungschefs haben gesagt, die Sanktionen seien ein Fehler", sagte der Spanier am Montag am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel. Es gebe eine große Debatte darüber, ob die Sanktionen wirksam seien und die EU mehr träfen als Russland.
Borrell kritisiert Sanktionspolitik-Debatte
Zugleich
machte Borrell deutlich, dass er die Diskussion für falsch hält. Er
warf Kritikern der Sanktionen Falschinformationen vor. Es gebe
beispielsweise Leute, die behaupteten, dass das Öl-Embargo zu einem
Anstieg des Öl-Preises geführt habe, sagte der EU-Chefdiplomat.
Dabei sei der Ölpreis nach der Verabschiedung des Embargos gesunken und
derzeit auf dem gleichen Niveau wie vor dem Beginn des russischen
Kriegs gegen die Ukraine.
Russische Wirtschaftsdaten zeigen Wirksamkeit von Sanktionen
"Ich wünsche mir, dass Menschen eine
Zahl hinter jedes ihrer Argumente stellen", sagte Borrell. Die
russischen Wirtschaftsdaten zeigten, wie die Sanktionen wirkten - so zum
Beispiel die zur Produktion von Autos und Maschinen seit Beginn des
Krieges.
Schallenberg: Es geht um Nachschärfungen
Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) betonte am
Montag, es gehe um Nachschärfungen und das Stopfen von Schlupflöchern,
"es geht nicht um ein weiteres Sanktionenpaket". In Hinblick auf die
Gasversorgung müsse man "mit Augenmaß vorgehen". Die EU-Sanktionen gegen
Russland würden aber langfristig wirken, sagte er.
Schallenberg sieht keine Alternative zu EU-Sanktionen
Zu den
EU-Sanktionen gegen Russland infolge des russischen Angriffskriegs auf
die Ukraine sieht Schallenberg keine Alternative. Es gehe um die Frage:
"Wollen wir eine Welt, die auf Regeln basiert, oder wollen wir das
Gesetz des Dschungels?" Wenn die EU nichts tue und nur zuschaue, würde
man zur Kenntnis nehmen, dass die UNO-Charta und internationales Recht
mit Füßen getreten würden.
EU-Außenminister beraten über Vorschläge der EU-Kommission
Die EU-Außenminister beraten über
die Vorschläge der Europäischen Kommission. Wenn es keine Einwände
gibt, soll bereits am Mittwoch das schriftliche Beschlussverfahren
eingeleitet werden. Die Strafmaßnahmen könnten so noch diese Woche in
Kraft treten. Geplant ist ein Einfuhrverbot für russisches Gold. Auch
Exportkontrollen für Spitzentechnologie und militärisch nutzbare zivile
Güter sollen verschärft werden.
Embargo auf Einfuhr von russischem Gas wird abgelehnt
Weitere Personen und
Organisationen, die den russischen Krieg gegen die Ukraine unterstützen,
müssen damit rechnen, dass von ihnen Vermögenswerte eingefroren werden.
Nicht auf der Tagesordnung steht hingegen ein Embargo auf die Einfuhr
von russischem Gas, der Haupteinnahmequelle des Aggressors. Mehrere
stark von russischen Gaslieferungen abhängige Staaten, darunter
Österreich, lehnen eine solche Maßnahme ab.
Videokonferenz mit Kuleba in Brüssel
Über die aktuellen Entwicklungen in dem Konflikt soll bei dem Treffen in Brüssel per Videokonferenz mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba gesprochen werden. Denkbar ist, dass die EU-Staaten dabei ankündigen, weitere 500 Millionen Euro für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung an die ukrainischen Streitkräfte zur Verfügung zu stellen. Entsprechende Überlegungen gibt es seit mehreren Wochen. Neben dem Krieg in der Ukraine sind bei dem letzten Außenministerrat vor der Sommerpause die Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika sowie Israel ein Thema.