Heftige Kritik gibt es derzeit aufgrund einer Dienstanweisung für Landes- Mitarbeiter aus NÖ angesichts einer Sonderprüfung durch den niederösterreichischen Landesrechnungshof. SPÖ, FPÖ und NEOS kritisierten die Vorgabe als "Maulkorb" und forderten eine Aufhebung.
Demnach sind "sämtliche Unterlagen/Stellungnahmen/Fragebeantwortungen im Zuge der Prüfung grundsätzlich nicht direkt an den Rechnungshof zu übermitteln", sondern an die Landesamtsdirektion, konkret die Abteilung für Innenrevision, berichtete "profil".
Kritik einiger Parteien in NÖ an "Maulkorb" für Landes-Mitarbeiter
Die Dienstanweisung der Landesamtsdirektion "Prüfungen durch den Rechnungshof und den NÖ Landesrechnungshof" wurde mit 7. Juni 2022 "lediglich aktualisiert und an die aktuellen Rahmenbedingungen angepasst", wurde vonseiten des Landes auf Anfrage mitgeteilt. Verschickt wurde das Dokument laut dem Nachrichtenmagazin an alle Gruppen und Abteilungen des Landes - von der Agrarbezirksbehörde bis zur Straßenbauabteilung. Man komme der Anforderung des Rechnungshofes nach, dass die elektronische Übermittlung von Prüfungsunterlagen im Rahmen der Erhebungen über den Cloud-Service "Rechnungshof-Box" erfolgen soll, erklärte das Land. "Da aufgrund der Vertraulichkeit der Unterlagen nur ein beschränkter Personenkreis zu diesem Cloud-Service Zugang erhalten soll, wurden für den Bereich des Amtes der NÖ Landesregierung diese Zugänge grundsätzlich für drei Mitarbeiter der Innenrevision angefordert", hieß es.
Beauskunftungen per Mail weiterhin möglich
Betont
wurde weiters: "Wie die Dienstanweisung ebenfalls ausführt, sind
Beauskunftungen und Ergänzungen von Unterlagen per E-Mail nach wie vor
auch direkt möglich." Allerdings müssten laut "profil" die
Fachabteilungen "jedenfalls" die Landesamtsdirektion in Kenntnis setzen,
bevor solche Informationen an die Prüfer weitergegeben werden. Sollten Mitarbeiter
direkt von Rechnungshofprüfern kontaktiert werden, müssten sie
"derartige Prüfungshandlungen unverzüglich" der Landesamtsdirektion
mitteilen.
Kritik von SPÖ, FPÖ und NEOS in Niederösterreich
Kritik kam von SPÖ, FPÖ und NEOS in Niederösterreich, die auf die laufende Sonderprüfung von landesnahen und Landes-Unternehmen durch den Landesrechnungshof verwiesen. Ausgangspunkt für
den Ende April gemeinsam mit den Grünen eingebrachten Antrag ist
vermutete illegale Parteienfinanzierung durch die ÖVP. Kontrolliert
werden sollen alle Geldflüsse im Zusammenhang mit Inseraten, Förderungen
oder Kooperationen. Die Volkspartei weist die Vorwürfe zurück.
Kocevar verlangte sofortiges Ende der Niederösterreich-Zensur
Der Landesgeschäftsführer der SPÖ NÖ, Wolfgang Kocevar, verlangte am Donnerstag in einer Aussendung "ein sofortiges Ende der Niederösterreich-Zensur". Der Landesparteiobmann der FPÖ, Udo Landbauer, forderte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf: "Hören Sie auf, Bedienstete einzuschüchtern, Informationen schönzufärben und sorgen Sie dafür, dass der Rechnungshof in Ruhe arbeiten kann." Er warf der ÖVP vor, die Prüfung des Landesrechnungshofes in der Inseraten-Causa "ganz bewusst zu verzögern". NEOS-Landessprecherin Indra Collini betonte in einer Aussendung: "Der Landesrechnungshof soll die Vorwürfe der illegalen Parteienfinanzierung unbeeinflusst prüfen können und nicht vom System Volkspartei an seiner Arbeit behindert werden." Sie verlangte zudem die Einrichtung einer Whistleblower-Plattform.