Aufgrund von Hamsterkäufen bei Brennholz kommt es auch zu einer erhöhten Nachfrage bei Pellets. Kunden würden derzeit mehr als sonst bestellen, wovon jedoch abgeraten wird.
Die Unsicherheit an den Energiemärkten, ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die hohe Abhängigkeit bei Erdgas, führt zu Hamsterkäufen bei Brennholz. Dies färbt auch auf den Pelletmarkt ab. "Pellets sind derzeit heiß begehrt", sagte der Chef von proPellets Austria, Christian Rakos, im Gespräch mit der APA. Er ersuchte Besitzer von Pelletheizungen um Geduld, die Händler könnten die Nachfrage bedienen, allerdings nicht alle gleichzeitig.
Hamsterkäufe bei Brennholz: Stimmung färbt auf Pellets ab
Wolfgang Holzer, Leiter des Holzverkaufs bei den Bundesforsten, berichtete in der "Presse" sogar von Menschen, die nach "Klaubholz-Scheinen" fragen. Solche Scheine gab es in der Nachkriegszeit, sie erlaubten Wienerinnen und Wienern in der Nachkriegszeit, im Wald Holz zu sammeln. Auch Rakos nimmt die Nervosität wahr. Kunden, die normalerweise im Oktober bestellt haben, würden heuer schon jetzt anfragen, was die Versorgungslage verschlimmere.
Preisanstieg bei Pellets von 66 Prozent
Auch würden Kunden mehr Pellets als sonst bestellen. "Unsere Empfehlung lautet, nicht mehr Pellets zu kaufen als diesen Winter benötigt wird, weil sich der Preis wieder normalisieren wird", prognostiziert Rakos. "Wer heuer mehr kauft, kauft teuer." Der Preisanstieg bei Pellets von 66 Prozent gegenüber 2021 hängt ebenfalls mit dem Ukraine-Krieg zusammen. Nachbarländer Österreichs, die bisher Pellets aus Russland, Belarus oder der Ukraine bezogen haben, "sorgen für einen gewissen Sog", wie Rakos erklärte. Gegenüber Heizöl seien Pellets aber mit 7,5 Cent pro Kilowattstunde Wärme aber noch immer um die Hälfte günstiger.
Österreichs selbst ist bei Pellets nicht von Importen abhängig. 2021 wurden österreichweit 1,6 Millionen Tonnen Pellets produziert und 1,2 Millionen verbraucht. Exportiert wurden 700.000 Tonnen, hauptsächlich nach Italien, importiert wurden 300.000 Tonnen. In Tirol würden beispielsweise Pellets nach Italien exportiert, und in Niederösterreich Pellets aus Tschechien importiert, weil die Distanzen kürzen seien, erklärte Rakos.
Anstieg bei Pellets-Heizungen und Jahresbedarf erwartet
Der Interessensvertreter
der Pelletbranche erwartet, dass der Jahresbedarf in Österreich in den
nächsten vier bis fünf Jahren von aktuell 1,2 auf 2,6 Mio. Tonnen
steigen wird. Diese Menge sei auch ungefähr das Maximum des
Erzeugungspotenzials. Die Zahl der Pelletheizungen wird heuer ebenfalls
stark steigen, von 162.000 auf rund 185.000. Rakos schätzt, dass mit
Pellets 500.000 bis 800.000 Häuser versorgt werden können, abhängig vom
Energieverbrauch. Im Schnitt braucht ein Haus fünf Tonnen Pellets pro
Jahr, bei einem gut gedämmten Haus seien es nur drei.
Apropos Dämmung: Wer von Öl auf Pellets umrüstet, wird früher oder später um eine Dämmung nicht herumkommen, denn die Klimakrise führe zwar dazu, dass kurzfristig mehr Pellets erzeugt werden können, weil Fichtenwälder, die aufgrund von Hitze und Trockenheit dem Borkenkäfer zum Opfer fallen, geschlägert werden müssen. Gegen Mitte des Jahrhunderts werde es jedoch einen Rückgang der Pelletproduktion geben, weil die Mischwälder, die die Fichten-Monokolturen ersetzen, langsamer wachsen, so Rakos. Bei Buchen und Eichen gebe es zwar mehr pellets-fähige Sägenebenprodukte, sie brauchen aber hundert Jahre bis sie ausgewachsen sind.
Pellets nur als Übergangslösung gedacht
Langfristig
werden Pellets in der Raumwärme keine große Rolle spielen, so Rakos,
sie seien eine Art Übergangstechnologie von 30 bis 50 Jahren. Vor allem
Besitzer von älteren Häusern tauschen ihre Ölheizungen gegen
Pelletskessel. Das liege auch daran, dass viele es sich nicht leisten
können, gleichzeitig die Fassade zu dämmen und die Heizung zu tauschen.
Bei einer Wärmepumpe müssten zudem oft auch die Heizkörper gewechselt
werden und eventuell eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Hier
teile sich der Markt - auf Wärmepumpen einerseits und Pelletofen
andererseits. Diese Mischung der beiden Heizformen sei auch wichtig, so
Rakos, denn nur auf Wärmepumpen zu setzen, die im Winter für hohe
Stromlasten sorgen, sei auch nicht gut, solange im Winter nicht genug
Ökostrom erzeugt wird.
Pelletheizungen gelten als klimaneutral,
weil kein fossiles Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird. Bäume nehmen,
während sie wachsen, CO2 aus der Atmosphäre auf, werden sie gefällt und
das Holz als Baustoff oder als Möbel genutzt, bleibt das CO2 darin
gespeichert. Wird das Holz verbrannt, wird das CO2 jedoch wieder
freigesetzt. "Für das Klima ideal ist, Holz soweit wie möglich stofflich
zu nutzen und nur Reste, die nicht stofflich genutzt werden können,
energetisch zu nutzen", erklärte Rakos. Den Wald einfach stehen zu
lassen und keine Bäume mehr zu fällen, sei keine Lösung und hätte
mehrere Nachteile. Erstens müsse der Wald umgebaut werden, um die
steigenden Temperaturen aushalten zu können, zweitens nehme die
CO2-Speicherfähigkeit ab, sobald ein Baum ausgewachsen ist.