Das Wiener Start-up Glacier hat sich auf betrieblichen Klimaschutz spezialisiert und schult nun die Mitarbeiter anderer Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit. Glacier zeigt auf, wie die Betriebe CO2 sparen können.
"Meatless Monday", nachhaltiger Strom oder ein Elektro-Fuhrpark - diese Maßnahmen können dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck eines Unternehmens zu verringern. Zwei Jahre nach der Gründung berät Glacier etwa 170 Unternehmen. In Österreich zählen dazu unter anderem die ÖBB und die Bank Austria.
Wiener Start-up Glacier berät ÖBB und Bank Austria über Nachhaltigkeit
"Auch im Angestelltenbereich gibt es einen Fachkräftemangel. Es fehlen Leute, die sich auskennen, wie man Klimaschutz im Unternehmen macht. Deswegen fokussieren wir uns seit vergangenem Sommer verstärkt darauf", sagt Rainhard Fuchs, Mitbegründer von Glacier. Nicht nur Bildung zu Umweltthemen, sondern auch "Inspiration und Aktivismus" sollen bei der CO2-Reduktion helfen, so Fuchs. Dazu veranstaltet Glacier einmal im Jahr die hybride "Climate Week". Dabei werden in teilnehmenden Unternehmen Workshops oder Aktivitäten mit Fokus auf Klimaschutz veranstaltet und Reden gehalten.
CO2-Rechner hilft bei der Änderung von Kleinigkeiten im Unternehmen
Die
TPA Steuerberatung hat 2021 an der Climate Week teilgenommen. "Dabei
wurden Workshops zu Mülltrennung veranstaltet, eine Tauschecke wurde
eingerichtet und die Dachterrasse wurde bienenfreundlich bepflanzt",
sagt Violeta Bajic, Leiterin des Nachhaltigkeitszirkels der TPA. Der
Arbeitskreis habe jedoch schon vor der Kooperation mit Glacier
bestanden. Mittlerweile haben die fünf Mitarbeitenden des Zirkels an den
Glacier-Schulungen teilgenommen. Mit Hilfe eines CO2-Rechners wurden
dann weitere "Kleinigkeiten", wie Bajic es nennt, im Unternehmen verändert. Eine Umgestaltung wie etwa einen energieeffizienteren Fuhrpark brauche das Unternehmen
nicht - die Beschäftigten würden ohnehin öffentlich fahren und
Zuschüsse zu ihren Tickets erhalten. Dieses Jahr will TPA wieder an der
Climate Week teilnehmen.
Klimafreundliche Maßnahmen auch für Unternehmen wichtig
Nicht nur für die Umwelt sind klimafreundliche Maßnahmen wichtig - auch für Unternehmen wird Nachhaltigkeit in Zukunft eine große Rolle spielen. "Ob sie wollen oder nicht, wenn sie als Unternehmen
Geld von außen wollen, wird das Nachhaltigkeitsthema eine Rolle
spielen" sagte der frühere Wifo-Chef Christoph Badelt vor kurzem im
Gespräch mit der APA. Ein überzeugendes nachhaltiges Image sei auch im
Bereich der Unternehmensfinanzierung und bei der Risikobewertung durch
Banken wichtig. Badelt: "Gelingt es den Unternehmen
nicht, in der Öffentlichkeit die Reputation zu erwerben, dass sie sich
durchaus in ihrem und im gesellschaftlichen Interesse um Nachhaltigkeit kümmern, werden sie ein Problem bekommen."
Positives Image von nachhaltigen Maßnahmen
Das
positive Image, das nachhaltige Maßnahmen mit sich bringen können,
behalten viele Führungskräfte im Hinterkopf. Zumindest laut einer
Umfrage der Unternehmensberater Russell Reynolds: 46 Prozent der
deutschen Vorstände gaben an, "dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen aus
Marketingerwägungen getroffen werden", so die Unternehmensberater. Für
die Studie wurden 9.500 Mitarbeiter aus elf Ländern befragt. Wird mehr Nachhaltigkeit kommuniziert, als sie gelebt wird, heißt diese Praxis "Greenwashing".
Genau dies will Glacier vermeiden. Generell sei es aber schwer zu messen, wie viel Auswirkung einzelne Maßnahmen auf die Nachhaltigkeitsbilanz eines Unternehmens haben, so Fuchs. "Das wichtigste ist aber, erst mal anzufangen mit dem Klimaschutz - dann ist schon ein großer Teil geschafft."