Die thematisch ohnehin übervolle Plenarsitzung hat die FPÖ noch dazu genutzt, die aktuelle Asylsituation einzubringen.
Im Rahmen einer "Dringlichen Anfrage" wurde die Politik der Koalition scharf kritisiert. Österreich nehme bei der Pro-Kopf-"Belastung" mittlerweile nach Zypern Platz zwei ein, ärgerte sich der freiheitliche Sicherheitssprecher Hannes Amesbauer. Eine Belastung gestand Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) zu.
FPÖ attackierte Karner im Nationalrat "dringlich"
Mit Juni habe es heuer geschätzt 31.000 Asylanträge gegeben. Das sei ein Plus von 185 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2021. Mehr als 33.000 Personen wurden aufgegriffen. Viele von ihnen seien reine Wirtschaftsmigranten, betonte Karner. Immerhin war er sich mit der FPÖ darin einig, dass er auf europäischer Ebene weiter gegen eine Quoten-Verteilung eintreten werde. Auch die Fortsetzung der Grenzkontrollen sicherte er zu. Zudem plädierte Karner weiter für Drittstaat-Verfahren.
"Illegale Masseneinwanderung" nehme Maße wie 2015 ein
Die "illegale Masseneinwanderung" habe
bereits Ausmaße angenommen, die an 2015, 2016 erinnerten, hatte davor
Amesbauer gemeint. Vom Innenminister forderte er, den koalitionsfreien
Raum mit den Grünen zu nutzen und eine restriktive Asylpolitik zu
starten. Unter anderem müsse erreicht werden, dass Herkunftsländer ihre
Staatsbürger zurücknehmen und Pushbacks möglich gemacht werden.
Österreicher hätten mit Teuerung zu kämpfen
Denn
während Österreicher mit der Teuerung zu kämpfen hätten, würde das Geld
für Flüchtlinge ausgegeben, die niemand ins Land gebeten habe, befand
Amesbauer. Die FPÖ will daher einen Einwanderungsstopp und einen
effizienten Grenzschutz.
Einwaller sah darin "übliches Spiel der FPÖ"
Das "übliche Spiel der FPÖ" ortete
SPÖ-Sicherheitssprecher Reinhold Einwallner. Die Freiheitlichen würden
diese Karte immer dann ziehen, wenn sie sie brauchen. "Das ist aber
mittlerweile durchschaubar und unglaubwürdig", so der rote
Sicherheitssprecher. Diese Vorgehensweise löse keine Probleme, sondern
spiele Menschen gegeneinander aus und kreiere Sündenböcke. Laut
Einwallner braucht es europäische Lösungen und vor allem auch effiziente
Asylverfahren.
Bürstmayer fühlt sich bei FPÖ-Kritik an "Täglich grüßt das Murmeltier" erinnert
Auch der grüne Abgeordnete Georg Bürstmayr sieht
sich durch die Dringliche an den Film "Täglich grüßt das Murmeltier"
erinnert: "Das klingt alles sehr vertraut." Zugleich räumte er ein, dass
heuer deutlich mehr Anträge zu verzeichnen seien, das sei aber vor
allem dem Umstand geschuldet, dass die Reisetätigkeit in den letzten
zwei Jahren wegen der Corona-Pandemie eingeschränkt war. Aktuell gebe es
einen "Nachholeffekt". Das Thema bleibe eine Herausforderung, so
Bürstmayr: "Wir arbeiten daran, jeden Tag." Statt der "Panikmache" der
FPÖ sei Engagement, Ruhe, Sachverstand und Mitgefühl nötig.
Krisper kritisiert, dass mit Angst in der Politik gearbeitet werde
Ähnlich
auch NEOS-Mandatarin Stephanie Krisper: Angst sei eine Emotion, mit der
in der Politik gerne gearbeitet werde. Und wenn die Fakten nicht
reichten, arbeite man stattdessen mit Unwahrheiten, wofür das Thema Asyl
schon lange herhalten müsse, betonte Krisper: "Aber nicht nur von
Seiten der FPÖ sondern auch der ÖVP." Beide betrieben "Angstmacherei".
Die FPÖ befinde sich jedoch mit ihrer Forderung nach Pushbacks "völlig
außerhalb des Verfassungsbogens", so Krisper. Die NEOS befürworten
ebenfalls eine Kooperation innerhalb Europas, aber gerade FPÖ und ÖVP
seien dafür nicht zu haben.