Nach der gestrigen Meldung, dass ein für den Export von kasachischem Öl bestimmtes Terminal im Schwarzen Meer für 30 Tage seinen Betrieb einstellen muss, sieht das Wifo keine direkten Versorgungsprobleme für Österreich. Allerdings sollte Österreich sich nach anderen Lieferwegen umschauen.
Generell sei der Ölmarkt liquide und es gebe für die OMV die Möglichkeit, das fehlende Öl aus Kasachstan auf dem Weltmarkt zuzukaufen. Wichtig sei dabei nur, dass die Qualität der des Öls aus Kasachstan entspricht, da die Raffinerie es sonst nicht verarbeiten könne. Das Angebot sei aber vorhanden.
Auswirkungen des kasachischen Öl-Stopps begrenzt
Die Auswirkungen des kasachischen Öl-Stopps
seien derzeit aber ohnehin begrenzt, da die OMV wegen der havarierten
Raffinerie das Öl nur sehr eingeschränkt verarbeiten könne. Ein
Knackpunkt ist jedoch der Preis: "Es wird insgesamt teurer in der
Beschaffung", so Baumgartner.
Österreich benötigt andere Öl-Lieferwege laut Wifo
Dass das Öl aus Kasachstan kurzfristig auf anderem Wege nach Österreich
kommen könnte, hält Baumgartner für sehr unwahrscheinlich. Der Terminal
der Caspian Pipeline Consortium (CPC) sei "im Prinzip der einzige Weg
um Öl von Kasachstan zu bekommen", sagte der Ökonom. Zwar könnte man theoretisch mit Tankwägen das Öl in andere Häfen bringen und von dort weiter verladen, ökonomisch habe das aber nur wenig Sinn.
Öl-Stopp von russischer Seite mit Umweltschäden begründet
Ob
nach der 30-tägigen gerichtlich verordneten Pause das kasachische Öl
wieder fließen wird, sei nur schwer abzuschätzen. Von russischer Seite
wurde der Stopp mit Umweltschäden begründet, die Wahrscheinlichkeit,
dass es auch eine politische Komponente gebe, sei aber hoch. Russland
wolle seinen Einfluss in Kasachstan
weiter ausbauen und das bestehende Regime stabilisieren. In der ersten
Jahreshälfte habe es Unruhen in dem Land gegeben, die mithilfe von
russischen Truppen gewaltsam beendet wurden.
Wahrscheinlicheit für politisches Druckmittel ist hoch
"Die Wahrscheinlichkeit, dass das auch ein politisches Druckmittel ist, ist schon sehr hoch", so Baumgartner. Österreich täte daher gut daran, sich nach neuen Lieferwegen für Öl umzusehen. Das heiße aber nicht, dass man Öl aus Kasachstan
nicht mehr abnehmen könnte, wenn es wieder fließen würde. Auf dem
Weltmarkt eingekauftes Öl könne vor dem Ausliefertermin recht einfach
wieder am Terminmarkt weiter verkauft werden.
Nachfrage nach Mineralölprodukten steigt
Die Nachfrage der
Unternehmen nach Mineralölprodukten dürfte jedenfalls steigen, nachdem
die heimische Regierung diese Woche den Gas-Großverbrauchern angeordnet
hat, soweit möglich auf Öl und alternative Energieträger umzusteigen.
Allerdings sei fraglich, wie schnell und inwiefern so eine Umrüstung auf
Öl möglich sei, so Baumgartner. Aus
umweltpolitischer Sicht betonte der Ökonom, dass das Verbrennen von
Heizöl eine klar höhere CO2-Belastung habe als Gas. Längerfristig
betrachtet müssten sich die Unternehmen also gut überlegen, wie es
weitergehen soll und darauf einstellen, dass die Gasversorgung aus Russland zurückgehen und Flüssiggas (LNG) teurer wird.
Umrüsten auf alternative Energieträger ebenfalls mit Problemen behaftet
Auch IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß sagte, dass ein Umrüsten auf Öl "klimatechnisch eine Katastrophe" sei. Ein Umrüsten auf alternative Energieträger sei allerdings auch mit Problemen behaftet. So gebe es seit längerem große Lieferkettenprobleme wegen Chinas Null-Covid-Politik. Diese dürften auch mindestens noch bis Ende des Jahres anhalten. China ist einer der größten Lieferanten von Materialien für PV-Anlagen und Windräder.