Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo und IHS gaben am Donnerstag optimistische Wachstumsprognosen für heuer ab. Wifo und IHS waren sich außerdem einig, dass Horrorszenarien bei einem Gaslieferstopp sehr unwahrscheinlich seien.
Ein Gaslieferstopp, oder auch nur eine weitere drastische Senkung der Lieferungen, ist darin allerdings nicht enthalten. Beide Institute haben auch solche Szenarien gerechnet. In der schärfsten Form könnte das zu einem starken Konjunktureinbruch führen - solche Entwicklungen seien aber sehr unwahrscheinlich, waren sich Wifo und IHS einig.
IHS rechnete Entwicklung mit einer um 30 Prozent reduzierten Gasversorgung vor
Das IHS hat eine Entwicklung gerechnet, bei der die Gasversorgung um 30 Prozent reduziert würde. Das könnte zu einem Wirtschaftseinbruch von drei Prozent und einem Rückgang der Beschäftigung um vier Prozent führen. Was genau passiert, hängt aber vor allem davon ab, wie viel Gas durch andere Energieträger ersetzt werden kann, sagte IHS-Chef Klaus Neusser am Donnerstag vor Journalisten. Könnten die Unternehmen Gas überhaupt nicht ersetzen - was unrealistisch ist - dann würde die Wirtschaft um sechs Prozent einbrechen. Auch wenn der Lieferstopp länger dauert bis alle Speicher leer sind, wäre die Auswirkung dramatischer.
Auch Wifo rechne jeden Tag ein neues Szenario
Auch
das Wifo "rechnet jeden Tag ein neues Szenario", aber Wifo-Chef Gabriel
Felbermayr verwies auf die unterschiedlichen Annahmen, die möglich
seien. Schon wenn der Winter ungewöhnlich kalt ausfallen sollte, "ist
alles anders". Auch senke jeder Tag, an dem die Speicher weiter befüllt
werden können, die Wahrscheinlichkeit einer dramatischen Entwicklung.
Abgesehen davon, dass Unternehmen den Energieträger Gas ersetzen
könnten, könnten sie auch mit dem Import von Vorprodukten die
Eigenproduktion ersetzen. Insofern seien die Unsicherheiten gewaltig,
aber "jedenfalls zeigen die Modelle, dass es teuer wird" - und wohl mit
einer Rezession zu rechnen ist, so Felbermayr. Die Industrieproduktion
breche bald einmal zweistellig ein - "ob um 15 Prozent oder 20 Prozent,
darüber kann man streiten" - aber die Wahrscheinlichkeit dafür sei klein
- jedenfalls für 2022.
Wifo und IHS halten Horrorszenarien bei einem Gaslieferstopp für unwahrscheinlich
"Wenn man wirklich Horror haben will", so
Felbermayr, dann müsse man die Zahlen für einzelne Regionen rechnen.
Denn für Wien heiße ein Gaslieferausfall ganz etwas anderes als für die
Industrieregionen, etwa im Zentralraum Oberösterreich oder in der
Mur-Mürz-Furche. Die Probleme wären konzentriert in diesen Regionen. Das
wäre dann politisch ungleich schwerer handzuhaben und ein großer
Unterschied zur Corona-Krise.
Erschreckende Szenen für Ausfall der Gaslieferungen in Deutschland
Zuletzt hatte es erschreckende Szenarien für einen allfälligen Ausfall der Gaslieferungen in Deutschland gegeben. Auch dort liege die Wahrscheinlichkeit, dass es im Fall des Falles so schlimm kommt, nur bei 20 Prozent, erinnerte Felbermayr. Aber Deutschland habe den Nachteil, weniger Speicherkapazität zu haben - da sei die Ausgangslage in Österreich besser. Außerdem werde weniger Gas für die Stromerzeugung gebraucht und der Industrieanteil Österreichs sei kleiner.