Am Montag beraten die EU-Außenminister in Luxemburg über die Annäherung der Ukraine und der Republik Moldau an die EU. Eine Entscheidung wird Ende der Woche erwartet.
Die Entscheidung über den EU-Beitrittskandidatenstatus der Ukraine dürfte auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag fallen. "Was wir erwarten für den kommenden EU-Gipfel, ist ein klares Signal Richtung Osten, aber auch Richtung Südosten", sagte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) vor dem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen.
Die EU-Kommission hatte
empfohlen, der Ukraine und Moldau (Moldawien) den Status eines
Beitrittskandidaten zu verleihen. Österreich knüpft seine Zustimmung
daran, dass die EU ähnliche Signale auch gegenüber den
Westbalkan-Staaten aussendet. "Wir können uns keinen geostrategischen
Tunnelblick leisten und auf einem Auge blind sein", betonte Schallenberg
weiter. Man stehe nicht nur in der Verantwortung gegenüber der Ukraine
oder Moldau, sondern auch gegenüber den sechs Westbalkanstaaten -
Serbien, Montenegro, Nordmazedonien, Albanien, Bosnien-Herzegowina und
dem Kosovo.
Es sei eine "sehr volatile Gegend, die Nervosität ist
mit Händen greifbar", sagte der Außenminister, und er warnte: "Russland
hat Destabilisierungspotenzial weit über die Ukraine hinaus." Beim
EU-Gipfel werde Österreich auf jeden Fall eine "Gesamtdiskussion zur
europäischen Nachbarschaft" fordern. Auf die Frage, ob Österreich
blockiert, sollte es kein Signal Richtung Westbalkan geben, antwortete
Schallenberg: "Unsere Erwartung ist, dass die Partner das verstehen,
(...) die Erweiterung ist das wichtigste geostrategische Instrument."
"Wir
haben sicher den Informationskrieg in Europa gewonnen, aber in anderen
Teilen der Welt nicht", sagte Schallenberg mit Blick auf den Nahen
Osten, Afrika und Südasien. Dort sei teilweise das russische Narrativ
vorzufinden. Die Europäer dürften "nicht in eine eurozentrische
Nabelschau verfallen" und müssten dort Aufklärungsarbeit und
Unterstützungstätigkeiten leisten, warnte er.
Schallenbergs
deutsche Amtskollegin Annalena Baerbock sprach mit Blick auf den
EU-Beitrittsprozess der Ukraine von einem "historischen Moment". Man
müsse der Ukraine deutlich machen, dass sie zu Europa gehöre, sagt
Baerbock laut Nachrichtenagentur Reuters vor Beginn von Beratungen der
EU-Außenminister in Luxemburg. Das gleiche gelte für Moldawien. Klar sei
aber auch, dass es bis zu einer Aufnahme beider Länder einen
schwierigen Prozess geben werde. Das gelte auch für eine Reform der
Europäischen Union.
Bei den Außenministern könnte auch die
Militärhilfe für die Ukraine zur Sprache kommen. Bisher hat die EU aus
einem Fonds zwei Milliarden Euro für gemeinsame Waffenkäufe freigegeben.
Österreich hat entsprechende Beschlüsse ermöglicht, beteiligt sich aber
wegen seines neutralen Status nicht aktiv daran. Weitere Themen der vom
EU-Außenbeauftragten Joseph Borrell geleiteten sind die Beziehungen zu
Ägypten und die Lage am Horn von Afrika.