Am Mittwoch hat der Nationalrat weitere Gesetzesbeschlüsse zur bewältigung der Gaskrise im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine gefasst.
Mit einer Novelle zum Gaswirtschaftsgesetz, der alle Fraktionen außer den NEOS zustimmten, werden sämtliche Speicheranlagen in Österreich zum Anschluss an das heimische Leitungsnetz verpflichtet. Auf ungenutzte Speicherkapazitäten gibt es in Zukunft Zugriff. Dabei geht es vor allem um den Speicher im Salzburger Haidach.
Der Nationalrat hat für eine eventuelle Gaskrise vorgesorgt
Mit dem Gasdiversifizierungsgesetz, dem nur
die Regierungsfraktionen ÖVP und Grüne zustimmten, werden zudem jeweils
100 Millionen Euro in den Jahren 2022 bis 2025 als Ausgleich für die
Mehrkosten beim Ausstieg aus russischem Erdgas für Unternehmen
bereitgestellt werden. Abgezielt wird auch auf die Umrüstung von Anlagen
auf den alternativen Betrieb mittels anderer Energieträger.
Gewessler betonte Wichtigkeit des Endes von Energieabhängigkeit
Umweltministerin
Leonore Gewessler (Grüne) betonte im Plenum erneut, dass man von der
fossilen Energieabhängigkeit von Russland wegkommen müsse, weil dieses
Energielieferungen als Waffe verwende. Dies sei "kein Spaziergang"
sondern ein Kraftakt, "und dieser Kraftakt wird uns alle noch sehr
fordern". Mit den beiden Gesetzesänderungen könne man die Abhängigkeit
Schritt für Schritt reduzieren und das System resilienter machen.
Ziel: Unabhängigkeit von russischem Erdgas bis 2027
Ziel
bleibe es dabei, 2027 unabhängig von russischem Erdgas zu sein. Bereits
heuer werde man die Abhängigkeit von 80 auf 70 Prozent reduzieren, so
die Ministerin.
Von der Opposition kam Kritik daran. Alois Schroll
(SPÖ) begrüßte zwar die Schritte zu mehr Versorgungssicherheit,
forderte aber "Realitätssinn statt Grünutopie". Mit einigen Windrädern
könne das Gas nicht ersetzt werden. Nicht nur das Erneuerbaren Wärme
Gesetz (EWG) kritisierte er hier, er vermisste auch das Klimaschutz- und
das Energieeffizienzgesetz.
Viel Kritik an Vorsorge zur Gaskrise von der Opposition im Nationalrat
Erwin Angerer (FPÖ) sprach gar von
"betriebswirtschaftlichem Wahnsinn" und "vorsätzlicher Schädigung des
österreichischen Steuerzahlers". Was vorliege, seien
Sanktionsauswirkungsgesetze, mit denen enteignet und drübergefahren
werde. Karin Doppelbauer (NEOS) kritisierte, dass man nun ausbaden
müsse, was von Russland gesteuerte Manager, Wirtschaftskämmerer und
willfährige Politiker dem Land eingebrockt hätten.
Optimismus von Lukas Hammer von den Grünen
Von den
Regierungsfraktionen versprühte hingegen Lukas Hammer (Grüne)
Optimismus: "Wir können und werden das Gas mit erneuerbaren Energien
ersetzen." Man müsse nicht nur raus aus russischem Erdgas, sondern
generell aus der Abhängigkeit von Öl und Gas.
Zustimmung vom großen Koalitionspartner ÖVP
Vom großen
Koalitionspartner kam Zustimmung. Es gehe um Versorgungssicherheit für
Haushalte und Betriebe, betonte Tanja Graf (ÖVP). Auch ihr Tiroler
Parteikollege Franz Hörl pflichtete ihr bei, konnte sich Kritik an
Gewessler aber nicht verkneifen, was den beschleunigten Ausbau von
Windkraftanlagen betrifft. Der Vorwurf, dem Westen seien Skilifte und
Berggipfel wichtiger als Windräder, "tut mir in der Seele weh". Es fehle
in Tirol nicht an Möglichkeiten, sondern an Investoren, die eine
gewinnbringende Wetter- und Windsituation im Land erkennen würden.
Im Laufe des Tages ist im Nationalrat auch noch die Novellierung des Miniseriengesetzes angesetzt, mit der die jüngste Umbildung in der ÖVP-Regierungsriege nachvollzogen wird. In Sachen soll der Gesundheitsminister künftig allgemeine Verkehrsbeschränkungen (als Alternative zur Absonderung) verordnen können. Ebenfalls zum Beschluss steht die Oberstufen-Reform an den Schulen an.