Laut Experten würden die Entlastungsmaßnahmen gegen die Teuerung von der österreichischen Regierung die Inflation nicht zusätzlich anheizen. Die Bundesregierung nimtt viele Milliarden Euro für das Paket in die Hand.
Alleine für heuer und 2023 sollen sechs Mrd. Euro bereitgestellt werden, ein Gutteil dürfte dabei in Direkthilfen wie den Klimabonus fließen. Eine Gefahr, dass die Inflation durch die Maßnahmen weiter angekurbelt werden könnte, sah die Regierung am Dienstag nicht. Auch Experten halten das für eher unwahrscheinlich.
Experten: Maßnahmen würden die Inflation nicht anheizen
So erwartet Josef Baumgartner, Inflationsexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), "keinen starken Inflationsdruck" durch das Paket. Zwar dürfte sich die Nachfrage aufgrund zusätzlich verfügbarer Einkommen für die Haushalte leicht erhöhen, insgesamt werde sich aber der Konsumlevel halten, sagte er im Gespräch mit der APA. Ein inflationärer Effekt für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage entstehe also nicht. Baumgartner verwies zudem darauf, dass sich durch das Paket nicht zwangsläufig die Geldmenge erhöhe, auch wenn mehr Geld in den Umlauf komme.
Armon Rezai: Das Paket werde die Inflation nicht anheizen
Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Armon Rezai von der Wirtschaftsuniversität Wien
(WU). Auch er denkt nicht, "dass das Paket die Inflation anheizen
wird", selbst wenn sich dadurch die Nachfrage erhöhen sollte. In
Österreich sehe man sich derzeit vor allem mit einer importierten
Inflation konfrontiert, die auf globale Entwicklungen und
Preissteigerungen, etwa im Energiesektor, zurückzuführen sei. Leichte
Steigerungen bei der Nachfrage würden hier "das Kraut auch nicht mehr
fett machen", so der Professor.
Kogler: Inflation werde nach Österreich importiert
Ähnlich äußerte sich Vizekanzler
Werner Kogler (Grüne) am Dienstag: "Österreich ist eine kleine, offene
Volkswirtschaft. Das bedeutet, dass die Inflation im Wesentlichen
importiert ist." Wäre Österreich alleine auf der Welt, dann würde mehr
Geld bei gleichem Angebot zu höheren Preisen führen, so der studierte
Volkswirt. Österreich sei aber in erster Linie ein Inflationsnehmer und
könne die weltwirtschaftlichen Vorgänge kaum beeinflussen. Allerdings
seien die Maßnahmen auch nicht gerade inflationsdämpfend, räumte er ein.
Regierungshilfen von geldpolitischen Instrumenten trennen
Laut
Rezai gilt es, fiskalpolitische Maßnahmen wie die Regierungshilfen von
geldpolitischen Instrumenten zu trennen. Diese hätten unterschiedliche
Effekte für die Inflation. Bei den Regierungsmaßnahmen handle es sich um
kein "Helikoptergeld", also Geld, dass von der Zentralbank für den
Zweck der Verteilung gedruckt wird. Dieses würde die Inflation nämlich
direkt verstärken, sobald es in den Wirtschaftskreislauf komme.
Rezai stellte sich die Frage, wie das Paket zur Teuerung gegenfinanziert wird
Auch
stellt sich laut Rezai die Frage, wie das Paket gegenfinanziert wird.
Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) sagte am Dienstag bei der
Vorstellung der Maßnahmen, dass sich die Hälfte der 28 Mrd. Euro durch
höhere Mehrwertsteuereinnahmen aufgrund der Inflation und zu einem
Drittel durch höheren Konsum finanzieren werde.
IHS-Chef Klaus erwartet Belastung für das Staatsbudget
IHS-Chef Klaus
Neusser erwartet eine Belastung für das Staatsbudget, eine
Neuverschuldung könne man nicht ausschließen. Zu einer möglichen
Inflationssteigerung meinte Neusser: "Durch die gestärkte Nachfrage
steigt der inflationäre Druck, zu einer gewichtigen Inflationserhöhung
wird das nicht führen."
Schuldenlast würde sich durch die hohe Inflation reduzieren
Rezai erklärte, dass sich die Schuldenlast
durch die hohe Inflation reduziere, da die Tilgungszahlungen durch die
Geldentwertung relativ geringer würden. Leichte Zinserhöhungen, wie sie
zuletzt von der EZB für Juli angekündigt wurden, dürften daran im Großen
und Ganzen nichts ändern.
Von einem "geringen Impuls" bzw. einem
"begrenzten Einfluss" der Maßnahmen auf die Teuerung geht auch die
Wifo-Ökonomin Margit Schratzenstaller aus. Sie orte allerdings die
Gefahr, dass durch die Belastung des Budgets künftig notwendige
Strukturreformen nicht mehr so einfach durchführbar werden. Außerdem
gebe es die Gefahr, dass Zukunftsinvestitionen auf der Strecke bleiben.