Zur Schließung des "Fair Pay Gaps" konnten sich die Bundesländer nun auf gemeinsame Richtlinien einigen. Einer der wichtigsten Punkte ist, dass die Gebietskörperschaften bei der Auszahlung nicht voneinander abhängig sind.
Bereits Anfang des Jahres stellte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) den Beitrag des Bundes zur Schließung des "Fair Pay Gaps" vor - also der Differenz zwischen tatsächlich ausbezahltem und als fair einzustufendem Gehalt. Nun hat man sich auch mit dem Bundesländern auf eine gemeinsame Strategie geeinigt, die am Freitag bei der Landeskulturreferenten-Konferenz in Grafenegg vorgestellt wurde. Die neun Punkte des Papiers bleiben allerdings weitgehend vage.
Gemeinsames Strategiepapier zu
"Fair Pay" in der Kultur unterzeichnet
So
einigten sich die Gebietskörperschaften etwa darauf, künftig "einen
größeren Beitrag zu fairer Bezahlung in Kunst und Kultur zu leisten",
konkrete Zahlen dazu gibt es nicht. Denn, so ist in Punkt 2 zu lesen:
"Die Gebietskörperschaften entwickeln ihre Fai-Pay-Modelle unabhängig
auf Basis des Fairness-Codex, aber verfolgen dabei eine gemeinsame
Strategie". Dieser Codex wurde vor einigen Wochen vorgestellt und
orientiert sich entlang der Werte Respekt und Wertschätzung,
Nachhaltigkeit, Transparenz und Vielfalt.
Die Ausschüttung von Fair-Pay-Mitteln soll künftig Aspekte wie "Qualität und Professionalität", Orientierung an Honorarempfehlungen der Interessensgemeinschaften, transparente Darstellung der Gehälter gegenüber den Fördergebern und nachvollziehbare Verfahren bei Stellenbesetzungen berücksichtigen. Festgeschrieben wurde auch, dass die Ausschüttung der Mittel primär für die Anhebung von Gehältern im bestehenden Beschäftigungsausmaß zweckgewidmet sein soll. Festgeschrieben wurde auch, dass mit den Mitteln vorwiegend Gehälter bedacht werden sollen, die einen hohen Fair-Pay-Gap aufweisen.
Richtlinien für faire Vergütung, kein Mehr an Programm
Einer
der wichtigsten Punkte ist wohl jener, dass die Gebietskörperschaften
bei der Auszahlung nicht voneinander abhängig sind. Somit wird
verhindert, dass Förderungen etwa nur dann ausgezahlt werden, wenn der
Bund - oder vice versa das Land - ebenfalls Fair-Pay-Mittel auszahlt.
Abschließend wird festgehalten: "Ziel dieser Strategie ist eine faire
Vergütung bestehender Arbeit, kein Mehr an Programm und/oder
Produktion."
Mayer hatte im Jänner für den Bund eine Pilotphase angekündigt, in der 6,5 Mio. Euro ausgeschüttet werden können. Mit der Unterzeichnung der "Fair-Pay-Strategie" ist der Prozess allerdings noch nicht abgeschlossen. So einigte man sich auf die "Weiterführung konstruktiver Gespräche" etwa im Rahmen eines jährlichen "Runden Tisches", Reporting getroffener Maßnahmen sowie ein "Bekenntnis zu Monitoring und Evaluierung".
"Fair-Pay-Strategie" für Mayer "historisch"
Sie halte das Papier "für
historisch", ließ Mayer in einer Aussendung wissen. "Hätten Sie mich vor
zwei Jahren gefragt, ich hätte ein Dokument wie dieses nicht für
möglich gehalten. Hier steht auf wenigen Seiten Papier, unterschrieben
von Vertreterinnen und Vertretern aller Bundesländern, des Bundes und
der Städte und Gemeinden, ein klares Bekenntnis, dass dort, wo
öffentliche Gelder eingesetzt werden, auch fair bezahlt werden soll."
Von
einer gar "bahnbrechenden Neuerung in der österreichischen
Kulturpolitik" sprach am Freitag der Chef der IG Autorinnen Autoren,
Gerhard Ruiss: "Das bedeutet eine klare Absage an alle Sparmaßnahmen in
der Kunst und Kultur bei Honoraren und Gehältern und eine Abkehr von
mehr Wirtschaftlichkeit durch Gehalts- und Honorardumping." Ruiss
erwartet sich, dass die Einigung für den geförderten Bereich auch auf
andere Akteure ausstrahlen wird.