Die SPÖ fordert angesichts seitgender Gewalt an Frauen und Femiziden 228 Millionen Euro für Gewaltambulanzen und warf der türkis-grünen Bundesregierung Untätgikeit vor.
"Das zögerliche Verhalten kostet Menschenleben", übte Abg. Justizsprecherin Selma Yildirim am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck scharfe Kritik. Yildirim forderte die sofortige Auszahlung von 228 Millionen Euro für nachhaltige Gewaltschutzstrukturen sowie die flächendeckende Schaffung von Gewaltambulanzen.
SPÖ fordert 228 Millionen Euro für den Gewaltschutz
Zudem erneuerte die Nationalratsabgeordnete und Vorsitzende der Tiroler SPÖ-Frauen die Forderung nach 3.000 zusätzlichen Vollzeitstellen im Bereich des Gewaltschutzes. Bisher seien von den dringend benötigten 228 Millionen Euro nur 25 Millionen Euro von der Bundesregierung beschlossen worden. "Im ersten Jahr ist nirgends etwas angekommen. Und auch jetzt tröpfelt das Geld nur sehr langsam", griff Yildirim Türkis-Grün frontal an. Kurzfristig brauche es zudem unter anderem eine "Verbesserung der Schnittstellen" zwischen Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten und etwa dem Verein "Neustart". Langfristig müsse gegen die wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen angekämpft werden, die das "Hauptübel" sei.
SPÖ für Schaffung von Gewaltambulanzen
Für
essenziell im Bereich des Gewalt- und Opferschutzes hielt die
SPÖ-Politikerin die Schaffung von rechtsmedizinischen Gewaltambulanzen.
Bisher gebe es in Österreich nur eine - nämlich in Graz. Dadurch sollen
professionell Beweise gesichert und Verletzungen dokumentiert werden.
Dies könne dann später in einem Gerichtsverfahren verwendet werden.
Sollte es dort "Aussage gegen Aussage" heißen, wäre die Dokumentation
unmittelbar nach der Gewalttat ein wichtiges Beweismittel. Bei
Vorhandensein einer solchen Gewaltambulanz würden sich Frauen wohl auch
eher trauen, in eine Klinik zu gehen und professionelle Hilfe in
Anspruch zu nehmen, erklärte die Geschäftsführerin des
Gewaltschutzzenturms Tirol, Eva Pawlata.
Yildirim stellt in abrede, dass SPÖ zu wenig gegen Gewalt an Frauen getan habe
Dass auch die SPÖ
angesichts ihrer langen Regierungsbeteiligung auf Bundesebene zu wenig
gegen Gewalt an Frauen unternommen habe, stellte Yildirim indes in
Abrede: Man regiere auf Bundesebene schon seit dem Jahr 2017 nicht mehr,
in Tirol seit 2013. Der Erfahrung der Sozialdemokraten zufolge, sei der
Aufbau einer nachhaltigen Gewaltschutzstruktur zudem bisher immer an
der ÖVP, ihrer konservativen Zugangsweise und ideologiegetriebenen
Politik gescheitert.
Gewalt an Frauen in Österreich sei immer noch zu sehr ein Tabuthema
Generell sei Gewalt an Frauen in Österreich
immer noch viel zu sehr ein Tabuthema. Dies hänge auch mit der Stellung
der Frau in der Gesellschaft zusammen. In skandinavischen Ländern
beispielsweise sei man dahingehend schon weiter, ergänzte Pawlata. Dort
würden weniger Frauenmorde passieren und würden auch die Anzeigen wegen
Gewaltdelikten viel häufiger vorkommen. Eben aufgrund der Tatsache, dass
es sich weniger um ein Tabuthema handle als hierzulande, so Yildirim
und Pawlata unisono.