Immer mehr Beschäftigte hierzulande arbeiten, obwohl sie sich nicht gesund fühlen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer hervorgeht.
Der Prozentsatz der unselbstständig Erwerbstätigen, die trotz akuter Erkrankung gearbeitet haben, verdoppelte sich laut Umfrage in den vergangenen zehn Jahren auf 65 Prozent. "Wer krank arbeitet, tut das meist, weil niemand da ist, der die Arbeit übernehmen kann", sagte AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl.
Das Phänomen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz Krankheit oder gesundheitlichen Beschwerden arbeiten, wird Präsentismus genannt. Besonders häufig tritt dies laut Befragung im Gesundheits-, Sozial- und Unterrichtswesen auf. Viele Beschäftigte würden, aus Rücksicht gegenüber Kolleginnen und Kollegen, krank zur Arbeit gehen. Ein erheblicher Teil der Befragten führte das Gefühl an, dass die Arbeit sonst liegenbleiben würde oder niemand verfügbar sei, um diese zu übernehmen. Auch Befürchtungen gegenüber Vorgesetzten oder die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz würden bei Präsentismus eine Rolle spielen. Der Arbeitsklimaindex wird seit 30 Jahren von der Arbeiterkammer Oberösterreich mit den Forschungsinstituten IFES und Foresight erhoben. Dafür werden jährlich über 4.000 Beschäftigte befragt.
Angesichts der Umfrageergebnisse fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich "eine gerechte und qualitative Gesundheitsversorgung für alle Menschen". Es dürfe auch zu keiner Verschlechterung bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall kommen. Die Arbeitnehmervertreter drängen außerdem auf einen Kündigungsschutz während des Krankenstandes. Außerdem müsse es mehr Investitionen in Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung sowie strukturelle Maßnahmen wie ausreichende Personalausstattung geben.
Die Gewerkschaft sieht die laut Umfrage hohen Präsentismus-Zahlen als "Hinweis auf strukturelle Probleme bei Personal, Führung und Arbeitsdruck". Die Verantwortung für ausreichende Vertretung und gute Organisation liegt nicht bei den Beschäftigten, sondern bei den Betrieben", so ÖGB-Vertreterin Julia Stroj.