Der Verein Gedenkdienst lehnt den von der Wehrdienstkommission vorgeschlagenen Vorschlag ab, die Dauer des Gedenkdienstes von aktuell zwölf auf 15 Monate zu verlängern.
Die Verlängerung des Gedenkdienstes wäre "ein finanzieller und organisatorischer Mehraufwand, der mit der ohnehin angespannten Fördersituation nicht umsetzbar ist", so der Verein Gedenkdienst in einer Aussendung. Laut der zuständigen ÖVP-Ministerin Claudia Bauer (vormals Plakolm), sei die politische Entscheidung über die Dauer noch nicht gefallen.
Verein Gedenkdienst fordert nachhaltige Förderung statt zusätzlicher Hürden für Erinnerungsarbeit
Mit der möglichen Ausweitung sieht der Verein Gedenkdienst eine existenzielle Bedrohung für sich und eine "erhebliche Schwächung zivilgesellschaftlichen Engagements". Grundsätzlich begrüße man bessere Bedingungen für Wehrdienstleistende, diese dürften aber nicht zulasten der Gedenk-Entsendungen gehen. "Wer Erinnerungskultur ernst nimmt, darf sie nicht durch Laufzeitverlängerungen und finanzielle Hürden aushöhlen", sagte Vereinsobmann Adrian Erhart. Es dränge sich der Verdacht auf, dass ziviles Engagement zugunsten des Wehrdienstes sanktioniert werden soll.
Gefordert wird "eine klare Abkehr von dieser Verlängerungsempfehlung". Kritische Erinnerungsarbeit brauche nachhaltige Förderung anstelle zusätzlicher Hürden. Zudem orientierten sich die weltweiten Einsatzstellen an einem 12-Monats-Rhythmus, eine Änderung würde den Dienst für viele unzugänglich machen. "Eine zeitliche Ausdehnung auf 15 Monate ohne entsprechende Ressourcen ist keine Reform, sondern eine strukturelle Schwächung der Erinnerungskultur Österreichs", hieß es in der Mitteilung.
Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus
Der Gedenkdienst zielt besonders auf Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig, kann aber als Zivildienst angerechnet werden. Mindestalter sind 17 Jahre, Einsatzgebiete etwa Bildungs- und Aufklärungsarbeit oder wissenschaftliche Aufarbeitung. Der Verein Gedenkdienst organisiert die Entsendungen als eine von zwei Trägerorganisationen seit 1992. Rund 20 Freiwillige nehmen jährlich an dem Programm teil. Sie sind an verschiedenen Einrichtungen in Europa, Israel, Südamerika und den USA tätig und arbeiten dort u.a. in Gedenkstätten, Archiven, Forschungseinrichtungen oder in der Überlebendenbetreuung.
Die vom Verteidigungsministerium eingesetzte Wehrdienstkommission hatte sich Anfang des Jahres für eine Verlängerung der Wehrpflicht ausgesprochen. In dem Bericht wird auch "die Anhebung des Gedenkdienstes auf 15 Monate" gefordert. Ministerin Bauer betonte in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA: "Der Gedenkdienst steht für mich völlig außer Streit. Es ist von historischer Bedeutung, wenn junge Burschen ihren Zivildienst an Holocaust-Gedenkstätten z.B. in Israel absolvieren. Das wird selbstverständlich bleiben." Die zukünftige Länge des Gedenkdienstes sei eine "politische Entscheidung, die aussteht", hieß es aus ihrem Büro.
"Wird die Dauer des Grundwehrdienstes erhöht, muss natürlich auch der Zivildienst verlängert werden, denn er ist der Wehrersatzdienst", räumte Bauer ein. Das müsse jedoch verhältnismäßig passieren, ein Jahr sei hier "die Grenze". Nicht mehr als Zivildienst anerkannt werden soll hingegen das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ).