Das am Freitag angekündigte Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige wird unterschiedlich aufgenommen. UNICEF Österreich warnt vor möglichen negativen Folgen. Kritik kommt von FPÖ und epicenter.works Die Internetanbieter pochen auf eine "technisch saubere" Umsetzung.
UNICEF warnt, dass das Social-Media-Verbot dazu führen könne, "dass Kinder von Informationen, Freundschaften und Unterstützung abgeschnitten werden, die sie anderswo nicht finden können" und in "unsichere, unregulierte Räume gedrängt werden". Die Organisation schließt aber nicht aus, dass eine Altersgrenze auch zum Schutz von Kindern beitragen kann. Es brauche einen ganzheitlichen Ansatz. Bei der Altersüberprüfung müssten weiters Kinderrechte wie Datenschutz und Nicht-Diskriminierung beachtet werden.
Social-Media-Verbot: Kritik von FPÖ und Grünen
Der freiheitliche Generalsekretär Christian Hafenecker sieht darin einen "Offenbarungseid einer autoritären Gesinnung". Die Regierung wolle die Jugendlichen von "kritischen Stimmen und Informationsangeboten" abseits von "Mainstream" und ORF fernhalten. Für die FPÖ ist dies "betreutes Denken (...) à la DDR 2.0". Die Grünen bemängeln dann fehlende "konkrete Details". Die grüne Kinder- und Jugendsprecherin Barbara Neßler kritisiert, dass die Regierung bei dem Thema zu viel Zeit braucht. Zudem schließe die Regierung zwar aus, dass die für eine Alterskontrolle nicht bei Konzernen landen, nicht aber, dass der Staat die Identitätsdaten sammelt. "Das ist eine Klarnamenpflicht durch die Hintertür", schließt Digitalisierungssprecher Süleyman Zorba an.
Datenschützer sehen in Social-Media-Verbot Verstoß gegen EU-Recht
epicenter.works macht darin einen mehrfachen Verstoß gegen EU-Recht aus. Das österreichische Gesetz greife nur für ansässige Plattformen. Die großen Digitalkonzerne hätten ihren europäischen Sitz aber in Irland und könnten das Gesetz "getrost ignorieren", schreibt die Datenschutz-NGO auf "X". Eine mögliche damit verbundene Identifizierungspflicht verstoße weiters gegen Datenschutzregeln und den Schutz von Minderjährigen.
Social-Media-Verbot: Kinder und -Jugendanwälte zuletzt sehr kritisch
Die Kinder- und Jugendanwältinnen und -anwälte der neun Bundesländer hatten sich bereits vergangene Woche sehr kritisch gegenüber einer Social-Media-Altersgrenze gezeigt. "Ein rein österreichischer Schnellschuss wäre fatal", hatte die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Johanna Fellinger bei der Präsentation eines entsprechenden Positionspapiers gewarnt. Gefordert wurde die Umsetzung bestehender Regelungen, die Regulierung von Plattformen, EU-weite Lösungen und eine Stärkung der Medienkompetenz. Es gebe zudem bereits gesetzliche Regelungen und Altersbeschränkungen für digitale Plattformen, die eine eigenständige Nutzung von unter 14-Jährigen regulieren. "Was ist der Mehrwert einer neuen Gesetzgebung, wenn die bestehenden nicht funktionierten", fragte der Wiener Jugendanwalt Sebastian Öhner.
Kinderfreunde begrüßen Social-Media-Verbot
Das Hauptproblem liege nicht in der Nutzung von Social Media durch junge Menschen, sondern "im manipulativen Aufbau der Plattformen", sagt der BJV-Vorsitzender Moritz Mittermann. Trotzdem dürften "Kinder und Jugendliche mit Inhalten wie Kriegsbildern oder Falschinformationen nicht allein gelassen werden". Begrüßt wird die heute angekündigte Altersgrenze "als ersten Schritt" auch von den Kinderfreunden. Sie fordern eine strikte "Haftung der Plattformbetreiber für die Einhaltung" des Social-Media-Verbots. Zudem sollten "algorithmisierte Empfehlungssysteme" und Werbung für Minderjährige grundsätzlich verboten werden.