Die in manchen europäischen Ländern grassierende Vogelgrippe führt weiter zu teilweisen Eier-Engpässen in Österreich.
"Die Versorgungslage bleibt bis Ostern angespannt", sagte der Obmann des Produzentenverbands EZG-Frischei, Günther Wenninger, bei einer Pressekonferenz. Supermarkt-Vertreter bestätigten auf APA-Anfrage, dass manche Eiersorten kurzfristig ausverkauft sein können. Um die Eierversorgung zu verbessern, errichten derzeit zahlreiche Bauern hierzulande neue Ställe.
Die Zahl der Legehennen in Österreich soll bis Ende 2027 von 7,5 auf 8 Millionen steigen. Aufgrund der Vogelgrippe in Europa wurden außerhalb Österreichs bisher rund 12 Millionen Legehennen gekeult. Die europaweite Eier-Knappheit führt dazu, dass hierzulande manche Gastronomiebetriebe und Industrieunternehmen, die sonst billigere Importware verarbeiten, heimische Eier kaufen. Dadurch gibt es für die Supermarktketten weniger österreichische Eier im Einkauf. Bio-Eier in 10er-Packungen sind derzeit in den Geschäften oftmals schnell ausverkauft. Auch in innerstädtischen und kleinen Supermarktfilialen leeren sich die Eierregale schneller.
Kritik am Import von deutschen Frischeiern
Um besser versorgt zu sein, hat die Supermarktkette Spar nun Frischeier von einem bayerischen Betrieb ins Sortiment genommen. Die Eier aus Bayern werden in Spar-Filialen in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Tirol verkauft. "Dieser Schritt hat bei uns zu großer Verärgerung geführt", sagte Eier-Produzentenvertreter Wenninger. Die Eierbauern würden sich gegenüber den Handelsketten an die einjährigen Lieferverträge halten, am Spotmarkt würden die Produzenten einen höheren Preis bekommen. Derzeit werden wieder neue Eier-Lieferverträge zwischen dem Handel und den Eierbauern verhandelt. "Der Iran-Krieg verheißt nichts Gutes", so Branchenvertreter Wenninger. Die gestiegenen Kosten müsse man vom Handel abgegolten bekommen.
Die Supermarktketten haben sich für das Osterfest verstärkt mit Ware eingedeckt, geht aus einem APA-Rundruf hervor. "Wir tun alles, was wir können, um die heimische Bevölkerung mit genügend Eiern zu versorgen. Das gilt natürlich ganz besonders zu Ostern", hieß es von Spar. Es könne "die eine oder andere Eiersorte kurzfristig ausverkauft" sein, man liefere "aber jeden Tag nach". Wie lange Spar Eier aus Bayern im Sortiment führe, hänge von der Versorgungslage bei den heimischen Betrieben ab.
Bei Billa und Lidl nur Eier aus Österreich
Die Rewe-Töchter Adeg, Billa und Penny verkaufen laut eigenen Angaben nur Frischeier und gefärbte Eier aus Österreich. "Wir sind in allen Kategorien gut mit österreichischen Eiern versorgt. Lediglich punktuell kann es in einzelnen Märkten zu Engpässen bei einzelnen Packungsgrößen oder Haltungsformen kommen", erklärte Rewe. Laut einer Umfrage von Marketagent im Auftrag von Billa sind 7 von 10 Österreicherinnen und Österreicher dazu bereit, für Eier aus regionaler und tierfreundlicher Haltung zu Ostern mehr zu bezahlen.
Bei Hofer gibt es laut Eigenangaben ausschließlich österreichische Frischeier aus Österreich. "Temporäre Engpässe gerade vor Ostern können in Ausnahmefällen nicht ausgeschlossen werden", hieß es vom Diskonter. Um die erhöhte Nachfrage nach gekochten und bunt gefärbten Eiern in der Osterzeit abzudecken, verkauft Hofer vorübergehend auch Ostereier aus anderen EU-Ländern. Es handle sich "ausschließlich um kurzfristige Aktionsartikel", betonte der Diskonter. Trotz angespannter Eier-Versorgungslage stammen bei Lidl laut eigenen Angaben alle frischen und gefärbten Ostereier aus Österreich.
Bio-/Freiland-Eier verteuerten sich geringer als allgemeine Inflation
Österreich hat bei Eiern im EU-Vergleich einen der höchsten Bio-Anteile. Der mengenmäßige Bio-Anteil bei Eierkäufen im Lebensmitteleinzelhandel betrug 2025 rund 12 Prozent. Auf konventionelle Freilandhaltung entfielen 38 Prozent und auf Bodenhaltung rund 49 Prozent.
Die Preise für Bio- und Freiland-Eier sind im Vergleich zur allgemeinen Inflationsentwicklung in den vergangenen Jahren weniger stark gestiegen, Eier aus Bodenhaltung kosteten deutlich mehr. Bio-Eier verteuerten sich in den heimischen Supermärkten laut AMA-Marketing-Daten zwischen 2021 und 2025 um 18,4 Prozent auf 4,76 Euro (10er-Packung). Höher war das Preisplus bei Eiern aus Freilandhaltung (+24,7 Prozent) und Bodenhaltung (+42,9 Prozent). Zum Vergleich: Die Teuerung betrug seit 2021 rund 28 Prozent.
Mit einer Produktion von über zwei Milliarden Eiern pro Jahr hat Österreich einen Eigenversorgungsgrad von rund 87 Prozent. Durch den Ausbau der Legehennen-Ställe werde der Selbstversorgungsgrad um 5 Prozentpunkte steigen, sagte AMA-Marketing-Vertreter Martin Greßl bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Österreicherinnen und Österreicher essen laut AMA-Marketing im Schnitt rund 250 Eier pro Jahr. Der österreichische Lebensmittelhandel setzt fast ausschließlich auf österreichische Frischeier. "Dieses klare Bekenntnis zum österreichischen Ei ist nicht selbstverständlich", so der AMA-Marketing-Vertreter. Zu Ostern sind besonders gefärbte und gekochte Eier gefragt, bei denen aber keine Herkunfts- und Haltungsformenkennzeichnung verpflichtend ist. "Wer sicher sein möchte, dass das Ei aus Österreich stammt, sollte beim Kauf auf das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel oder das AMA-Biosiegel achten", sagte Greßl.
Eierproduzenten fordern weniger Bürokratie beim Stallbau
Um den heimischen Absatz hierzulande abzusichern, fordert die EZG-Frischei weiterhin eine verpflichtende Eier-Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und Lebensmittelindustrie. Die Eierproduzenten-Vertreter wünschen sich von den Eier-Packstellen und Supermarktketten "faire Preise". Um mehr Eier zu produzieren, brauche es außerdem einen Abbau bürokratischer Hürden beim Stallbau.