Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor sind nun Bewerbungen für den Job an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienhauses möglich.
ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer hat am Freitag den ORF-Chefposten bis Ende 2026 ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis 17. April möglich. Die Bestellung soll am 23. April erfolgen. Erwartet wird, dass sich Ingrid Thurnher, die gegenwärtig mit der vorläufigen Führung der ORF-Geschäfte betraut ist, bewirbt.
Lederer hatte den Posten laut ORF-Gesetz nach dem Rücktritt von Weißmann "unverzüglich" auszuschreiben. Er benötigte für den Schritt etwas weniger als zwei Wochen. Laut Ausschreibung sind Bewerbungen von Frauen besonders erwünscht. Neben einem Lebenslauf müssen Bewerberinnen und Bewerber auch ein Konzept für den ORF als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen abgeben. Erwartet werden u.a. ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorzugsweise in Recht, Wirtschaft oder Medienmanagement, Führungserfahrung, vertiefte Kenntnisse des Medienmarkts, Strategiekompetenz für die Weiterentwicklung des ORF und eine "hohe soziale Kompetenz".
"Die Funktion des Generaldirektors bzw. der Generaldirektorin verlangt Vertrauenswürdigkeit, Unbescholtenheit und ein Verhalten, das die Glaubwürdigkeit eines öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens sicherstellt", heißt es zudem. Die Entscheidung über die Vertragsgestaltung erfolgt gesondert und unter Berücksichtigung eines internationalen Vergleichs.
Bewerberinnen und Bewerber werden nur dann zur Bestellung zugelassen, wenn sie zuvor von einem ORF-Stiftungsratsmitglied zum Hearing nominiert wurden. Dieses erfolgt am Tag der Bestellungssitzung.
Die Person, auf welche die Wahl letztlich fällt, wird den ORF in etwa acht Monate lang leiten. Wer auf sie ab 2027 für die eigentliche nächste Funktionsperiode folgt, entscheidet sich Mitte August bei der ORF-Wahl.
Mit einer Kandidatur Weißmanns für eine weitere Periode ist ursprünglich gerechnet worden. Nach den von einer ORF-Mitarbeiterin gegen ihn vorgebrachten Vorwürfen wurden die Karten aber neu gemischt. Konkret soll Weißmann die Frau zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben, wobei er u.a. auch auf explizite Nachrichten gesetzt haben soll. Der Medienmanager bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe. Er ist gegenwärtig beurlaubt und hat seinen Anwalt Strafanzeige gegen zwei Personen bei der Staatsanwaltschaft Wien einbringen lassen. Diese prüft nun, ob ein Anfangsverdacht vorliegt.