Die Umweltorganisation WWF drängt aufgrund hoher Energiepreise und geopolitischer Risiken auf eine Änderung der Energie- und Klimapolitik in Österreich.
Um die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu verringern, seien Energieeinsparungen, der Ausbau erneuerbarer Energien, der Schutz natürlicher Ökosysteme und die Umschichtung fossiler Subventionen notwendig, so Klimaforscher Daniel Huppmann und WWF-Klimasprecherin Viktoria Auer. Über 50 Prozent unserer Energie stammen aus fossilen Importen, erklärte Huppmann bei einer Pressekonferenz. Der Nahostkrieg verdeutlicht erneut die Anfälligkeit unserer Gesellschaft und Wirtschaft durch diese Abhängigkeit. 2025 beliefen sich die Importkosten auf rund 8 Milliarden Euro, könnten dieses Jahr jedoch deutlich steigen, warnte Auer.
Derzeit fehlten etwa 20 Prozent der globalen Erdölförderung durch die Blockade der Straße von Hormuz. Nach Einschätzung des Klima- und Energieforschers werde es Monate dauern, bis es zu einer Normalisierung kommt. Wenn überhaupt, meint Huppmann, denn die Regierung in den USA habe "keinen Plan und keine Ahnung" und das iranische Regime signalisiere derzeit kein Interesse, zu einer Deeskalation beizutragen. "Insofern sind wir in einer Patt-Situation." Selbst wenn in den nächsten Wochen die Straße von Hormuz geöffnet werde, hätten die wichtigen Erdölproduzenten Irak und Kuwait wegen des fortdauernden Iran-Kriegs bereits große Teile ihrer Förderkapazitäten "eingemottet", die nicht sofort wieder hochgefahren werden könnten, selbst wenn die Tanker dann wieder passieren können, so Huppmann. Mit Blick auf die aktuelle Situation, aber auch langfristig betrachtet, sei es daher wichtig, den Energieverbrauch insgesamt zu reduzieren, sagt der Wissenschafter. Hinsichtlich der gestiegenen Spritpreise warnte Huppmann vor Gießkannen-Methoden. Preiseingriffe führten seiner Ansicht dazu, dass die Margen von den Konsumentinnen und Konsumenten hin zu den Produzenten von Öl und Gas wanderten.
Kritisch sieht Huppmann Rückschritte in Europas und Österreichs Klimapolitik. Unternehmen bräuchten für langfristige Investitionen Planungssicherheit seitens der Politik. "Verzögerungsdiskurse" wie die Diskussion über die Abschwächung des europäischen Emissionshandelssystems halte er für fatal. Auch in Österreich stehe das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zwar im Regierungsprogramm, aber nicht im Entwurf des Klimagesetzes und das verhindere die Planungssicherheit, die Unternehmen und Haushalte bräuchten, um Entscheidungen hin zu mehr Energieeffizienz und Erneuerbaren zu treffen. Aus Sicht des Wissenschafters braucht es nun klare Rahmenbedingungen der Politik, um die Energiewende und die Reduktion der Importabhängigkeit tatsächlich in die Umsetzung zu bringen und zu beschleunigen.
"Die Politik, die heute gemacht wird, bestimmt über unsere Krisensicherheit von morgen", sagte WWF-Klimasprecherin Auer und forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Die Umweltorganisation listet in einem "5-Punkte-Plan" etwa die Senkung des Energieverbrauchs durch strengere Gesetze, eine Verdopplung der Sanierungsrate und eine raschere Mobilitätswende auf. Beim Erneuerbaren-Ausbau sieht der WWF die größten Potenziale bei Photovoltaik und Windkraft. Zudem spricht sich der WWF dafür aus, die jährlich bis zu 6 Mrd. Euro an "umweltschädlichen Subventionen" zum Beispiel in Energiespar- und Naturschutzprogramme umzulenken.