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Ex-ORF-Chef Weißmann attackiert Stiftungsratschef Lederer

Heute, 13:20

Nach dem Rücktritt von ORF-Chef Weißmann gibt es Konflikte mit dem ORF-Stiftungsrat. Weißmann beschuldigt den Stiftungsratsvorsitzenden Lederer, falsche Informationen verbreitet zu haben. Es besteht Uneinigkeit darüber, ob Weißmann aufgrund von Anschuldigungen sexueller Belästigung, die er zurückweist, zum Rücktritt gedrängt wurde.

Eine ORF-Mitarbeiterin beschuldigte Roland Weißmann zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) unangemessenen Verhaltens. Der Stiftungsrat wurde darüber durch einen Anwalt informiert und wandte sich anschließend an Weißmann. Heinz Lederer, der im Gespräch mit der APA von ihm gezeigten "Schrift-, Ton- und Bildmaterialien" sprach, betont, dass man Weißmann lediglich aufgefordert habe, möglichst schnell "die Fakten zu klären" - konkret: ob es sich um echte Chats, Bilder usw. handelt oder ob sie gefälscht wurden. Dies sei nicht geschehen. Stattdessen reichte Weißmann am Sonntag seinen Rücktritt ein, so Lederer.

Ex-ORF-Chef Weißmann "nicht freiwillig zurückgetreten"

Weißmann stellt das Geschehen über seinen Anwalt Oliver Scherbaum, der eine Aussendung tätigte, anders dar. So sei Weißmann "nicht freiwillig zurückgetreten", sondern habe seinen Rücktritt aus wichtigem Grund, der ihn vertraglich zum Rücktritt berechtige, erklärt. Dieser habe darin bestanden, dass Vertreter des Stiftungsrats Weißmann nach Vorhalt der ungeprüften Vorwürfe "unmissverständlich" zu verstehen gegeben hätten, dass er von einer Verteidigung seiner Person Abstand nehmen und - wie von der Mitarbeiterin gewünscht - seinen Rücktritt erklären solle. Denn es sei "egal", ob der Vorwurf zutreffe oder nicht, alleine ein Bekanntwerden würde dazu führen, dass ein Rücktritt unabdingbar sei, teilte Scherbaum mit. Weißmann habe den Niedergang seines beruflichen Lebenswerks in Kauf genommen, um Reputationsschaden für den ORF abzuwenden, ließ der Anwalt wissen. Laut APA-Informationen dürften die Forderungen zudem u.a. einen gänzlichen Rückzug aus dem Unternehmen und eine Zahlung an ein Frauenhaus umfassen.

Laut Scherbaum sei Weißmann überzeugt, kein Fehlverhalten gesetzt zu haben. Der Medienmanager habe sich "über Tage hinweg intensiv bemüht", eine Lösung zu finden, die negative Berichterstattung abgewendet hätte. "Er hätte sich einen ehrlichen und lauteren Umgang mit Fakten verdient, aber es ist zur Kenntnis zu nehmen, dass der Vorsitzende des Stiftungsrats es präferiert, ein eigenes Bild der Realität zu haben", schloss der Anwalt sein Schreiben.

Lederer: "Voller Schutz" für Betroffene

In manchen Medien wurde indes bereits darüber spekuliert, was hinter den Vorwürfen wenige Monate vor der nächsten ORF-Generaldirektorenwahl stecken könnte. Dazu hielt Lederer fest, der Frau "vollen Schutz" zuzusichern. Der Betroffenen sei in dieser Situation zuzugestehen, dass sie Handlungen setze. Ihr dieses Recht abzusprechen, sei nicht korrekt. Auch dürfe kein Druck auf sie ausgeübt werden. Ihr "Strategiespiele" zu unterstellen, "wird es mit uns nicht geben", so der ORF-Stiftungsratsvorsitzende.

FPÖ-Generalsekretär und -Mediensprecher Christian Hafenecker glaubt indes, dass man jetzt am "Beginn einer ganz großen ORF-Aufarbeitung" stehe. "Ich bin schon gespannt, was sich hier alles zutage führen lässt", hielt er im Rahmen einer Pressekonferenz fest. Der "Zwangsgebührenzahler" habe das Recht darauf, im Detail zu wissen, "was dort alles passiert ist und gemacht worden ist", meinte Hafenecker und sprach sich für eine "absolute Reform" aus.

(APA/Red)

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