Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Asbestmessungen im Burgenland. Laut Stefan Stadler, Sprecher des Greenpeace-Investigativteams, fehlen wichtige Daten. Der deutsche Umwelttoxikologe Norbert Weis zeigte sich besonders über die 830 Asbestfasern pro Kubikmeter in der Klinik Oberwart besorgt.
Die Messungen fanden bei hoher Luftfeuchtigkeit und nassem Untergrund statt - Feuchtigkeit bindet Fasern. Zudem kommt es im Freien zu einer starken Verdünnung. "Selbst wenn etwas freigesetzt wird, ist es sofort weggeweht und man kann es in der Nähe schon nicht mehr erfassen", erklärte er. "Wenn wir unter den Bedingungen etwas finden, dann haben wir eigentlich ein richtiges Problem."
Asbest-Richtwert der Taskforce für Greenpeace zu hoch
Der Richtwert der Taskforce von bis zu 1.000 Fasern pro Kubikmeter sei für ihn eher ein politisch festgelegter Wert. Er plädierte für eine Reduktion auf zumindest 500 Fasern pro Kubikmeter. Sowohl bei Asbestsanierungen als auch in sensiblen Bereichen bei Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern gelte dieser Grenzwert, argumentierte Stadler. 1.000 seien aus seiner Sicht "viel zu hoch".
Stadler kritisierte außerdem, dass das Land nur den Mittelwert über den Messzeitraum von mehreren Stunden veröffentlicht habe und nicht den gesamten Messbereich inklusive punktuellen Spitzenwerten. Auch welche Arten von Asbestfasern festgestellt wurden, sei nicht bekannt. Diese würden sich aber in ihrer Gefährlichkeit deutlich unterscheiden. Stadler plädierte dafür, Staubmessungen etwa von Fensterbänken mit den Luftmessungen zu koppeln.
Inverkehrbringung seit 1990 verboten
Asbest ist eine krebserregende Substanz, die bis zu einem weitläufigen Inverkehrbringungsverbot in Österreich im Jahr 1990 über mehr als drei Jahrzehnte unter anderem häufig als Bau- oder Isoliermaterial eingesetzt worden ist. Es handelt sich dabei um Silikate mit Faserstruktur und einem "hochgefährlichen karzinogenen Stoff, der immer noch in verschiedenen Wirtschaftszweigen eingesetzt wird", wie die EU feststellte. Genannt wurde die Renovierung von Gebäuden, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Abfallbewirtschaftung und Brandbekämpfung. Ende 2023 wurden in einer EU-Richtlinie die Regeln hinsichtlich Asbestexposition am Arbeitsplatz noch einmal verschärft.
Von Stadler wurde das in Ost-Österreich gefundene Asbest als kreideartig und leicht zerfallbar beschrieben. Insofern könne er die Argumentation des Burgenlands, gebunden sei dieses nicht akut gefährlich, nicht nachvollziehen. Gefunden wurde Asbest unter anderem in Streusplit oder im Schotter wie auch im Asphalt. Quelle sind vier Serpentinit-Steinbrüche im Burgenland, sie wurden Anfang Jänner wegen zu hoher Asbestwerte von den Behörden geschlossen. Greenpeace kritisierte unter anderem den mangelnden Arbeitnehmerschutz wie auch die mangelnde Unterstützung von Privaten, die sich mit kontaminiertem Material im Umkreis ihrer Wohnumgebung auseinandersetzen müssten.
Krebs und Asbestose als gesundheitliche Folgen von Asbest
Umwelttoxikologe Weis sagte, dass Asbestbrocken per se noch nicht so gefährlich seien, jedoch werden daraus irgendwann lungengängige "WHO-Fasern" im Mikrometerbereich. Die Fasern würden, wenn sie erst einmal in der Lunge angekommen sind, dort auch bleiben und zu Entzündungsreaktionen führen, die wiederum Krebs auslösen können. Eine noch extremere Folge ist die Asbestose. Asbestose ist laut https://www.gesundheit.gv.at eine Lungenerkrankung, die durch oftmals eingeatmete Asbestfasern entsteht und die zu einem "bindegewebig-narbigen Umbau von Gewebe der Lunge (Lungenfibrose)" führen kann.
Trotz Verbot sei die Zahl der Erkrankungen nicht rückläufig, so Weis. Man schätze alleine in Deutschland, dass 15.000 Menschen jährlich sterben. Warum kein Rückgang zu bemerken ist, sei auf noch unbekannte Quellen zurückzuführen. Dass Asbest im Burgenland dann auch im Schotter gelandet ist, nannte der Leiter des Bremer Umweltinstituts "fast schon kriminell".