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Frauentag: Arbeitsmarkt als demokratische Frage

Gestern, 05:00

Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern am Arbeitsmarkt wirken sich nachteilig auf die Demokratie aus.

Da systemrelevante und schlechter bezahlte Berufe öfter von Frauen ausgeübt werden und diese fast doppelt so viel unbezahlte Sorgearbeit leisten, könnten sie sich weniger an der Demokratie beteiligen, warnte ein Bündnis von Frauen- und Sozialorganisationen bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik verstärkten diese Problematik.

Besonders hoch ist der Anteil von Frauen in Berufen mit niedriger Entlohnung und Wertschätzung - etwa im Einzelhandel, in der Pflege, Reinigung und in der Kinderbetreuung. Zwischen 74 und 95 Prozent aller Beschäftigten machen Frauen nach den Erhebungen des Forschungsinstituts Foresight dort aus. Obwohl Frauen mit 48 Prozent fast die Hälfte der unselbstständig Beschäftigten ausmachen, liegt der Frauenanteil bei den systemrelevanten Berufen insgesamt bei 61 Prozent.

"Schieflage" zulasten von Frauen

Auch verbringen Frauen deutlich mehr Zeit mit unbezahlter Sorgearbeit als Männer. Für Tätigkeiten wie Kochen, Putzen oder Kinderbetreuung wenden Frauen im Schnitt 4,3 Stunden und Männer 2,5 Stunden täglich auf. "Frauen haben also weniger Ressourcen, um ihre Interessen einzubringen", fasste Sophie Hansal vom Dachverband Frauen- und Mädchenberatung die Problematik zusammen. Es handle sich um eine "Schieflage". Unbezahlte Care-Arbeit sei nicht nur ein soziales, sondern auch ein demokratiepolitisches Problem.

Denn wie der Demokratie Monitor 2025 zeigte, fühlen sich Frauen im Parlament weniger gut vertreten als Männer. Der ohnehin geringe Anteil von 32 Prozent positiv gestimmter Männer wird von den befragten Frauen mit 26 Prozent noch einmal unterboten. Die gefühlte Benachteiligung spiegelt sich auch in absoluten Zahlen wider. Tatsächlich liegt der Frauenanteil im Nationalrat momentan nur bei 35,5 Prozent. Man wisse aus der Forschung, dass die Interessen jener Gruppen, die in demokratischen Prozessen nicht adäquat vertreten sind, mit geringerer Wahrscheinlichkeit umgesetzt werden, sagte Martina Zandonella von Foresight bei der Pressekonferenz.

Kürzungen führen zu Einschnitten

Im Licht der auf Regierungsebene bevorstehenden Verhandlungen über das Doppelbudget 2027-28 warnte Sabine Rehbichler vom Netzwerk arbeit plus, das rund 200 gemeinnützige soziale Unternehmen vereint, vor weiteren Kürzungen bei Fördergeldern. Fehlende Anpassungen an die Inflation, weniger Förderzusagen und damit einhergehende befristete Arbeitsverträge für Angestellte hätten bereits in den letzten Jahren dazu geführt, dass Programme zur Arbeitsmarktintegration von Frauen immer weiter beschnitten wurden. Damit sei auch in Zukunft zu rechnen, wenn Gelder im Rahmen des Doppelbudgets gekürzt werden.

Auch Vertreterinnen des Frauenberufszentrums ABZ und die Beratungsstelle Sprungbrett stellten sich gegen weitere Kürzungen und sprachen sich für den Ausbau von Strukturen aus.

(APA/Red)

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