Am kommenden Donnerstag startet die Frühjahres-Lohnrunde mit den 60.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie.
In den Wochen danach geht das Feilschen um den Kollektivvertrag 2026 auch bei der Textil- der Papier- und der Glasindustrie sowie der chemischen Industrie los. Eine Null-Lohnrunde schließen die Gewerkschaften PRO-GE und GPA bereits im Vorfeld aus. "Es geht um Wertschätzung", so deren Spitzenvertreter. Sie fordern KV-Verhandlungen "auf Augenhöhe".
"Der Fokus bei den Kollektivvertragsverhandlungen liegt beim Geld. Es geht vor allem um dauerhafte Lohn- und Gehaltserhöhungen. Denn die Inflationsbelastung geht zwar zurück, aber nach wie vor ist die Stärkung der Kaufkraft wichtig - vor allem für niedrige Einkommen, die besonders stark unter der hohen Teuerung der letzten Jahre leiden", so PRO-GE-Bundesvorsitzender Reinhold Binder und GPA-Bundesgeschäftsführer Mario Ferrari. Sie verweisen auf den Wirtschaftsaufschwung, der zu mehr Investitionen und Kapazitätsausbau führen werde. "Es geht aufwärts. Das bestätigen die Zahlen. Sie sind spürbar besser und deutlich erfreulicher als die ständigen Stimmungsumfragen suggerieren", betonten die beiden Spitzengewerkschafter.
Lohnabschlüsse keine Preistreiber
Für Binder ist jedenfalls klar: Die Lohnabschlüsse der vergangenen Jahre waren kein Preistreiber. Er sah kürzlich im Gespräch mit den "OÖNachrichten" unter anderem die "rotzfreche Preistreiberei etwa im Handel" als Inflationsturbo. "Wir werden nie ein Billiglohnland werden. Also muss man mit Qualifikation zu Innovation und Technologievorsprung finden, um höhere Preise zu rechtfertigen", sagte Binder. Allerdings stimme ihn nachdenklich, dass in Österreich die Zahl der Lehrbetriebe und der Lehrstellen sinke.
Die fünf Industriesparten Elektro, Chemie, Papier, Glas und Textil beschäftigen zusammen rund 130.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 50 Mrd. Euro erwirtschaftet haben. Das sind rund 25 Prozent des Produktionswertes der gesamten heimischen Industrie, mit Ausnahme der Bauindustrie.
Warnstreiks in der IT-Branche
Zuletzt lief es bei den KV-Verhandlungen eher unrund. Hervor sticht dabei das Feilschen um den IT-KV. Sechs Verhandlungsrunden für die 90.000 Angestellten gingen bisher erfolglos ins Land, nunmehr hat sich die GPA eine Streikfreigabe beim ÖGB geholt. Zwischen 3. und 4. März werden österreichweit Warnstreiks abgehalten, am 10. März wird weiter verhandelt. Die Arbeitnehmer fordern eine Erhöhung der Mindest- und Ist-Gehälter um 3,5 Prozent, für die Mindestgehälter boten die Arbeitgeber laut GPA zuletzt ein Gehaltsplus von 2,5 Prozent.
Einen Dammbruch gab es im Vorjahr mit dem Abschluss der Metallindustrie unter der Jahres-Inflationsrate und dem Aufschnüren der bereits ausverhandelten Anhebung der Beamtengehälter. Die Metaller läuten traditionell die Herbstlohnrunde ein. Auch wenn ihre Abschlüsse in der Vergangenheit im oberen Bereich der KV-Vereinbarungen lagen, gelten ihre Deals als richtungsweisend. Gabriel Felbermayr, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), hatte damals den Abschluss unter der rollierenden Inflation begrüßt.
Pensionisten mussten Federn lassen
Ist-Löhne und -Gehälter der Metallindustrie stiegen mit 1. November 2025 um 1,41 Prozent, Mindestentgelte um 2 Prozent. Ab 1. November 2026 steigen die Ist-Bezüge um 1,9 Prozent, Mindestentgelte um 2,1 Prozent, so die Metaller-Einigung im Herbst des Vorjahres. Bei den Beamten wurde im Oktober des Vorjahres neu verhandelt und deren Einkünfte nach unten gedrückt. Von Jänner 2026 bis Ende Juni 2026 erfolgt keine Erhöhung, im Zeitraum von Juli 2026 bis zum Juli 2027 gibt es eine Anhebung um 3,3 Prozent. Von August 2027 bis August 2028 sowie von September bis Ende 2028 werden die Gehälter um jeweils 1 Prozent erhöht. Dies bedeute ein durchschnittliches Plus von 1,5 Prozent. Vor dem Aufschnüren des zuvor bereits fertigen Pakets wäre für das ganze Jahr 2026 ein Plus von 3,3 Prozent vorgesehen gewesen.
Obwohl der Startschuss für die Frühjahres-Lohnrunde erst übermorgen fällt, gab es schon zahlreiche KV-Abschlüsse in kleineren Bereichen. Hier einige Beispiele: In der Spirituosenindustrie gibt es eine Erhöhung der KV-Löhne um 2,75 Prozent. Der neue Mindestlohn liegt seit Jahresbeginn bei 2.209 Euro brutto. In der Hefeindustrie steigen die KV-Löhne um 2,55 Prozent, der Mindestlohn liegt mit Anfang Februar bei 2.421 Euro. Bei den landwirtschaftlichen Gutsbetrieben in Oberösterreich liegt das KV-Plus bei 3,45 Prozent (Mindestlohn: 2.004 Euro). Die Betreiber Kärntner Golfanlagen legen 3,47 Prozent drauf.
In der Brotindustrie steigen die kollektivvertraglichen Mindestlöhne und Zulagen um 2,7 Prozent, der Mindestlohn liegt nun bei 2.072,48 Euro brutto. In der Diözese Graz-Seckau steigen die Gehälter um 1,9 Prozent plus einem Pauschalbetrag von 35 Euro. Die Gutsbetriebe in der Steiermark zahlen um 3,4 Prozent, die Winzergenossenschaft NÖ um 2,95 Prozent mehr. Im Tiefkühlgewerbe gibt es einen Lohnzuwachs von 2,8 Prozent, für die Forstarbeiter in der Privatwirtschaft steigen die Löhne um drei Prozent. Die Raiffeisenlagerhäuser in der Steiermark zahlen um 3,19 Prozent mehr.
Dienstgeberanteil an Lohnnebenkosten gesunken
Von Arbeitgeberseite wird immer wieder eine Lohnnebenkostensenkung gefordert, damit den Beschäftigten mehr netto übrig bleibt. Wobei der Dienstgeberanteil über die Jahre ohnehin leicht gesunken ist. Für heuer taxiert das Wifo die Lohnnebenkosten der Dienstgeber vom Bruttolohn mit 29,59 Prozent. Erst seit 2022 liegt der Wert knapp unter 30 Prozent, 2013 waren es noch 31,26 Prozent gewesen. Den größten Anteil an den Lohnnebenkosten macht die Pensionsversicherung aus, dahinter folgen gleichauf Krankenversicherung und Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF). In den Lohnnebenkosten ebenfalls enthalten sind unter anderem die Kammerumlage 2 für die Wirtschaftskammer, Kommunalsteuer und Arbeitslosenversicherungsbeiträge sowie Wohnbauförderungsbeitrag, Unfallversicherung und Mitarbeitervorsorgekasse.
Wie sieht es mit den Lohnabschlüssen in Deutschland, beim wichtigsten Wirtschaftspartner Österreichs, aus? Die Kaufkraft der deutschen Beschäftigten ist im vergangenen Jahr trotz der schwachen Konjunktur erneut gestiegen. Die Reallöhne wuchsen um durchschnittlich 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2024 waren sie auch wegen der steuerfreien Inflationsausgleichsprämie noch um 2,9 Prozent gestiegen, so das deutsche Statistische Bundesamt.
Jahresteuerung bei 3,6 Prozent
In Österreich hatte sich zuletzt Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) zu den Kollektivvertragsverhandlungen geäußert. Bei den bevorstehenden Gastro-KV-Verhandlungen appellierte sie, "Augenmaß" zu wahren. Die KV-Gespräche für die Gastronomie hätten eigentlich schon beginnen sollen, allerdings stößt sich die Arbeitgeberseite an dem Tonfall der Arbeitnehmer. Deren Vertreter hatten im Vorfeld der Gespräche auf zahlreiche Skandale in der Gastrobranche in den Bereichen Bezahlung und Steuerabgaben hingewiesen, was die Arbeitgeber als pauschale Verunglimpfung sehen.
Basis für das Feilschen um mehr Lohn und Gehalt ist traditionell die Teuerung der vergangenen zwölf Monate, die sogenannte "rollierende Inflation". Die Inflationsrate für das Jahr 2025 lag laut Statistik Austria bei 3,6 Prozent, nach 2,9 Prozent 2024 und 7,8 Prozent 2023. Im Jänner des heurigen Jahres lag die Teuerung bei 2,0 Prozent, im Februar gab es einen Anstieg auf 2,2 Prozent.
Einmalzahlungen bei Gewerkschaften unbeliebt
Von der Arbeitgeberseite wird gerne eine Einmalzahlung ins Spiel gebracht, was die Gewerkschaften nicht gerne sehen. Der Grund ist einfach: Die Lohnerhöhung im nächsten Jahr setzt auf der heurigen auf. Gibt es heuer keine prozentuelle Erhöhung, sondern nur eine einmalige Zahlung, ist die Basis für die nächstjährigen Verhandlungen geringer, auf lange Sicht verlieren die Beschäftigten also Geld. Eine alte Forderung der Arbeitnehmervertreter ist hingegen ein früheres Erreichen der 6. Urlaubswoche und eine Freizeitoption - also mehr Urlaub, dafür weniger Einkommen.
Ein zweischneidiges Schwert sind mehrjährige Abschlüsse, wie es sie im Handel oder bei den Metallern und den Pensionisten gegeben hat. Da Prognosen schwierig sind, ist auch schwer zu sagen, wer dann in den darauffolgenden Jahren besser aussteigt - Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Im Fall des Handels war es für die Beschäftigten jedenfalls ein Verlustgeschäft. Das Gehaltsplus liegt heuer das dritte Jahr in Folge unter der Inflationsrate. Die Kollektivvertragsgehälter stiegen mit 1. Jänner 2026 um 2,55 Prozent. Die den Verhandlungen zugrunde liegende rollierende Inflation betrug 3 Prozent.