Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten verliert die Förderung von Frauen in der österreichischen Wirtschaft an Priorität.
Eine am Freitag veröffentlichte Befragung von Deloitte Österreich unter 615 Unternehmensvertretern zeigt, dass die Karrierechancen von Frauen zunehmend pessimistischer eingeschätzt werden. 18 Prozent der Firmen legen ihren Fokus aktuell auf andere Themenbereiche, Diversitätsziele rücken in den Hintergrund.
In der Praxis gibt fast jede zweite befragte Frau (49 Prozent) an, sich im Berufsleben aufgrund ihres Geschlechts bereits benachteiligt gefühlt zu haben. Laut der Erhebung gehen aktuell nur noch 45 Prozent der Befragten davon aus, dass Frauen unabhängig vom Beschäftigungsausmaß gleiche Aufstiegschancen haben wie Männer. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 50 Prozent.
46 Prozent der befragten Betriebe planen keine Erhöhung des Frauenanteils im Top-Management. Als Begründung wird oftmals ein Mangel an qualifizierten Kandidatinnen genannt. Elisabeth Hornberger, Expertin bei Deloitte Österreich, verweist hingegen auf bestehende Barrieren: "Vielmehr zeigen sich auch hier strukturelle Barrieren, insbesondere in der Rekrutierung und Karriereentwicklung von Frauen". So verknüpft ein Drittel der Unternehmen Karrierechancen weiterhin mit einer Vollzeitbeschäftigung.
Deloitte-Partnerin Elisa Aichinger erklärt die Zurückhaltung der Betriebe mit den aktuellen Rahmenbedingungen: "Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und politische Umbrüche verschieben die Prioritäten in den österreichischen Unternehmen". Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt die Studie als geplante Maßnahmen eine verbindliche Verankerung von Gleichstellungszielen in den Unternehmensstrategien sowie den Ausbau von flexiblen Modellen wie Teilzeit-Führung.