Bundeskanzler Stocker hat die österreichische Neutralität im Konflikt zwischen dem Iran, Israel und den USA hervorgehoben und hofft, dass Österreich nicht in den Konflikt hineingezogen wird, was nur durch einen Angriff auf österreichisches Gebiet geschehen könnte. Dennoch sieht er den Iran als Bedrohung nicht nur für Israel und die Region, sondern auch für Österreich.
"Der Terror des iranischen Regimes muss enden, für die eigene Bevölkerung und für die Sicherheit der Nachbarn", betonte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Derzeit sind die wirtschafts- und sicherheitspolitischen Auswirkungen des Konflikts auf Österreich laut Stocker begrenzt. Auch die Inflation bleibe im Rahmen, wobei er an seinem Ziel einer Teuerungsrate von zwei Prozent und der Formel 2-1-0 festhält. Stocker ist zuversichtlich, dass diese Formel umsetzbar bleibt. Bei einer längeren Kriegsdauer könnten jedoch wirtschaftspolitische Maßnahmen, insbesondere im Bereich der Energiepreise, notwendig werden. Entsprechende Instrumente wie der Krisenmechanismus seien bereits vorhanden.
Bundeskanzler Stocker: "Wir werden niemanden zurücklassen"
Die Energieversorgung Österreichs sei gesichert und es gebe keine Anzeichen für Migrationsströme oder eine höhere Terrorgefahr, so Stocker. Demonstrationen seien bisher friedlich, würden aber genau beobachtet und auch diplomatische Vertretungen - insbesondere jene Israels und der USA - besser gesichert, so Stocker unter Verweis auf die Aktivitäten der zuständigen Ministerien. Er berichtete von der Einrichtung eines Krisenstabs im Außenministerium und versprach, dass alle ausreisewilligen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in der Region unterstützt werden. "Wir werden niemanden zurücklassen", betonte er mit Blick auf Evakuierungen, die derzeit über den Landweg zu noch offenen Flughäfen durchgeführt werden. Man werde jedem einen Platz im Flugzeug geben, versprach der Kanzler.
Im Wirtschaftsministerium sei eine Taskforce für die Energiesicherheit eingerichtet worden. Aktuell seien durch die Vorgänge in der Region - etwa die Schließung der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormuz - "keine signifikanten Auswirkungen auf die österreichische Versorgungssicherheit zu erwarten". Man habe durch strategische Reserven vorgesorgt und sei auch weniger vom Iran abhängig als andere Länder. "Österreich ist damit deutlich besser gestellt als andere Länder in Europa", sagte Stocker unter anderem unter Berufung auf ein Gespräch mit OMV-Chef Alfred Stern.
Befragt zur Terrorgefahr sagte Stocker, dass nach den Hamas-Anschlägen vom 7. Oktober 2023 die österreichische Warnstufe bereits auf 4 (von insgesamt 5) erhöht worden sei. Die höchste Stufe wäre erst im Fall konkreter Anschlagspläne in Österreich zu geben, erläuterte der Kanzler. "Das ist gottseidank derzeit nicht der Fall. Daher bleibt es bei vier, vier von fünf."
ÖVP-Chef Stocker betont Wichtigkeit von Sky Shield
Die kriegerischen Auseinandersetzungen würden sehr klar zeigen, "wie wichtig es ist, dass Österreich sich beispielsweise am Projekt Sky Shield beteiligt", sagte Stocker in einem offenkundigen Seitenhieb auf die FPÖ, die dieses Raketenabwehrsystem ablehnt. "In Zeiten wie diesen" zeige sich, wie wichtig stabile Verhältnisse seien "und dass eine Regierung im Amt ist, die auch international bestens vernetzt ist".
Ohne das Vorgehen der USA und Israels zu erwähnen, das am Wochenende mit gezielten Angriffen große Teile der iranischen Staatsspitze getötet hatte, bekundete er die "volle Solidarität" Österreichs mit den im Gegenzug vom Iran angegriffenen Ländern. Er habe dies auch in Gesprächen mit Vertretern der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars und Israels besprochen. "Mit seinem Vorgehen hat sich der Iran völlig isoliert und einmal mehr gezeigt, dass er bereit ist, jede rote Linie zu überschreiten", sagte Stocker. Er rief den Iran und seine "Handlanger" auf, von jeder weiteren Provokation Abstand zu nehmen.
Iran-Krieg: Babler will rasche Aktivierung von Energiekrisenmechanismus
Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) forderte indes eine rasche Aktivierung des Energiekrisenmechanismus wegen der steigenden Öl- und Gaspreise. "Die von uns durchgesetzte Änderung des Preisgesetzes ermöglicht es seit diesem Jahr, im Krisenfall in Strom- und Gaspreise einzugreifen. Die erneute Eskalation des Konflikts muss ein Warnsignal sein, auch den Energiekrisenmechanismus so schnell wie möglich zu beschließen", betonte er in einer Aussendung. Zugleich rief er alle Konfliktparteien zur Deeskalation und der Einhaltung des Völkerrechts auf. "Meine Solidarität gilt zuallererst den Menschen im Iran, die seit Jahren für Freiheit, Menschenrechte und ein besseres Leben kämpfen." Das dortige Regime habe durch die Gewalt gegen Demonstrierende zu Jahresbeginn "den letzten Funken an Legitimität verloren", betonte er.