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Handel mit realem Umsatzplus 2025

Gestern, 15:22

Der Handel ist im Vorjahr erstmals seit 2021 wieder preisbereinigt (real) gewachsen. Basierend auf vorläufigen Daten der Statistik Austria geht das Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) von einem Umsatzwachstum der Händler von real 0,4 Prozent aus.

"Gründe zum Jubeln" gebe es "dennoch wenig", sagte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik am Montag. Aufgrund des Iran-Krieges und der gestiegenen Energiekosten seien die Prognosen für2026 "mit einem großen Fragezeichen" versehen.

Die Umsätze im österreichischen Einzelhandel und in der Kfz-Branche wuchsen laut iföw-Analyse im Vorjahr real um 0,7 Prozent bzw. 3,4 Prozent. Im EU-27-Staaten-Vergleich lag Österreich bei der Einzelhandels-Umsatzentwicklung 2025 nur auf Platz 22. Der heimische Großhandel schrumpfte preisbereinigt um 0,7 Prozent. Der Handel habe 2025 auch Rekordzahlen bei Insolvenzen, viele Schließungen sowie steigende Arbeitslosenzahlen verzeichnet, sagte WKÖ-Handelsobmann Trefelik bei einer Pressekonferenz in Wien. Ende Jänner 2025 sperrte die Möbelkette Kika/Leiner nach einem Konkursverfahren endgültig zu. Im Herbst 2025 schlitterte der Baustoffhändler Quester in die Insolvenz und musste ebenfalls schließen. Neue ausländische Eigentümer bekamen zuletzt der Wäschehändler Palmers, die Humanic-Mutter Leder & Schuh sowie die Sporthändler-Kette Hervis.

Deutlich unterschiedliche Branchenentwicklung

Während der Lebensmitteleinzelhandel im Vorjahr real um 1,1 Prozent wuchs, betrug das Plus im "Non-Food-Bereich" nur 0,4 Prozent. Die Preise im Lebensmittelhandel stiegen 2026 um 3,3 Prozent und damit niedriger als die allgemeine Inflationsrate in Höhe von 3,6 Prozent. "Der Handel ist somit nicht Verursacher der hohen Inflation", betonte Trefelik. Den größten Zuwachs im Branchen-Vergleich verzeichnete der Schuheinzelhandel (real +7,4 Prozent). Dies sei aber nur eine "Verschnaufspause" für die Branche, sagte WKÖ-Handelsobmann Trefelik bei einer Pressekonferenz in Wien. Laut Branchenbeobachtern ist das Plus vor allem auf das starke Abschneiden des Marktführers Deichmann zurückzuführen. Der heimische Schuhhandel befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Laut dem Marktforscher RegioData ist die Zahl der Schuhgeschäfte seit 2014 um mehr als ein Viertel gesunken. Bekannte Marken wie Vögele Shoes, Stiefelkönig, CCC, Delka, Reno, Salamander und Görtz verschwanden.

Ein starkes preisbereinigtes Umsatzwachstum verzeichnete im Vorjahr auch die Bau- und Heimwerkerbranche (+7,0 Prozent), der Blumenhandel (+5,0 Prozent) sowie Drogerien (+4,4 Prozent) und der Elektrohandel (+4,2 Prozent). Rückläufige Zahlen gab es in den Handelsbranchen Schmuck (real -13,7 Prozent), Bücher und Zeitschriften (-6,6 Prozent), der Möbel (-1,8 Prozent), Spielwaren (-1,4 Prozent) und Sport (-1,1 Prozent). Die Bandbreite zwischen den Branchen werde "immer größer", kommentierte iföw-Handelsforscher Peter Voithofer die Zahlen.

Kritik an regulatorischen Kostenbelastungen

WKÖ-Handelsobmann Trefelik kritisierte erneut die Kostenbelastungen durch österreichische und EU-Vorgaben. Er verwies unter anderem auf das neue heimische Shrinkflationgesetz und die Lohntransparenzrichtlinie sowie die Abfallrahmenrichtlinie der EU. Durch die Abfallrahmenrichtlinie könnte sich etwa Jeans für Konsumenten um 2 Euro verteuern. Als weiteres Beispiel führte Trefelik die EU-Gebäuderichtlinie, die unter anderem verbindliche Mindeststandards für Ladeinfrastruktur festlegt. Aufgrund der Richtlinie müssten unter anderem Supermarktketten, Möbelhändler und Baumärkte bald ihre Parkplätze mit Ladestationen für E-Autos ausrüsten. Von der heimischen Regierung fordert der WKÖ-Vertreter zu wiederholtem Male "eine spürbare Entlastung bei den Lohnnebenkosten und die Reduktion von Bürokratie". Außerdem sei ein Fokus auf Aus- und Weiterbildung notwendig, um den Fachkräftemangel einzudämmen."

(APA/Red)

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