Die insolvente Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH in der Steiermark steht vor Forderungen von über 25,6 Millionen Euro, während die Produktion nach Mexiko verlagert wird und lediglich kaufmännische Bereiche in Österreich verbleiben sollen, um das Unternehmen zu sanieren.
Im Fall der insolventen oststeirischen Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH hat am Donnerstag die erste Berichts- und Prüfungstagsatzung am Zivillandesgericht Graz stattgefunden. Es wurden 510 Insolvenzforderungen in der Höhe von mehr als 25,6 Mio. Euro vorgelegt und geprüft. Etwa 19,5 Mio. Euro wurden anerkannt. Der Insolvenzverwalter hat mit der Stabilisierung des Unternehmens begonnen und führt dieses fort, teilten die Kreditschützer von AKV und KSV1870 mit.
Konzernsteuerung und Spezialleder bleiben in Österreich
Die Insolvenz war Anfang Jänner eingereicht worden. Mitte Februar hat die etappenweise Schließung des Standortes Österreich begonnen. Die ersten Unternehmensbereiche im Nassbereich seien bereits geschlossen bzw. es wurde die Schließung beantragt. Die Produktionsverlagerung nach Mexiko hatte schon im vergangenen Jahr begonnen und soll bis voraussichtlich Ende April abgeschlossen sein. Zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung waren 361 Dienstnehmer beschäftigt. Im Falle einer positiven Sanierung sollen voraussichtlich rund 50 Mitarbeiter in Österreich verbleiben, so der KSV1870. In Österreich sollen insbesondere die Konzernsteuerungsfunktion und der Handel mit Spezialleder verbleiben, so der AKV.
Die Aktiva wurden im Insolvenzantrag mit 4,95 Mio. Euro angegeben, wobei insbesondere hinsichtlich gehaltener Beteiligungen bzw. bestehender Intercompany-Forderungen massive Wertberichtigungen durchgeführt wurden, die noch in Prüfung stehen würden. Das Unternehmen soll weiterhin saniert werden, wobei eine Quote von 20 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes vorgeschlagen wird. "Die Angemessenheit und Erfüllbarkeit des angebotenen Sanierungsplans wird vor der Abstimmungstagsatzung am 7. Mai noch einer detaillierten Überprüfung zu unterziehen sein", erklärte Brigitte Peißl-Schickmair, Leiterin Insolvenz Graz des KSV.
Nachfragerückgänge in der Automobilindustrie als Auslöser
Ursache für die Insolvenz dürften die negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie gewesen sein, gab das Unternehmen bei der Insolvenzverfahrenseröffnung an. Seit September 2024 seien für die gesamte Wollsdorf-Gruppe, die zu einem erheblichen Teil von "Produktabrufen" wesentlicher europäischer OEM (Original Equipment Manufacturer – Erstausrüster; Anm.) abhängig ist, Nachfragerückgänge erkennbar gewesen. Die hätten sich im weiteren Jahresverlauf zugespitzt. Zwar habe sich die Nachfragesituation im Geschäftsjahr 2025 erholt, doch das Umsatzniveau vor der Automotive-Krise von 2024 konnte nicht mehr erreicht werden.
Qualitätsprobleme in Österreich
Wollsdorf Leder habe sich bemüht, die Materialkosten zu senken. Es wurden daher neue Preise mit Lieferanten für Rohhäute ausverhandelt, teilweise wurden auch die Lieferanten gewechselt. Im März und April 2025 sei es zu Lieferengpässen aufgrund zahlreicher Fälle von Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei gekommen. Diese hatten offenbar signifikante Auswirkung auf die gelieferte Qualität und damit auf die Produktion. Die Qualitätsprobleme konnten in der Folge nicht behoben werden, da die Qualitätssicherungsstandards im Werk in Österreich nicht im erforderlichen Umfang gewährleistet werden konnten. Die Verlagerung nach Mexiko folgte. Mit den finanzierenden Banken seien Restrukturierungsvereinbarungen abgeschlossen worden und es kam zu Kündigungen, doch die Maßnahmen scheiterten. Die Insolvenz wurde eingestanden.