Mittlerweile hätten bereits 8 Krypto-Anbieter eine Lizenz in Österreich bekommen, wie FMA-Vorständin Mariana Kühnel am Mittwoch wissen ließ.
Seit einem Jahr überwacht die Finanzmarktaufsicht (FMA) im Zuge der in Kraft getretenen "Markets in Crypto-Assets Regulation" (MiCAR) der EU auch die Krypto-Anbieter im Land. Wien entwickelt sich dabei immer stärker zu einem Krypto-Hub. Mittlerweile hätten bereits 8 Krypto-Anbieter eine Lizenz in Österreich bekommen, sagte FMA-Vorständin Mariana Kühnel am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten.
"Nicht, weil wir durchwinken"
Von diesen 8 Anbietern seien drei heimische Unternehmen, eine heimische Bank und vier Töchter von ausländischen Anbietern. Die vergleichsweise hohe Zahl der Krypto-Anbieter in Wien gebe es aber "nicht, weil wir durchwinken, sondern weil wir Kompetenz im Haus haben und bereits am Anfang im Prozess sehr viele Fragen stellen", so Kühnel. "Wir wollen Anbieter in Wien haben, für die Compliance keine lästige Pflicht ist, sondern strategischer Erfolgsfaktor". Die Lizenzierung in Österreich werde als Gütesiegel wahrgenommen.
"Wir haben die letzten Jahre gut genützt, um eine Expertise in der FMA aufzubauen", so die Vorständin weiter. Durch die "Regulatory Sandboxes" habe die Aufsicht bereits die Möglichkeit gehabt, Krypto-Anbieter kennenzulernen und Firmen beim Aufbau zu begleiten. Ziel einer solchen Sandbox ist es, innovative Geschäftsmodelle, die der Finanzmarktregulierung unterliegen, für einen begrenzten Zeitraum zu testen und sie auf die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu prüfen.
Im Vorteil sei Österreich gegenüber anderen Ländern auch, weil die "steuerliche Tangente" klar geregelt sei. Sie unterliegen analog zu Wertpapieren einer 27,5-prozentigen Kapitalertragssteuer (KESt). In anderen Ländern gebe es dagegen oft noch Unklarheiten diesbezüglich. Zudem gebe es mit der Krypto-Börse Bitpanda einen großen Anbieter in Wien, der bereits früh begonnen habe, ein Ökosystem aufzubauen. Auch Ausbildungssysteme hätten sich im Zuge dessen zu dem Thema gebildet. All das habe dazu beigetragen, dass Wien zunehmend als "Krypto-Hub" wahrgenommen werde.
Kein "Level-Playing-Field"
Die FMA will die Krypto-Regulierung kontinuierlich weiterentwickeln. In Europa gebe es noch große Unterschiede zwischen den Ländern, ein einheitliches Spielfeld - ein sogenanntes "Level-Playing-Field" - gebe es bisher noch nicht. Weiters habe die FMA bisher aufgrund einer fehlenden Regelung in der nationalen Umsetzung der MiCAR-Verordnung noch keine Möglichkeit, auch vor einzelnen Krypto-Anbietern zu warnen. Die Aufsicht arbeitet laut Kühnel derzeit daran, dass sie diese Option bekommt.
Erste Sanktionen gegen einen Kryptoanbieter gab es aber bereits. So hat die FMA vor wenigen Tagen der Kryptobörse KuCoin EU Exchange GmbH ein Neugeschäftsverbot erteilt. Grund seien "Pflichtverletzungen in der internen Organisation im Bereich der Prävention von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung sowie der Einhaltung von Finanzsanktionen" gewesen, hieß es von der FMA. KuCoin habe kein geeignetes Personal in diesen Bereichen mehr. Zum Zeitpunkt der Lizenzvergabe im November 2025 habe es diese Positionen noch gegeben.
Bis zur "geeigneten Besetzung der Schlüsselfunktionen" wurden jegliche Geschäftsbeziehungen mit neuen Kunden untersagt. Mit Bestandskunden dürfen zudem keine neuen Verträge abgeschlossen oder neue Produkte vertrieben werden.