AK-Präsidentin Renate Anderl stellte in einer Aussendung klar, dass vielen Beschäftigten keine andere Wahl bleibe, als in Teilzeit zu arbeiten. Grundlage ist eine Auswertung des Wifo auf Basis des Mikrozensus 2024 der Statistik Austria.

AK-Präsidentin Renate Anderl stellte in einer Aussendung klar, dass vielen Beschäftigten keine andere Wahl bleibe, als in Teilzeit zu arbeiten. Grundlage ist eine Auswertung des Wifo auf Basis des Mikrozensus 2024 der Statistik Austria.
In Österreich arbeitet jede zweite Frau, aber nur jeder achte Mann Teilzeit. Bei den unter 30-Jährigen ist vor allem Ausbildung der häufigste Grund: 36,2 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der Männer in dieser Altersgruppe arbeiten Teilzeit.
Deutlich größer wird der Unterschied bei den 30- bis 49-Jährigen. Mehr als jede zweite Frau, aber nur jeder zehnte Mann arbeitet nicht Vollzeit. Hauptgrund ist hier die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Nur 16,6 Prozent der Männer nennen Betreuungspflichten als Argument.
Bei Kindern unter 15 Jahren liegt die Teilzeitquote der Frauen bei 79,5 Prozent, bei Männern bei knapp acht Prozent. Sind die Kinder älter als 15 Jahre, sinkt die Quote bei Frauen auf 60 Prozent, bei Männern bleibt sie nahezu unverändert. Der Anteil der Frauen, die Betreuungspflichten als Grund angeben, ist laut AK dreimal so hoch wie im EU-27-Durchschnitt.
Dass Frauen großteils die Betreuungspflichten übernehmen, "ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles Versagen", merkte die ÖGB-Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende Christa Hörmann dazu in einer Aussendung an.
Viele Frauen ohne Betreuungspflichten hätten gar nicht die Wahl zwischen Voll- und Teilzeit. Besonders für Migrantinnen sei Teilzeit oft der einzige Weg in den Arbeitsmarkt, geht aus der Analyse hervor.
Auch die Angabe „will keine Vollzeit“ müsse differenziert betrachtet werden, so die AK. Hohe Arbeitsbelastung, etwa im Pflegebereich, oder fehlende Vollzeitangebote im Handel und in der Reinigung spielten eine Rolle. Zudem haben 8,7 Prozent der Teilzeitbeschäftigten einen Nebenjob – bei Vollzeitkräften sind es 4,3 Prozent.
"Teilzeitbeschäftigte arbeiten nicht weniger, weil sie faul sind oder aus Spaß, sondern, weil sie an ihre Grenzen stoßen", betonte Anderl.
"Rund 170.000 Teilzeitbeschäftigte in Österreich möchten ihre Arbeitszeit um durchschnittlich zwölf Stunden pro Woche ausweiten - dieses Potenzial gilt es besser zu nutzen", sagte Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr. Dafür brauche es eine flächendeckende, leistbare Kinderbetreuung, den Ausbau von Pflegeangeboten sowie faire Karrierechancen.
In diese Kerbe schlägt auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): "Wichtige Anreize für Mehrarbeit sind auch die Steuerbegünstigung von Überstunden sowie der geplante Steuerfreibetrag auf den Zuverdienst in der Pension", hielt WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger in einer Aussendung fest. In einem Punkt ist man sich jedoch einig: Der weitere Ausbau der Kinderbetreuung sei dringend nötig, um Eltern Vollzeit zu ermöglichen.
Teilzeitkräfte dürften nicht länger als billige Flexibilitätsreserve genutzt werden, so die AK. Mehrarbeit müsse ab der ersten Stunde mit gleichen Zuschlägen wie Überstunden vergütet werden, der Zuschlag solle auf 50 Prozent steigen.
Nach drei Monaten regelmäßiger Mehrarbeit solle es zudem ein Recht auf Stundenaufstockung geben. Die AK verweist auf Studien, wonach eine gesunde Vollzeit bei 30 bis 35 Wochenstunden liege.#
Die Industriellenvereinigung (IV) wies in einer Mitteilung Forderungen nach einer gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung zurück. "In einer Phase schwacher Konjunktur, hoher Lohnstückkosten und wachsender internationaler Konkurrenz würden solche Maßnahmen zusätzliche Kosten für den Standort Österreich mit sich bringen", sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Aber auch das Recht auf Aufstockung der Arbeitszeit sieht die IV ebenso wie die WKÖ kritisch. Wichtiger wären gezielte Anreize für Vollzeit und längere Arbeitszeiten, ergänzte Neumayer.
(Red)
