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Millionen-Schaden durch organisierte Einbrüche: Bande in Österreich gefasst

Gestern, 14:58

Eine international agierende Einbrechergruppe aus Chile ist in der Steiermark ausgeforscht worden. Vier Männer sitzen in Haft. Ihnen werden mindestens zwölf Einbrüche in Österreich sowie rund 30 weitere Delikte in mehreren europäischen Ländern vorgeworfen.

Chilenische Einbrecher, die für ihre Coups per Businessclass nach Europa geflogen sind, wurden in der Steiermark ausgeforscht: Die Gruppen sind Ermittlern in Österreich nicht unbekannt, treten aber seit den verschärften USA-Einreisebestimmungen nun häufiger in der EU in Erscheinung. Eine von ihnen ist nach zwölf Delikten in Österreich und zumindest 30 weiteren in Europa nun in Haft. Die Dunkelziffer ähnlicher organisierter Gruppen sei enorm hoch, so die Polizei am Donnerstag.

Ermittlungen seit Sommer 2025

Es ist ein nicht alltäglicher Ermittlungserfolg, den die steirischen Kriminalbeamten zu verbuchen haben. Doch er mache auch Sorge, denn es ist unklar, in welchem Umfang die Gruppen tatsächlich seit Monaten in Europa aktiv sind. Wolfgang Resch, einer der leitenden Beamten aus dem Bereich Diebstahl im Landeskriminalamt Steiermark, skizzierte die vorliegenden Ergebnisse am Donnerstag bei einem Pressegespräch penibel nach und mahnte die Bevölkerung zu Wachsamkeit. Die Tätergruppen aus Chile haben es besonders auf Villengegenden und Häuser in bekanntlich "reicheren" Bezirken und Vierteln abgesehen.

Die geschnappte fünfköpfige Gruppe gilt als eine von mehreren in Österreich und ganz Europa aktiven Gruppierungen. Die steirischen Ermittler waren ihnen seit Sommer 2025 auf der Spur, nachdem es in Graz-Umgebung Einbrüche gab, bei denen es die Täter vor allem auf Schmuck, Bargeld, teure Uhren und andere Wertsachen abgesehen hatten. Akribische Ermittlungen - zum Beispiel die Auswertung von gleichen Schuhabdruckspuren und verdächtigen Beobachtungen von Zeugen - führten die Beamten dann zu einer Vielzahl weiterer Einbrüche, die auf das Konto der festgenommenen Chilenen im Alter von 19 bis 28 Jahren geht.

Vorgehen professionell organisiert

Der Schaden beträgt allein in Österreich rund 400.000 Euro. Zählt man die ihnen nachgewiesenen Einbrüche in der Schweiz, Luxemburg, Frankreich und Deutschland dazu, liege der Schaden im einstelligen Millionen-Euro-Bereich, so Resch. Er betonte, dass es sich dabei nur um die wirklich nachgewiesenen Delikte handelt. Er geht aber von weit mehr aus.

Die Vorgehensweise der südamerikanischen Gruppierungen sei den Ermittlern zwar nicht neu, aber sie gilt als besonders organisiert und sie bedient sich guter Logistik, Internet-Recherche und Messenger-Dienste. Die Täter suchen sich bereits in ihrer Heimat via Google Maps und Street View geeignete Objekte heraus. Dabei sind vor allem Gegenden im Fokus, die dafür bekannt sind, dass gut situierte Menschen dort wohnen. In Graz waren es beispielsweise die Bezirke Andritz und St. Peter sowie der Bezirk Graz-Umgebung. Eine dieser digitalen Europakarten mit Dutzenden markierten Orten für Einbrüche wurde bei den Verdächtigen entdeckt. Bei etwa der Hälfte der Markierungen hatten tatsächlich Einbrüche stattgefunden.

Täter als Jogger getarnt

Wenn die Gruppen nach Europa einreisen, meist über Spanien oder Italien, werden sie von ansässigen Landsmännern empfangen, die für hochpreisige Mietfahrzeuge, oft italienische Modelle, Unterkünfte und Einbruchswerkzeuge sorgen. Die Täter mieten sich meist nur für wenige Tage in Airbnb-Unterkünfte ein und fahren von dort aus in die Nähe der Tatorte. Dann kundschaften sie die Umgebung aus und tarnen sich dabei als Jogger, während einer im Fluchtwagen zurückbleibt.

Ein beim Pressegespräch gezeigtes privates Überwachungsvideo, aufgenommen bei einem Wohnhaus, in das eingebrochen wurde, zeigte die weitere Vorgehensweise: Die zwei als Jogger mit Bauchtaschen getarnten Täter halten am helllichten Tag vermeintlich zufällig vor dem Haus an. Einer von ihnen kontrolliert offenbar im mitgeführten Mobiltelefon, ob es sich um das richtige Objekt handelt. Danach läuten sie mehrfach und überprüfen, ob jemand zu Hause ist. Als niemand öffnet, entfernen sie sich zunächst, um wenig später meist von einem angrenzenden Waldstück aus von hinten ans Haus zu schleichen und einzubrechen.

Beute wird in Bauchtaschen verstaut

Eingebrochen wird klassisch durch das Aufzwängen von Fenstern und Balkontüren. Im Haus schnappen sich die Täter vor allem Goldschmuck, teure Uhren und Bargeld - und zwar so viel, wie in den Bauchtaschen Platz hat. Danach verschwinden sie mit dem Fluchtfahrzeug in ihre Unterkünfte, um wenig später in die Nähe des nächsten Tatorts auszurücken. "Sie sind meistens maximal drei oder vier Tage in den angemieteten Objekten", so Resch. Die Gruppen ziehen so wochenlang durch Europa, ehe sie wieder in ihre Heimat reisen. Vorher wird die Beute teilweise in Mailand bei Hehlern noch versetzt oder in einfachen Post-Paketen verschickt. Auf sichergestellten Mobiltelefonen wurden teilweise Videos und Fotos der Täter gefunden, wie sie mit dem Goldschmuck an den Händen und um den Hals prahlen. "Sie sind stolz auf das, was sie tun", ist Resch überzeugt. Er sprach von "mafiosen" Strukturen und Netzwerken in Chile, von denen diese Coups ihren Ausgang nehmen.

90 Tage am Stück dürfen sich die Chilenen als vermeintliche Touristen im EU-Schengenraum aufhalten: "In der Zeit toben sie sich aus", sagte der Ermittler mit Sorge. Nach Europa geschickt würden übrigens nur jene Einbrecher, die sich in ihrer Heimat bereits bewiesen hätten, unterstrich Andreas Tiroch vom Bundeskriminalamt, der seit Herbst 2024 einen Anstieg ähnlicher Delikte chilenischer Täter in Österreich registriert hat. Er sprach von seither rund 100 Delikten chilenischer Gruppen. 28 Täter oder Verdächtige seien bisher festgenommen worden. Tiroch könne zwar nicht beweisen, dass der Anstieg mit den neuen Einreisebestimmungen in den USA zu tun habe, aber es liege nahe. Daher dürfte sich der Fokus auf Europa auch nicht so schnell wieder ändern. Die geschnappte Gruppe war übrigens schon 2021 und 2022 in den USA als Einbrecher unterwegs, konnte aber flüchten.

"Dunkelziffer ist enorm"

Wie viele dieser chilenischen Gruppen in Europa aktiv sind, können die Ermittler bisher nicht feststellen. "Die Dunkelziffer ist enorm", ist Tiroch überzeugt. Resch bat die Bevölkerung um Wachsamkeit: Verdächtige Unbekannte in der Gegend können stets auch über den Notruf 133 der Polizei gemeldet werden. Die Streifen seien für derartige Hinweise dankbar. Und es handle sich dezidiert nicht mehr um Dämmerungseinbrüche. Die Täter schlagen meistens tagsüber zu, wenn niemand zu Hause ist. Betroffen und daher auch an den Ermittlungen beteiligt waren bei der nun geschnappten Tätergruppe die Bundesländer und Landeskriminalämter Steiermark, Niederösterreich, Salzburg und Wien.

Die in der Steiermark aufgedeckten Ermittlungsergebnisse seien bereits an Europol, Interpol sowie Behörden in anderen EU-Ländern weitergegeben worden. Von der fünfköpfigen Gruppe, die in der Steiermark aktiv war, wurden vier festgenommen und warten auf ihre Gerichtsverhandlung. Nach einem werde noch gesucht. Insgesamt weiß die Polizei von vier chilenischen Gruppierungen mit insgesamt 15 Tätern, die Einbrüche in der Steiermark verübt haben sollen. Elf von ihnen seien namentlich bekannt und insgesamt sechs seien auch schon in Haft. Alle vier Gruppen sowie wohl auch die anderen in ganz Europa arbeiten nach den gleichen professionellen Methoden, sagte Resch.

(APA/Red)

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