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Lehrplanreform: Wiederkehr sucht Gespräch mit Koalitionspartnern

Gestern, 12:57

Die Pläne von NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr für eine Reform der Lehrpläne und Pilotversuche zur sechsjährigen Volksschule haben beim Koalitionspartner ÖVP in den vergangenen Wochen für gehörige Verstimmung gesorgt.

Es seien Vorschläge ohne "vernünftige Substanz", hatte Generalsekretär Nico Marchetti gegenüber der APA kritisiert. Bei einem Gespräch mit Marchetti und SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer Anfang März will Wiederkehr nun "Missverständnisse ausräumen".

In der Volkspartei stößt man sich vor allem an den Ideen für die AHS-Oberstufe. Wiederkehr will hier den Unterricht zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, Demokratie- und Medienbildung ausbauen und im Gegenzug bei Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache Stunden kürzen. Auch er sei dafür, Themen wie KI intensiver zu behandeln, betonte Bildungssprecher Marchetti zuletzt. Sie in ein einzelnes Fach zu pressen, sei aber ein "sehr gestriger Ansatz" und in Zeiten von KI und ChatGPT brauche es eigentlich mehr humanistische Bildung und nicht weniger. Gerade bei sensiblen Themen wie den Lehrplänen gehe es außerdem um Details. Er kenne aber weder konkrete Unterlagen, noch habe es Verhandlungen über die geplante Reform gegeben.

Wiederkehr will Wogen glätten: Planungsstand soll auf den Tisch

Bei einem Treffen in zwei Wochen will Wiederkehr nun die Wogen glätten. Der aktuelle Planungsstand soll auf den Tisch gelegt und mit den Bildungssprechern der Koalitionspartner diskutiert werden, hieß es aus dem Ministerbüro auf APA-Anfrage. Hauptanliegen sei es, "Missverständnisse auszuräumen, um schnell wieder gemeinsam an der Umsetzung von Reformen weiterarbeiten zu können".

Inhaltlich ist Wiederkehr weiterhin von seinen Plänen überzeugt, die Schule müsse auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren. Auf die entsprechenden Schwerpunkte hätten sich die drei Koalitionsparteien außerdem im Regierungsprogramm verständigt, wurde betont. Es habe bisher auch noch keine alternativen Vorschläge gegeben, wo in der AHS-Oberstufe anstelle von Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache gekürzt werden könnte. Widerspruch dazu kam von den Initiatoren der von viel Prominenz aus Kunst, Kultur und Wissenschaft unterzeichneten Latein-Petition, die Wiederkehr vergangene Woche zu einer Aussprache ins Ministerium eingeladen hatte. Dabei habe man die Idee vorgestellt, neue Schwerpunkte wie Demokratiebildung, Medienkompetenz und KI in bestehende Fächer zu integrieren statt bei diesen zu kürzen.

Klar sei nämlich, dass die zusätzlichen Stunden - eine für den um das KI-Thema erweiterten Informatikunterricht und zwei für das komplett neue Fach "Medien und Demokratie" - nicht zusätzlich im Stundenplan aufgenommen werden sollen. Schließlich könne man die Schülerinnen und Schüler nicht noch mehr belasten.

Im vergangenen Jahr hätten bereits hundert Arbeitsgruppen zu den künftigen Lehrplänen zu den unterschiedlichsten Fächern und Themen getagt. Das betreffe neben den AHS-Oberstufen auch die Lehrpläne der Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS). "Die werden jetzt konsolidiert und dann mit den Koalitionspartnern besprochen." Immerhin würden in der Koalition auch Verordnungen immer innerhalb der Regierungsparteien abgestimmt, betonte Wiederkehr am Mittwoch am Rande des Ministerrats.

Abstimmung auch bei Pilot zu Volksschulverlängerung

Angesprochen auf die ÖVP-Kritik an den Vorarbeiten für etwaige Modellregionen zur Verlängerung der Volksschule von vier auf sechs Jahre sagte Wiederkehr: "Ich kann Sie beruhigen: Das Gymnasium wird es weiter geben." Im Regierungsprogramm sei vereinbart, Modellregionen zu einer "Gemeinsamen Schule der Zehn- bis 12- bzw. 14-Jährigen" zu erleichtern und Wien habe Interesse an einem Pilot zur Verlängerung der Volksschulzeit gezeigt. Im Ministerium laufen nun Arbeiten, wie ein solches Modell pädagogisch und praktisch aussehen könnte. Die Teilnahme daran sei freiwillig, betonte der Minister. "Sobald es Näheres gibt, werden wir das präsentieren und natürlich auch in der Koalition abstimmen."

Er habe auch aus anderen Bundesländern schon "viele Wünsche bekommen, Innovation in die Bildungsstruktur zu bekommen. Die werden wir uns alle anschauen und auch dort, wo es im Koalitionsabkommen vereinbart ist, in die Umsetzung bringen". In der ÖVP war Wiederkehrs Ankündigung von Vorarbeiten für ein Pilotprojekt in Wien zuletzt nicht gut angekommen. Generalsekretär Nico Marchetti hatte als Reaktion gegenüber der APA betont, das Gymnasium stünde für seine Partei nicht zur Disposition.

(APA/Red)

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