Nach einer Home Invasion in Amstetten und einem Schusswechsel mit der Polizei stehen drei Männer kommenden Mittwoch vor einem Schwurgericht in St. Pölten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio unter anderem Mordversuch, schweren Raub und versuchten Widerstand gegen die Staatsgewalt vor.
Nach einer Home Invasion und Schüssen auf Polizisten in Amstetten stehen drei Männer kommenden Mittwoch vor einem Schwurgericht in St. Pölten. Zu den Anklagepunkten zählen Mordversuch und schwerer Raub. Das Trio soll nach Polizeiangaben vom Mittwoch auch Wohnhauseinbrüche in den Bezirken Melk und Amstetten verübt haben, bei denen Geld, Uhren und Schmuck im Wert von rund 125.000 Euro entwendet wurden. Zwei Angeklagte sind seit Jahren einschlägig bei Polizei und Justiz bekannt.
Brutaler Überfall auf 74-Jährige in Amstetten
Bei der Home Invasion am 5. September des Vorjahres soll das mit Schlauchtüchern maskierte Trio kurz vor 7.00 Uhr eine 74-Jährige in deren Wohnhaus überrascht, mit einer Faustfeuerwaffe und einer Eisenstange bedroht und Bargeld gefordert haben. Das Gebäude und die Familie hatten die Männer zuvor ausgekundschaftet bzw. observiert. Das Opfer wurde gewaltsam festgehalten, fixiert und gegen den Boden gedrückt. Die Beschuldigten - zwei Kosovaren im Alter von 49 und 58 Jahren und ein 55-jähriger albanischer Staatsbürger - sollen den Wohnbereich nach Wertgegenständen durchsucht und 70 Euro Bargeld sowie eine Kreditkarte mitgenommen haben.
Auf der Flucht Schusswechsel mit Polizei
Als das Trio die 74-Jährige mit einem Kabelbinder fesseln wollte, läutete ein Spediteur an der Tür. Die Männer flüchteten daraufhin. Zu einem Schusswechsel mit der Polizei kam es bei der Fahndung. Als die Uniformierten zwei Verdächtige kurz nach 8.00 Uhr auf einer Wiese bzw. einem Acker bemerkten, flüchteten der 55- und der 58-Jährige. Der Ältere soll den Beamten an einer unübersichtlichen Stelle nahe einer Böschung knieend aufgelauert und aus kurzer Distanz dreimal gezielt auf zwei Polizisten gefeuert haben. Ein Uniformierter gab daraufhin einen Schuss aus seiner Dienstwaffe ab. Die beiden Verdächtigen wurden festgenommen. Das Tatfahrzeug wurde in einem Waldstück sichergestellt.
Dritter Verdächtiger später gefasst
Im Zuge weiterer Ermittlungen des Landeskriminalamts wurde am 8. September ein 49-jähriger Verdächtiger in Aschbach-Markt festgenommen. Sichergestellt wurden die beim Raubüberfall getragenen Schuhe sowie ein hoher Bargeldbetrag. Bei einer weiteren Durchsuchung der von der Bande genutzten Unterkunft im Bezirk Amstetten wurden Teile von Diebesgut entdeckt. Konkret werden dem Trio zwei vollendete Einbrüche und ein Versuch im Juli und August des Vorjahres angelastet. In Bezug auf diese Vorwürfe laufe das Ermittlungsverfahren noch, sagte Thomas Korntheuer, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, am Mittwoch auf APA-Anfrage.
Opfer leidet an psychischen Folgen
Bei der Home Invasion und dem Schusswechsel wurde niemand verletzt. Die Opferfamilie leide jedoch nach wie vor an den (psychischen) Folgen des Überfalls, teilte die Polizei mit. Der 49-Jährige war zum Vorwurf des schweren Raubes umfassend geständig und gab die Wohnhauseinbrüche teilweise zu. Die anderen beiden Beschuldigten verweigerten bisher die Aussage. Neben schwerem Raub und Mordversuch lautet die Anklage auch auf versuchten Widerstand gegen die Staatsgewalt. Ein weiterer Vorwurf betrifft den unbefugten Besitz einer Schusswaffe.
Haft nach Raubmord in der Schweiz und Banküberfall in den USA
Der 55-Jährige und der 58-Jährige - beide ohne aufrechten Wohnsitz in Österreich - weisen einschlägige Vorstrafen bzw. kriminalpolizeiliche Vormerkungen auf, teilte die Landespolizeidirektion Niederösterreich in einer Aussendung mit. Der 58-jährige Kosovare hatte 1999 in einem Spielsalon im Kanton Bern in der Schweiz einen Raubmord verübt, bei dem er aus nächster Nähe auf einen Sicherheitsmann schoss und ihn tötete. Nach seiner Festnahme in Italien wurde er 2008 vom Obergericht Bern zu 18 Jahren Haft verurteilt. Weiters ist er in mehreren europäischen Ländern und in den USA wegen illegalen Waffenbesitzes, schweren Diebstahls und Hehlerei kriminalpolizeilich vorgemerkt.
Der 55-Jährige wurde nach einem Banküberfall 2002 in den Vereinigten Staaten zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. 2010 folgte Haft in Italien wegen Einbruchdiebstahls, Erpressung und organisierter Kriminalität.