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Geplante Verteilung von Kassenarztstellen sorgt für Kritik

Gestern, 15:25

Der geplanten Verteilung der Kassenarztstellen bis 2030 weht innerhalb der ÖGK Gegenwind entgegen.

Innerhalb der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gibt es Kritik an der geplanten Verteilung der Kassenarztstellen bis 2030. Wie das Ö1-Radio am Donnerstag berichtete, sprach der Landesvorsitzende der ÖGK Salzburg, Thomas Kinberger, von einem "Skandal". Wien bekomme 215 neue Arztstellen und damit mehr als alle anderen acht Bundesländer zusammen, so seine Kritik. ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer wies dies zurück, niemandem werde etwas weggenommen, sagte er zur APA.

Laut dem Gewerkschafter Kinberger (SPÖ), der in der Salzburger ÖGK die Arbeitnehmerseite vertritt, seien die Verhandlungen zum regionalen Strukturplan Gesundheit lange und zäh gewesen, so Ö1. Der Bedarf an Kassen- und Facharztstellen sei auf Grundlage von Bevölkerungs- und Demografieentwicklung mithilfe eines Instituts festgelegt worden. Nachdem man nun das Gesamtergebnis vorliegen habe, habe sich gezeigt, dass Wien 215 Kassen-, Fach- und Zahnarztstellen bekommt, alle anderen acht Bundesländer zusammen nur 155 Stellen.

"Können uns das nicht erklären"

"Das, was Wien zugesprochen bekommen hat, 215 neue Kassenarztstellen, also das ist ja völlig von der Realität entkoppelt", sagte Kinberger dazu. "Also wir können uns das nicht erklären, das passt weder mit den Einwohner-Richtwerten zusammen, noch mit dem Bedarf. Weil man darf ja eines nicht vergessen, Wien hat ja eine perfekte Gesundheitsversorgung. Also kurz gesagt, Wien saugt die Arztstellen ab und der Rest Österreichs bleibt auf der Strecke."

Auch betonte er laut dem ORF-Radio, dass Salzburg ohnehin schon Nettozahler innerhalb der ÖGK sei, Wien hingegen sei für rund 60 Prozent des Budgetdefizits der Krankenkasse verantwortlich.

In der ÖGK kann man diese Kritik nicht nachvollziehen. Auf ORF-Anfrage hieß es, dass keine Kassenarztstellen von Wien zulasten anderer Bundesländer abgezogen würden. In Wien gebe es den Wunsch einer Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich, diesen müsste die Stadt Wien aber auch mitfinanzieren.

ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer ergänzte dazu im Gespräch mit der APA, es werde "nichts von einem Bundesland nach Wien verlagert", es werde niemandem etwas weggenommen. "Wir bauen in Summe in Österreich die niedergelassene Versorgung in den nächsten Jahren massiv aus", und zwar in allen Bundesländern, betonte er.

Wien "besonders spitalslastig"

Dass in Wien die Zahlen mit 215 groß sind, liege an mehreren Aspekten. So sei Wien "besonders spitalslastig", alleine aufgrund dessen, dass in Wien die Spitäler und Ambulanzen viel leichter erreichbar seien als am Land. "Um dem entgegenzuwirken, muss man sozusagen die niedergelassenen Bereiche dort stärken."

Als weiteren Punkt nannte Wurzer in Wien bereits in Planung befindliche Kooperationsmodelle zwischen dem Land Wien und der ÖGK für diese Spitalsentlastung (bei dem die Stadt mitzahle). Dazu komme, dass es in Wien aufgrund des Ballungsraumes leichter (und auch sinnvoller) sei, solche Zentren zu errichten, als in ländlichen Regionen.

Die Kritik Kinbergers kann Wurzer nicht nachvollziehen: Alle Funktionäre auf Landesebene hätten den regionalen Strukturplänen Gesundheit (RSG) zugestimmt. Diese Pläne gebe es nur, wenn Einvernehmen zwischen den Sozialversicherungen und den Ländern hergestellt wird, betonte der ÖGK-Generaldirektor.

(APA/Red)

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