ORF-Generaldirektor Weißmann erwägt rechtliche Schritte gegen FPÖ-Generalsekretär Hafenecker, falls dieser weiter "kreditschädigende oder ehrverletzende Behauptungen über den ORF oder seine Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter verbreitet". Weißmann ist jedoch bereit, Hafenecker die Fakten in einem persönlichen Gespräch darzulegen, um rechtliche Maßnahmen zu vermeiden.
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann reagiert auf eine FPÖ-Pressekonferenz vom Montag sowie eine dazugehörige Pressemitteilung, in der FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker unter anderem behauptete, es gebe im ORF "massive Malversationen". Zudem war von einer "Luxusportierloge", "Privilegienstadl", "Zwangssteuerzahlern", "Gesinnungsjournalismus" oder auch "Chaos" bei der ORF-Tochterfirma OBS zu lesen.
Der ORF-Chef ortet schwerwiegende Unterstellungen gegenüber dem Unternehmen und seinen Verantwortlichen und fordert Hafenecker "ausdrücklich auf, derartige Aussagen künftig zu unterlassen". Derartige pauschale Schlagworte und Polemisierungen würden einer "faktenfreien Skandalisierung" Vorschub leisten und könnten den wirtschaftlichen Ruf des ORF und das Vertrauen von Publikum sowie Vertragspartnern ernsthaft beschädigen. Der ORF unterliege strengen gesetzlichen Vorgaben sowie internen und externen Kontrollen. "Mein Ziel ist es, auf Basis überprüfbarer Zahlen, Daten und Berichte Klarheit zu schaffen und Missverständnisse auszuräumen", hielt Weißmann fest.
Bereits am Dienstag hat der ORF-Chef den von ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler erhobenen Vorwurf, das öffentlich-rechtliche Medienhaus würde mit seinen Führungen Schülerinnen und Schüler "abzocken" "schärfstens" zurückgewiesen. 6,60 Euro fallen pro Kind oder Jugendlichem an, um administrativen und personellen Aufwand annähernd zu decken. Man erziele damit keinen Gewinn, hielt Weißmann fest. Westenthaler, der von der FPÖ in das oberste ORF-Gremium entsandt wurde, lässt in der Causa jedoch nicht locker und hat sich am Mittwoch mit einem Brief an Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) gewandt. Darin heißt es u.a.: "Helfen Sie mit, diesem Abkassieren des ORF-Generaldirektors Weißmann, der bis heute keine Einsicht und kein Erbarmen in schwierigen Zeiten für die Menschen in unserem Land zeigt, ein Ende zu bereiten, indem Sie sich gegen dieses Abkassieren einsetzen."