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Social Media: AK mit Forderung nach mehr Schutz vor süchtigmachenden Designs

Gestern, 13:50

Bei einer Pressekonferenz am internationalen Safer Internet Day hat die Arbeiterkammer am Dienstag in Wien zwei Studien zu Social-Media-Apps präsentiert.

Es wurde wissenschaftlich untermauert, was schon bekannt ist: Die Apps setzen demnach auf Manipulation - mit psychologischen Tricks werden Userinnen und User möglichst lange online gehalten. Die Arbeiterkammer fordert deshalb mehr Schutz vor süchtigmachenden Designs und mehr Schutz für Kinder und Jugendliche.

"Social Media ist so gestaltet, dass selbst Erwachsene ihre Nutzung kaum kontrollieren können", sagte Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz bei der Arbeiterkammer Wien. Ein kurzer Blick aufs Handy und bei Instagram leuchtet ein Punkt auf: Ein Klick, eine Nachricht, und User bleiben hängen. Dahinter stecken sogenannte Addictive Designs, also gezielt gestaltete App-Funktionen, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange binden. Dazu gehören laut Louise Beltzung von der AK-Abteilung Konsumentenschutz auch endloses Scrollen, Auto-Play-Funktionen, Push-Notifications und täglicher Nutzungszwang.

Für eine AK-Studie untersuchte das Institut für Höhere Studien (IHS) mit einem wissenschaftlich fundierten Ampelsystem das Suchtpotenzial von Social-Media-Apps, angewandt bei TikTok und Instagram. Das Ergebnis ist laut Zgubic alarmierend. Bei insgesamt 55 Kriterien zu Designelementen erhielt TikTok 44 rote Bewertungen, Instagram 40. Dazu gehören beispielsweise die Funktion, dass Videos automatisch abgespielt werden, oder dass es für User praktisch unmöglich ist, das Ende des Feeds zu erreichen.

Social-Media-Plattformen: Suchtverhalten als Geschäftsstrategie

"Suchtverhalten zu erzeugen ist die Geschäftsstrategie von Social-Media-Plattformen", sagte IHS-Studienautorin Laura Wiesböck. Das zeige sich in der gesamten digitalen Ökonomie - von Dating-Apps über Fitness-Tracker bis zu Online-Shops. "Überall dort, wo Geschäftsmodelle auf die Aufmerksamkeit von Nutzerinnen und Nutzern aufbauen, haben sich Praktiken durchgesetzt, die systematisch auf Kontrollverlust abzielen", erläuterte die Expertin. Die starke Konzentration von riskanten Design-Merkmalen unterstreiche die Notwendigkeit regulatorischer Maßnahmen.

Bei der Pressekonferenz wurde noch eine zweite Studie präsentiert, diese wurde vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Sie zeigt, dass bei der Altersfeststellung von Jugendlichen hochsensible Daten verarbeitet werden, auf Kosten des Datenschutzes. Immer mehr Länder erwägen strengere Regeln oder das Verbot von Social Media für Minderjährige. In Österreich hat zuletzt der für Medien zuständige Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) einen Gesetzesentwurf bis zum Sommer angekündigt.

Aktuell werden Altersbeschränkungen bei den Plattformen aus Datenschutzsicht oft problematisch überprüft, da sensible Daten verarbeitet werden und es ein hohes Missbrauchspotenzial gibt. So sind teilweise auch Selfies, oft im Abgleich mit einem Lichtbildausweis, eine gängige Methode der Altersfeststellung, erläuterte Studienautor Fabian Fischer. Ein "Best-Practice-Beispiel" gebe es aktuell noch nicht, in der EU gibt es aber bereits eine App zur Altersüberprüfung, die in einer Pilotphase getestet wird. Bis Jahresende soll außerdem die digitale Brieftasche verfügbar sein, mit der eine Altersüberprüfung möglich ist, ohne dass Daten weitergegeben werden. "Damit wäre es möglich, nur zu teilen, dass eine Nutzerin, ein Nutzer über 14 ist - mehr Information ist nicht nötig", erklärte der Experte.

Mindestalter wird von AK begrüßt

Ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren für die Nutzung von Sozialen Medien wird von der AK begrüßt, "es ist aber nicht die einzige Maßnahme, die alles lösen wird", sagte Zgubic. "Endloses Scrollen, Autoplay und Push-Notifications sind keine Spielerei, sondern Suchtmechanismen. Social Media ist so designt, dass selbst Erwachsene die Kontrolle verlieren können. Den höchsten Preis zahlen aber Jugendliche", sagte Zgubic. Sie verlangte "dringend Spielregeln, um die Menschen, besonders Kinder und Jugendliche, zu schützen".

Die AK forderte das Verbot von Addictive Design, transparente Algorithmen und eine wirksame und datensparende Altersfeststellung. Außerdem soll den Userinnen und Usern die Zeithoheit zurückgegeben werden, sprich, niemand soll sich gezwungen fühlen, täglich eine App zu öffnen. Eltern sollen jedenfalls mit Kindern und Jugendlichen das Gespräch suchen und Regeln für die Nutzung Sozialer Medien vereinbaren, riet Beltzung. Dafür solle auch das eigene Medienverhalten hinterfragt werden. Um sich selbst zu schützen, können etwa auch Push-Benachrichtigungen in den Systemeinstellungen deaktiviert werden - das schützt vor ständiger Ablenkung.

(APA/Red)

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