Villach steht dem ersten Jahrestag des Terroranschlags aus dem Vorjahr. Am Sonntag steigt eine Gedenkmesse.
Der Terroranschlag von Villach, bei dem ein 14-jähriger Jugendlicher starb und fünf Personen teils lebensgefährlich verletzt wurden, jährt sich am kommenden Sonntag zum ersten Mal. Der mutmaßliche Attentäter, der nahe des Hauptplatzes auf Passanten eingestochen hatte, wurde kurz nach der Tat festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Der Prozess gegen ihn wird dem Vernehmen nach wohl im April am Landesgericht Klagenfurt stattfinden.
Der 15. Februar 2025 war ein Samstag, an dem Villach plötzlich zum Großeinsatzgebiet für Polizei und Rettungskräfte wurde. Kurz vor 16 Uhr hatte ein 23-jähriger Syrer gezielt auf Jugendliche und junge Männer eingestochen. Ein 14-Jähriger starb, fünf Personen wurden teils schwer verletzt, drei von ihnen mussten auf der Intensivstation betreut werden.
Dass der Attentäter nicht noch mehr Schaden anrichtete, war wohl einem syrischen Essenszusteller zu verdanken. Er sah die Tat, reagierte blitzschnell und fuhr den 23-Jährigen mit dem Auto an. Dieser ließ sich danach widerstandslos festnehmen. In einer ersten Einvernahme hatte der Asylberechtigte, der 2020 nach Österreich gekommen war, erklärt, im Namen der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) gehandelt zu haben. In seinem Zimmer wurde eine selbst gebastelte IS-Flagge gefunden. Der Mann hatte sich offenbar innerhalb weniger Wochen auf TikTok radikalisiert, er dürfte Anhänger eines radikalislamistischen Influencers gewesen sein.
Kärnten - und speziell die eigentliche Faschingshauptstadt Villach - standen tagelang unter Schock. Faschingssitzungen und der große Umzug wurden abgesagt. Vonseiten der Stadt Villach wurde eine Trauerwoche ausgerufen und eine Gedenkveranstaltung angekündigt. Zu dieser Veranstaltung, die drei Tage nach dem Anschlag stattfand, kamen rund 4.000 Personen.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) forderte nach dem Attentat mehr Befugnisse für den Staatsschutz. Die Einführung einer Messenger-Überwachung wurde zum Thema, als Sofortmaßnahme kündigte der Innenminister weiters "anlasslose Massenüberprüfungen" an. Darunter fielen "bestimmte Zielgruppen" wie Asylberechtigte mit syrischem und afghanischem Hintergrund.
Am Jahrestag des Attentats, diesen Sonntag, findet um 17.00 Uhr eine Gedenkmesse in der Stadtpfarrkirche Villach statt. Der ökumenische Gottesdienst wird von Stadthauptpfarrer Richard Pirker und der evangelischen Superintendentin Andrea Mattioli gemeinsam geleitet. "Auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern des verstorbenen Jugendlichen, die in Stille trauern möchten, wird es darüber hinaus keinerlei offizielle Gedenkaktivitäten geben", hieß es von der Stadt Villach.
Unterdessen wartet der mutmaßliche Terrorist in Untersuchungshaft auf seinen Prozess. In der mittlerweile rechtskräftigen Anklage werden ihm terroristische Straftaten wie Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Das Geschworenenverfahren wird wahrscheinlich im April stattfinden - unter bis dahin am Landesgericht Klagenfurt einzigartigen Sicherheitsmaßnahmen.