Das übernächste Schuljahr soll für die AHS-Oberstufe eigene Fächer für Themen wie KI und Medienbildung bringen.
Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen Themen wie Künstliche Intelligenz und Medienbildung in der AHS-Oberstufe nicht mehr bloß in allen Gegenständen mehr oder weniger vorkommen, sondern als eigene Fächer im Stundenplan stehen. Die Verteilung ist noch nicht fix, die Inhalte schon: In "Informatik und Künstliche Daten" soll es etwa um die Funktionsweise von KI, digitale Infrastruktur und Datenschutz gehen. Ein neues Fach beleuchtet künftig das Verhältnis von "Medien und Demokratie".
Aufregung wegen Wiederkehr-Plan
Der Plan von NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr, durch weniger Stunden für Latein und die zweite lebende Fremdsprache Platz für die neuen Fächer zu schaffen, hat zuletzt für viel Aufregung gesorgt: Mit den Kürzungen setze er die Allgemeinbildung im Gymnasium aufs Spiel, außerdem könne man KI und Medienbildung nicht in ein eigenes Fach pressen, so die Kritik. Wiederkehr hat sein Vorgehen wiederholt verteidigt: Als Querschnittsmaterie kämen die Themen bisher zu kurz, es brauche eigene Fächer samt dafür qualifizierter Lehrkräfte. Und Stundenstreichungen seien nötig, weil man nicht ständig neue Inhalte draufpacken könne.
Dabei hat das Ministerium seine Informatik-Reformpläne bereits einmal umgeworfen: Das ursprüngliche Modell hätte ein gemeinsames Fach "Medien und Informatik" vorgesehen. Dafür sollte der derzeitige Informatikunterricht um Medienbildung ergänzt und das Stundenausmaß von derzeit zwei Stunden in der fünften Klasse auf vier über die gesamte Oberstufenzeit verdoppelt werden. Informatik-Fachleute liefen dagegen Sturm, wie der "Standard" berichtet hat.
Ergänzung um Kompetenzbereich KI
Im neuen Modell soll Informatik nun über die gesamte Oberstufenzeit von zwei auf drei Stunden aufgestockt und um den Kompetenzbereich KI ergänzt werden. Konkret sollen die Jugendlichen laut Unterlagen des Bildungsressorts im neuen Fach "Informatik und Künstliche Intelligenz" neben der Nutzung von KI auch lernen, wie ein Large Language Model (LLM) Daten organisiert, auswertet und interpretiert und wo die Grenzen und Risiken liegen. Bisher wurde KI in den Schulen laut Ministerium vor allem als Arbeitsmittel genutzt.
Im erweiterten Informatikunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler außerdem selbst Software entwickeln, testen und verbessern. Weitere Themen sollen der Aufbau von digitalen Infrastrukturen wie Betriebssystemen und Netzwerken und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft sein, außerdem Datenschutz und der Umgang mit digitalen Bedrohungen.
Zwei Stunden "Medien und Demokratie"
Als komplett neues Fach soll in der Oberstufe "Medien und Demokratie" mit zwei Wochenstunden dazukommen. Dessen Ziel ist laut Ministerium, die Jugendlichen zu "kritischen, aktiven" Teilnehmern in Medien und Gesellschaft zu machen. Konkret soll dort gelernt werden, wie Medien Themen setzen, Inhalte rahmen, die öffentliche Meinung prägen und die Demokratie beeinflussen. Auch um Meinungsfreiheit, Partizipation, Öffentlichkeit und die Rolle der Jugendlichen selbst soll es in "Medien und Demokratie" gehen. Eigene Medieninhalte sollen dort ebenfalls produziert werden. Derzeit gehören Medienbildung und Demokratiebildung (als Teil der Politischen Bildung) zu jenen zehn Unterrichtsprinzipien, die grundsätzlich in allen Gegenständen mitberücksichtigt werden sollen.
Wie die insgesamt drei Stunden für "Informatik und Künstliche Intelligenz" und "Medien und Demokratie" auf der Stundentafel verteilt werden, steht laut Ministerium noch nicht fest. Sie soll aber gut auf die Wahlpflichtgegenstände ab der 6. Klasse abgestimmt sein. So könnten beispielsweise in der 5. Klasse weiterhin zwei Stunden Informatik (ergänzt um den neuen KI-Aspekt) am Stundenplan stehen, eine weitere Stunde in der 6. Klasse und zwei Stunden "Medien und Demokratie" ebenfalls in der 6. Klasse. Diese Verteilung kann aber schulautonom geändert werden.
Im Gymnasium sollen zugunsten der beiden neuen Fächer vier der bisher zwölf Lateinstunden der Oberstufe gekürzt werden, in der Regel hieße das zwei statt bisher drei Wochenstunden Latein in jeder Schulstufe. Stattdessen sollen dann eine zusätzliche Stunde Informatik (plus KI) und zwei Stunden "Medien und Demokratie" in der Stundentafel stehen. Über die Nutzung der vierten gestrichenen Lateinstunde sollen die Gymnasien autonom entscheiden können. Im Realgymnasium und im Wirtschaftskundlichen Realgymnasium wiederum sollen neben zwei Stunden bei der zweiten lebenden Fremdsprache auch eine Stunde aus dem autonomen Bereich wegfallen, um für die neuen Fächer Platz zu machen.