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EZB lässt Leitzins in Euroraum unverändert

5-02-2026, 14:32

Am Donnerstag ist die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer weiteren Zinspause ins Jahr gestartet.

Die EZB hat den Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen. Diese Entscheidung wurde unter der Leitung von Präsidentin Christine Lagarde getroffen. Die EZB hatte den Schlüsselsatz von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten von vier auf zwei Prozent halbiert und seither pausiert. Man habe sich mit der kräftigen Aufwertung des Euro beschäftigt, erklärte Lagarde auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid in Frankfurt.

EZB-Chefin: Starker Euro könnte auch Inflation stark sinken lassen

Man habe zwar kein Ziel für den Wechselkurs, sagte die EZB-Chefin. "Aber wir sind uns bewusst, dass er sowohl für die Wachstums- als auch für die Inflationsaussichten wichtig ist", fügte sie hinzu. "Aus diesem Grund behalten wir die Wechselkursentwicklung stets genau im Auge, und der EZB-Rat hat diese Frage heute erörtert." Lagarde wies darauf hin, dass der Dollar schon seit vergangenem März an Wert verloren habe. Seit dem Sommer schwanke er innerhalb einer bestimmten Bandbreite. Man schaue genau hin, welche Auswirkungen diese Entwicklung habe. "Ein stärkerer Euro könnte die Inflation stärker senken als derzeit erwartet", sagte Lagarde. Dadurch könnten Importe billiger werden.

Entwicklung Fed und EZB-Leitzinssatz seit Juli 2022.

Starke Euro-Aufwertung zum US-Dollar

Der Euro stieg vergangene Woche erstmals seit 2021 über die Marke von 1,20 Dollar. Hintergrund ist eine zunehmende Schwäche des Dollar, die durch die US-Politik von Präsident Donald Trump und Spekulationen an den Finanzmärkten befeuert wird. "Der Euro löst keine hektische Betriebsamkeit auf den Fluren des EZB-Towers aus", kommentierte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, die Äußerungen Lagardes. Etwas anders sah es noch vor einer Woche aus: Österreichs Ratsmitglied, OeNB-Chef Martin Kocher, hatte für den Fall, dass der Euro weiter aufwertet, laut über die Möglichkeit einer künftigen Zinssenkung nachgedacht. Eine starke Währung verteuert Exporte und verbilligt zugleich Importe, was tendenziell das Wachstum dämpft und die Inflation drückt. Laut EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau beobachtet die Notenbank die Aufwertung der Gemeinschaftswährung und ihre möglichen Auswirkungen auf die Inflation genau.

Eurozonen-Inflation zuletzt unter zwei Prozent

"Die Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses wird von der Datenlage abhängen und von Sitzung zu Sitzung erfolgen", hatte die Zentralbank heute zum Zinsbeschluss mitgeteilt. Die EZB steht mit Blick auf die Inflation nicht mehr unter Handlungsdruck. Die Teuerungsrate im Euroraum ist im Jänner mit 1,7 Prozent sogar unter die von der EZB als ideal für die Wirtschaft erachtete Zielmarke von 2,0 Prozent gerutscht. Die Notenbank erwartet bereits, dass im laufenden Jahr und auch 2027 das EZB-Inflationsziel leicht unterboten wird. Dabei unterstellt sie einen Euro-Wechselkurs von 1,16 Dollar.

Ökonomen reagieren auf EZB-Entscheidung weitgehend positiv

"Ich lobe die EZB ja selten. Aber die EZB tut recht daran, ihren Einlagensatz bei 2,0 Prozent zu belassen", kommentierte Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. "Auf der einen Seite wächst die Wirtschaft ganz ordentlich, was für sich genommen für etwas höhere Leitzinsen spricht. Auf der anderen Seite sind die Verbraucherpreise ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel zuletzt auf Jahresrate hochgerechnet um weniger als zwei Prozent gestiegen, was für niedrigere Zinsen spricht. Die EZB bekommt die Balance zur Zeit ganz gut hin." "Die europäische Geldpolitik bleibt in ruhigem Fahrwasser", fügt der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, an. "Das liegt auch daran, dass es im Euroraum glücklicherweise keine Diskussion über die Unabhängigkeit der Notenbank gibt."

(APA/Red)

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