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Besitzer überfordert: Immer mehr Meerschweinchen landen im Tierheim

5-02-2026, 10:28

Der Österreichische Tierschutzverein warnt vor der weit verbreiteten Annahme, dass Meerschweinchen pflegeleichte Haustiere für Kinder seien, und verweist auf den Anstieg abgegebener Nager am Assisi-Hof in Stockerau, was auf fehlende Kenntnisse über die komplexen Bedürfnisse der Tiere zurückzuführen sei.

Meerschweinchen gelten als pflegeleichtes Haustier für Kinder – doch genau dieser Irrtum führt zu wachsendem Tierleid, mahnt der Österreichische Tierschutzverein. So wurden am Assisi-Hof in Stockerau 2025 fast doppelt so viele Meerschweinchen aufgenommen wie noch im Vorjahr. Der Tierschutzverein warnt vor falschen Erwartungen und appelliert, sich vor der Anschaffung umfassend über die anspruchsvolle Haltung von Meerschweinchen zu informieren.

"Meerschweinchen sind keine Anfängerhaustiere"

Meerschweinchen sind dämmerungsaktiv, müssen nicht Gassi gehen und sind vergleichsweise günstig in der Haltung. Deshalb, so der Tierschutzverein, wählen viele Eltern sie als erstes Haustier für ihre Kinder. „Doch Meerschweinchen sind keine Anfängerhaustiere“, warnt Alfred Kofler, Leiter der Tierpflege am Assisi-Hof. Viele unterschätzen den täglichen Zeitaufwand von mindestens einer Stunde sowie die Anforderungen an Platz, Ernährung und Sozialkontakt.

In einer Aussendung warnen Experten: Ein kleiner Käfig und gelegentliches Füttern reichen bei Weitem nicht aus. Meerschweinchen benötigen viel Auslauf, eine strukturierte Umgebung, Artgenossen und eine ballaststoffreiche Ernährung. „Das fehlende Wissen über ihre Bedürfnisse führt dazu, dass immer mehr Tiere bei uns abgegeben werden – während geeignete Notquartiere für Meerschweinchen rar sind“, weiß Kofler.

Im Plastiksackerl am Straßenrand ausgesetzt

Besonders häufige Abgabegründe sind laut Tierschutzverein vor allem Platzmangel, Zeitdruck und gesundheitliche Probleme infolge falscher Ernährung. Wie dramatisch die Folgen sein können, zeigt der Fall des Meerschweinchens „Robert“, das krank und in einem Plastiksackerl an einer Straßenkreuzung ausgesetzt wurde.

Tierexperte Kofler warnt außerdem vor einem falschen Umgang mit den empfindlichen Nagetieren: „Meerschweinchen sind Fluchttiere und keine Kuscheltiere“. Häufiges Hochheben bedeutet Stress – ein Umstand, der besonders in Familien mit Kindern oft unterschätzt wird. „Wenn man sie hochheben muss, sollte man behutsam vorgehen: Eine Hand stützt die Brust, die andere das Hinterteil“.

So sieht eine artgerechte Haltung aus

Ebenso wichtig ist die Gruppenhaltung: Meerschweinchen dürfen niemals allein gehalten werden. Ideal ist eine Gruppe von mindestens vier Tieren mit einem kastrierten Männchen und mehreren Weibchen ähnlichen Alters.

Meerschweinchen benötigen ständig frisches Heu, da ihre Zähne lebenslang wachsen. Zusätzlich brauchen sie Vitamin-C-reiches Gemüse wie Paprika, Brokkoli oder Petersilie, da sie den Stoff nicht selbst bilden können. Getreidehaltiges Futter führt dagegen Experten zufolge rasch zu Übergewicht und gesundheitlichen Problemen.

Experten-Tipps für eine optimale Meerschweinchen-Haltung

  • Gruppenhaltung: Mindestens vier Tiere, ideal ein kastriertes Männchen mit mehreren Weibchen
  • Platz: Mindestens 10 m² Gehege, Rennstrecke ab 2 Metern
  • Freilauf: Täglich 1–2 Stunden, bei kleinen Gehegen bis zu 3 Stunden
  • Einrichtung: Häuschen, Tunnel, Rampen, Verstecke
  • Ernährung: Heu ad libitum, frisches Gemüse, Vitamin C
  • Beschäftigung: Such- und Futterspiele

Lieber adoptieren

Der Österreichische Tierschutzverein appelliert, Meerschweinchen nicht spontan zu kaufen, sondern die Nager aus dem Tierheim zu adoptieren und sich vorab umfassend zu informieren. An Auffangstellen wie dem Assisi-Hof gibt es etwa professionelle Beratung, um langfristig ein tiergerechtes Zusammenleben zu ermöglichen.

(Red)

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