logo



[email protected]

„Kaiser Franz“ feierte Olympia-Jubiläum mit Charity-Gala

4-02-2026, 11:38

Fünf Jahrzehnte nach seinem Olympiasieg in der Abfahrt 1976 hat Franz Klammer in Innsbruck das Jubiläum gefeiert.

Skiikone Franz Klammer hat 50 Jahre nach seiner historischen Abfahrts-Goldenen bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck am Dienstag und Mittwoch ebendort ausgiebig sein Jubiläum gefeiert. Nach einem Charity-Dinner Dienstagabend in Innsbruck-Igls, bei dem mehr als 200.000 Euro eingesammelt worden waren, schnallte sich Klammer zusammen mit weiteren Skilegenden Mittwochnachmittag bei einem "Legendenrennen" am Ort seines Triumphs, am Patscherkofel, die "Brettln" an.

Russi, Moser-Pröll, Strobl

Mit dabei war auch ein besonderer Weggefährte des Kärntners: Der damalige Silbermedaillengewinner, die Schweizer Skilegende Bernhard Russi. Klammer war aber auch sonst in allerbester Skifahrer-Gesellschaft: Annemarie Moser-Pröll, Fritz "The Cat" Strobl, Hannes Reichelt, Günter Mader, Maria Riesch, Manfred Pranger, Markus Wasmeier, Leonhard Stock, Andre Arnold, Ex-Speedski-Ass Weber und - als "Lokalmatador" sozusagen - Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber.

Gesteckt war natürlich diesmal keine Abfahrt, sondern ein Riesentorlauf. Unabhängig vom Legendenstatus mussten sich alle "Rennläufer" am Patscherkofel dem gleichen Prozedere unterziehen: Nämlich zuerst eine Testfahrt absolvieren, deren Zeit selbst schätzen und dieser dann im eigentlichen Rennen möglichst nahe kommen. Je geringer die Differenz zwischen Schätzung und schließlich real gefahrener Zeit im zweiten Rennen, desto besser die Platzierung. Den Sieg fuhr schließlich das "Team Russi" ein. Dem gelang somit eine Art späte Revanche für seine damalige Niederlage gegen seinen guten Freund Klammer.

Der "Kaiser" musste aber nicht nur neuerlich seine Skifahrkünste unter Beweis stellen, sondern sich nach den zwei Riesentorlauf-Fahrten auch in der Autogramm- und Foto-Disziplin bewähren. Umringt von Fans schrieb der 72-Jährige eifrig Autogramme, etwa auf Skier oder auch auf T-Shirts. Die Zahl der Fotos, die nach seinen beiden Fahrten geschossen wurden, erreichte zudem wahrlich astronomische Dimensionen.

Klammer: "Toll wieder zurückzukommen"

Trotz dieser "Pflichten", denen Klammer wie gewohnt bestens gelaunt nachkam, war er auch um Wortspenden vor Journalisten nicht verlegen. "Ratter ratter, es geht hin und her, es ist ein Wahnsinn", sagte er nach seiner zweiten und alles entscheidenden Fahrt. Aber die Skilegende ging auch noch etwas mehr an die Tiefe. "Es ist toll wieder zurückzukommen auf den Berg, auf dem eigentlich alles stattgefunden hat." Zudem habe er es bei seiner Fahrt genossen, die "damalige Strecke gedanklich wieder durchzugehen, wie sie damals war." Vor dem Rennen hatte zudem eine "Streckenbesichtigung " der einstigen Helden Klammer und Russi auf "ihrem" Patscherkofel stattgefunden.

Der ewige Franz im Zeitzeugengespräch

Von der Piste wechselte Klammer dann am frühen Abend flugs in den Großen Saal des Innsbrucker Landhauses. Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) setzte zu einer emotionalen Begrüßung bzw. Würdigung an. Im Stile von Kommentatoren-Legende Edi Finger senior überschlug sich der Landeschef förmlich mit der Schilderung jenes 5. Februar 1976, den er als damals 13-Jähriger - aus Galtür kommend - live an der Strecke miterlebt hatte. Und wie er nach Klammers Zieleinfahrt aufgeregt und euphorisiert seinem Onkel davongelaufen war, um ein Foto mit "dem Franz" zu ergattern und dabei kurze Zeit "verloren ging".

Schließlich plauderte Klammer am Podium mit dem als Moderator fungierenden Schriftsteller Bernhard Aichner. Locker-lässig, bescheiden, und immer ein wenig mit dem Schalk im Nacken, durchstreifte er sein außergewöhnliches Leben, das ihn ganz nach oben führte. Von den Kindheitstagen in seiner Kärntner Heimat Mooswald, über seine Reifung zum Weltklasseskifahrer, über jenen Olympia-Tag, der sich ins nationale Gedächtnis einbrannte, bis zu seinem Leben nach dem Skisport. Vieles wusste man natürlich schon - und trotzdem wurde gebannt zugehört, wie Klammer - ehrgeiziger und konsequenter Weltklasseathlet, aber immer auch Lebenskünstler - über die Pisten fuhr und durch das Leben wandert(e).

Manchmal assistiert von Ehefrau Eva, gab er zig Anekdoten zum Besten. Und hatte immer gute Sager auf den Lippen. Wie diesen, als er gefragt wurde, weshalb er immer die Abfahrt Disziplinen wie Slalom und Riesentorlauf vorzog: "Die Abfahrt ist Freiheit. Du kannst es einfach nur laufen lassen. Das sind keine Tore im Weg. Und so früh aufstehen musste man auch nicht. Wir sind immer gegen Mittag gestartet." Wie er sechs Bier trinken musste, um nach der Olympiaabfahrt endlich für die Dopingprobe gerüstet zu sein. Oder wie er nie viel auf Funkspruch-Tipps der Trainer während der Rennen gab: "Das waren ja eigentlich ja immer Märchen. Ich dachte mir immer: Ich werd schon sehen, was ich mache, wenn ich an diese oder jene Stelle komme."

Galaabend in Igls

Ihren Ausgang hatte das kaiserliche Jubiläumsprogramm indes bereits am Dienstag mit dem erwähnten Galaabend im Ägidihof in Igls genommen. Dabei bewies der "Kaiser" einmal mehr: Er weiß nicht nur zu siegen, sondern auch zu feiern. 183.000 Euro brachte das Charity-Dinner ein und "über Nacht" kamen dann noch einmal 20.000 Euro hinzu, wie der Generalsekretär der Klammer Foundation, Christoph Schuh, freudig gegenüber der APA erklärte. Das Geld kommt der 1998 gegründeten Franz Klammer Foundation zugute, die in Not geratene oder sozial benachteiligte Sportler unterstützt.

"Innsbruck, der Patscherkofel, waren Wegweiser für meine Karriere, für mein Leben", betonte Klammer im Rahmen der Feier und meinte: "Ich bin unendlich dankbar, wieder hier zu sein - wieder hier mit vielen Freunden, Wegbegleitern, Kollegen und meiner Familie zu feiern. Uns allen geht es gut - sehr gut sogar. Es freut mich daher sehr, von meinem Glück etwas zurückzugeben an die Sportler:innen, die es nicht so gut haben oder die gerade eine schwere Herausforderung zu bewältigen haben."

Es war ein emotionaler, fröhlicher und langer Abend - ganz im "Klammer-Stil". Den sich die vielen ehemaligen Sportgrößen, Wegbegleiter und Freunde des 72-jährigen Klammer nicht entgehen lassen wollten. Es glitzerte und funkelte nur so vor Edelmetall: Gewinner von 65 Weltmeisterschaftsmedaillen, davon sechsmal Gold, und 29 Olympiamedaillen (15 Mal Gold) sowie von insgesamt 283 Weltcuprennen waren anwesend. Rund 100 Personen feierten mit dem Kärntner und seiner Familie - und gedachten fröhlich jenem denkwürdigen 5. Februar 1976, als aus dem Kärntner Bergbauernbuben ein Nationalheld wurde. Mittwochabend stand dann noch ein Zeitzeugengespräch im Innsbrucker Landhaus von Land Tirol, ORF Tirol und "Tiroler Tageszeitung" sowie eine Charity-Kinovorführung des Films "Klammer - Chasing the Line" auf dem Jubiläumsprogramm.

(APA/Red)

Nachrichtenquelle


© 2017-2024 wienpress.at [email protected]