Eine aktuelle Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigt, dass mehr als ein Drittel der befragten Wintersportler trotz Alkoholkonsums auf die Pisten gehen und dabei erhebliche Unfall- und Rechtsfolgen riskieren. Das Kuratorium fordert deshalb strengere Maßnahmen und Sanktionen.
Ein Bier auf der Skihütte, vielleicht ein Schnapserl nach dem Essen - und danach geht es wieder ab auf die Piste. Denn: im „Urlaubsmodus“ wird das Risiko beim Wintersport häufig ausgeblendet. Eine aktuelle und repräsentative Erhebung des Fachbereichs Sport- und Freizeitsicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit zeigt: 34 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten Wintersport betrieben, obwohl sie Alkohol getrunken hatten. Vielen ist die Gefahr sogar bewusst, aber sie gehen
das Risiko trotzdem ein. Das KFV warnt daher in einer Aussendung vor erhöhter Unfallgefahr und rechtlichen Konsequenzen.
Die Studie basiert auf der Befragung von 3.000 Wintersportlern im Alter von 16 bis 69 Jahren, die vom 12. November bis 11. Dezember 2025 durchgeführt wurde. Demnach geben 34 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten Wintersport betrieben zu haben, obwohl sie Alkohol konsumiert hatten. Rund 29 Prozent davon haben nur einmal unter Alkoholeinfluss die Pisten benutzt, 58 Prozent zwei bis dreimal, 9 Prozent vier bis fünfmal und 4 Prozent sogar noch öfter.
Wintersport bringt jährlich zahlreiche Verletzte
Mit jährlich rund 30.000 spitalsbehandelten Verletzten zählen Wintersportaktivitäten wie Skifahren, Snowboarden und Rodeln zu den unfallträchtigsten Sportarten in Österreich. Hohe Geschwindigkeiten, Kollisionen und Stürze führen zu besonders schweren Verletzungen. „Während Alkohol im Straßenverkehr als Hochrisikofaktor gilt, werden die Risiken im Wintersport häufig unterschätzt. Tatsächlich stellt Alkohol auf der Piste ein großes Problem dar und kann im Fall eines Unfalls massive gesundheitliche und rechtliche Folgen haben“, so Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Fachbereichs Sport und Freizeitsicherheit im KFV.
"Gibt keine Knautschzonen"
Beim Skifahren ist ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erforderlich. Man muss nicht nur selbst
sicher die Piste hinunterkommen, sondern auch auf andere achten, betont das KFV: „Im Gegensatz zum Autofahren gibt es beim Skifahren keine Knautschzonen. Bei einem Sturz oder Aufprall auf ein Hindernis wirkt die Aufprallenergie daher unmittelbar auf den Körper und kann sehr
massiv ausfallen.“
Eigener Alkoholkonsum wird oft unterschätzt
Im Zuge der Befragung zeigte sich auch eine ausgeprägte kognitive Dissonanz: Die überwältigende Mehrheit stuft die Kombination aus Alkohol und sportlicher Aktivität als „sehr gefährlich“ ein und nimmt andere Personen in alkoholisiertem Zustand als Risiko wahr. Allerdings neigen viele dazu, den eigenen Alkoholkonsum zu bagatellisieren. Rund 13 Prozent der Befragten glauben beispielsweise, dass ihre Fahrtüchtigkeit erst nach mehr als drei Gläsern (1 Glas = 0,3 Liter Bier oder 1/8 Wein) beeinträchtigt ist, 51 Prozent nach zwei bis drei Gläsern und 34 Prozent bereits nach einem Glas. Rund zwei Prozent gaben sogar an, dass Alkohol ihre Fahrtüchtigkeit (angeblich) gar nicht beeinträchtigt.
Alkohol erhöht auch Risiko für Komplikationen
Alkohol auf der Skipiste ist laut dem Kuratorium aber aus mehreren Gründen problematisch. Bereits geringe Mengen führen demnach zu verlängerten Reaktionszeiten, Tunnelblick, Koordinationsstörungen und erhöhter Risikobereitschaft. Bei Geschwindigkeiten ab 30 km/h bis hin zu 70 km/h oder sogar noch mehr kann es binnen Sekundenbruchteilen zu folgenschweren Kollisionen kommen.
„Alkohol erhöht allerdings nicht nur die Unfallgefahr, sondern auch das Risiko für schwere Unfallverläufe und Komplikationen. Alkohol erweitert beispielsweise die Gefäße und kann zu gestörter Blutgerinnung führen. Dadurch können Gehirnblutungen nicht nur häufiger auftreten, sondern auch massiver ausfallen“, erklärt das KFV. Zudem kann sich bei Verunfallten die Diagnose verzögern, weil Alkohol gewisse Symptome maskiert und lebensbedrohliche Verletzungen dadurch später erkannt werden. Nicht unwesentlich ist auch das Unterkühlungsrisiko, denn Alkohol fördert den Wärmeverlust.
Unfälle können teuer werden
Anders als beim Autofahren gibt es auf Skipisten zwar keine präventiven Alkoholkontrollen,
allerdings sollte man folgendes beachten: Wer alkoholisiert einen Unfall verursacht, dem drohen
strafrechtliche Konsequenzen (z. B. hohe Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen,
Verlust oder Einschränkung des Versicherungsschutzes. Auch das sind gewichtige Argumente auf
Alkohol auf der Piste zu verzichten, bzw. den Konsum zumindest auf die Zeit nach dem Skifahren
zu verlegen.
KFV fordert härteres Durchgreifen auch von Betreiberseite
Das KFV fordert Gastwirte dazu auf, sichtlich Betrunkenen nicht weiter Alkohol auszuschenken und sie davon abzuhalten, wieder zurück auf die Piste zu gehen. Weiters verlangt das Kuratorium auch strengere Regelungen in den AGB der Liftbetreiber - etwa, dass alkoholisierte Personen zwar hinunter- aber nicht mehr hinaufbefördert werden dürfen.