Der Seniorenbund, der der ÖVP nahesteht, fordert, dass auch mittlere Pensionen im Jahr 2027 vollständig an die Inflation angepasst werden.
Dieses Jahr wurde die Inflation nur bei Pensionen bis 2.500 Euro voll an die Inflation angepasst, darüber hinaus gab es einen festen Betrag. Bei den Verhandlungen zur Pensionsanpassung für 2027 sollen zudem die Vertreterinnen und Vertreter der Senioren früher einbezogen werden, forderte Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec bei der Vorstellung ihrer Forderungen für 2026.
Seniorenbund fordert "Belastungsstopp" und altersgerechte Arbeitsplätze
Die Senioren hätten ihren Beitrag bereits geleistet, forderte Korosec einen "Belastungsstopp" im heurigen Jahr. Durch die teils unter der Inflationsrate liegende Pensionsanpassung und die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionisten hätte die Gruppe bereits ein Belastungspaket von rund 4,5 Milliarden Euro stemmen müssen. Deshalb müsse es 2027 die volle Inflationsanpassung geben - auch für mittlere Pensionen, sagte die Seniorenbund-Chefin. Wer mehr einzahlt, solle auch erwarten können, dass in der Pension mehr herauskommt. Ob die volle Inflationsanpassung auch für hohe Pensionen leistbar sei, werde man sehen, so Korosec, es handle sich dabei allerdings um eine sehr kleine Gruppe.
Um die Lücke zwischen dem faktischen und dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter zu schließen, brauche es außerdem mehr altersgerechte Arbeitsplätze. Dienstgeber müssten im Blick behalten, dass ihre Arbeitnehmer älter werden, und Alternativen schaffen, wenn diese ihre ursprüngliche Arbeit nicht mehr leisten können. 28 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer würden nicht aus der Erwerbstätigkeit in die Pension gehen - diese Lücke kostet den Staat laut Seniorenbund aktuell sechs Milliarden Euro. Mit Ende 50 arbeitslos zu werden und das Gefühl zu bekommen, nicht mehr gebraucht zu werden, sei zudem eine "enorme Belastung" für die Betroffenen, so Korosec. Bei dem Thema will sie einen Fokus auf Frauen legen.
Enttäuscht zeigte sie sich darüber, dass der Steuer-Freibetrag für das Arbeiten nach der Pension von 15.000 Euro pro Jahr erst ab 2027 kommt. 2026 würden arbeitende Senioren hingegen höhere Sozialabgaben leisten, weil die Übernahme von Pensionsbeiträgen vom Zuverdienst bis zur doppelten Geringfügigkeitsgrenze durch den Bund nicht verlängert wurde. Das letzte Wort sei hier noch nicht gesprochen, meinte Korosec.
Seniorenbund gegen "Digitalisierungszwang"
Der Seniorenbund wendet sich außerdem gegen den "Digitalisierungszwang". Es brauche immer auch analoge Möglichkeiten, sagte Korosec, die vor allem den privaten Bereich kritisierte. Probleme gebe es bei Versicherungen, Banken und Verkehrsunternehmen - so sind beispielsweise online gekaufte ÖBB-Tickets billiger als am Automaten gekaufte. "Das ist Diskriminierung", betonte Korosec. Sie will eine Erweiterung des Gleichbehandlungsgesetzes, das künftig auch das Alter berücksichtigen und solchen Praktiken entgegenwirken soll.
Im Gesundheits- und Pflegebereich fordert Korosec eine Finanzierung aus einer Hand - darüber werde aktuell viel geredet, dabei dürfe es aber nicht bleiben. Bei den Pensionen brauche es indes Kostenwahrheit: Sozialleistungen sollen aus dem Pensionstopf entfernt werden. Schließlich hätten 22,5 Prozent der für 2025 ausgewiesenen Bundesmittel für Pensionen nichts mit Pensionen zu tun. So etwa die Ausgleichszulage für sehr niedrige Pensionen, die der Armutsbekämpfung diene und der keine Beitragsleistung gegenüberstehe.