Säuglinge, die aufgrund einer RSV-Infektion im Krankenhaus waren, haben ein dreifach erhöhtes Risiko für die spätere Entwicklung von Asthma. Eine RSV-Impfung für Säuglinge kann laut belgischen Forschern diesen zusätzlichen Schutz bieten.
In den USA hat die Regierung von Präsident Trump die RSV-Impfung von den empfohlenen Immunisierungen gestrichen, während belgische Wissenschafter Forschungsergebnisse veröffentlicht haben, die für die Impfung sprechen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt infizieren sich die meisten Kinder im Säuglingsalter erstmals mit RSV, wobei zwei bis drei Prozent an einer Bronchiolitis erkranken. In schweren Fällen sind Krankenhausaufenthalte und intensivmedizinische Versorgung erforderlich, jedoch genesen die meisten vollständig.
Die Analyse von dänischen Daten hat aber gezeigt, dass Kinder nach einer Bronchiolitis häufiger an Asthma erkranken. Lambrecht und sein Team berechneten für Säuglinge, die wegen einer RSV-Bronchiolitis ins Spital gekommen waren, ein um den Faktor 3,3 erhöhtes Risiko für die chronische Lungenerkrankung. War die Mutter eine Asthmatikerin stieg das Asthma-Risiko von Kindern nach schwerer RSV-Erkrankung um den Faktor 5,4, im Falle einer Asthma-Erkrankung des Vaters um das 4,7-Fache.
Die belgischen Wissenschafter infizierten zusätzlich Labormäuse in den ersten Lebenswochen mit dem RSV-ähnlichen Mäuse-Pneumonievirus (PVM). Die Tiere entwickelten daraufhin eine allergische Reaktion der Bronchien - vergleichbar mit Asthma. Typisch war die Aktivierung von sogenannten T-Helferzellen vom Typ 2. Sie vermitteln bei Menschen wie Mäusen das Entstehen und die Aufrechterhaltung von Allergien.
Um ihre Hypothese zu überprüfen, verabreichten die Wissenschafter neugeborenen Mäusen Antikörper, die sowohl gegen PVM der Mäuse als auch gegen RSV wirken. Ebenso bekamen Muttertiere Antikörper, welche die Jungtiere mit der Muttermilch aufnehmen sollten. Das Ergebnis: Auch wenn es sich um Nachkommen von Muttertieren mit quasi-asthmatischer Grunderkrankung und somit einem sehr hohen Risiko für das Entstehen einer solchen Erkrankung bei deren Nachkommen nach PVM-Infektion handelte, konnte diese Komplikation verhindert werden.
"Die Ergebnisse lassen hoffen, dass die RSV-Prophylaxe mit dem (monoklonalen; Anm.) Antikörper Nirsevimab Neugeborene nicht nur vor einer schweren Bronchiolitis, sondern auch vor späteren Asthmaerkrankungen schützt. Auch eine Prophylaxe durch die Impfung von Schwangeren wäre vorstellbar", schrieb dazu das Deutsche Ärzteblatt. An sich könnte das Gegenstand von zukünftigen epidemiologischen Untersuchungen sein, um diesen Zusatzeffekt der RSV-Prophylaxe zu belegen.
In Österreich wird eine RSV-Prophylaxe bei Neugeborenen mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab durchgeführt. Das soll sie in der ersten RSV-Saison vor der Infektion schützen. Das hat bereits die Spitalsaufnahmen von Babys wegen dieser Infektion reduziert. Die aktive Impfung kann bei Schwangeren erfolgen und bringt ebenfalls Schutz für die Babys. Im österreichischen Impfplan wird die RSV-Impfung zusätzlich generell ab dem 60. Lebensjahr empfohlen. Laut einer Berechnung im Auftrag des Verbandes der Impfstoffhersteller verursachen RSV-Erkrankungen pro Jahr Kosten von rund 317 Millionen Euro.