Die Versorgung der meist schwer verletzten Personen nach dem Brandunglück im Wintersportort Crans-Montana in der Schweiz stellt eine große europäische Herausforderung dar. Auch Österreich hat Hilfe angeboten.
Die für Samstag vorgesehene Verlegung von sechs Patientinnen und Patienten nach Wien und Graz wurde zunächst abgesagt, informierte das Innenministerium die APA. Das Angebot aus Österreich, medizinische Versorgung bereitzustellen, bleibt jedoch bestehen. Ob weitere Opfer nach Österreich gebracht werden, ist ungewiss, da die Entscheidung bei den Schweizer Behörden liegt, wie das Wiener Ministerium mitteilte. Es seien jederzeit kurzfristige Änderungen möglich.
Zur nach derzeitigem Informationsstand abgesagten Übernahme hielt das Innenressort fest: "Die verantwortlichen Behörden in der Schweiz haben uns dies heute Morgen in einer Videokonferenz mitgeteilt. Grund dafür ist, dass bei zwei Personen keine medizinische Notwendigkeit einer Intensivbetreuung mehr bestünde und diese aus diesem Grund vorerst in Schweizer Betreuung verbleiben werden. Die vier anderen avisierten Patienten werden auf eigenen Wunsch hin nach Frankreich und Belgien verbracht."
Bei der Katastrophe war eine Bar in Crans-Montana in der Nacht auf den Neujahrstag in Brand geraten. Viele junge Menschen konnten sich nicht mehr oder nur schwer verletzt nach draußen retten. Insgesamt gab es mindestens 40 Tote, 119 Personen erlitten überwiegend schwere Brandverletzungen. Die Behandlung kann sich je nach Schweregrad über Monate hinziehen. Unter den Verletzten waren vor allem Schweizer, Franzosen und Italiener, Menschen aus Österreich und Deutschland nach bisherigen Angaben nicht. Über die Identität der 40 Toten machten die Behörden noch keine Angaben.
Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Das französische Paar, das die Bar betreibt, wurde als Zeugen verhört. "Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht", sagt der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals "20 Minuten". Sie kooperierten mit den Behörden.
Die Staatsanwaltschaft prüft unter anderem Umbauarbeiten, verwendete Materialien, Betriebsgenehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen, Brandschutznormen und Flucht- und Evakuierungswege, wie Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagte. Geprüft werde auch, ob Anwesende, die noch leben, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Auf Fotos und Videos waren feiernde Menschen mit Feuerwerk bzw. Sprühkerzen in Champagnerflaschen zu sehen, das nach ersten Ermittlungen Schaumstoff an der Decke in Brand gesteckt haben dürfte. In Betracht kämen etwa fahrlässige Brandstiftung oder fahrlässige Tötung, sagte Pilloud. Bisher gebe es aber keine strafrechtlich relevanten Anhaltspunkte, betonte sie.