Österreichs Wirtschaft kommt langsam aus der Rezession: Wifo und IHS haben ihre Konjunkturprognose für 2025 und 2026 leicht angehoben. Die heimische Wirtschaft soll 2025 um 0,5 Prozent und 2026 um bis zu 1,2 Prozent wachsen – begleitet von sinkender Inflation und einer allmählichen Entspannung am Arbeitsmarkt.
Die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS erhöhen leicht ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr und 2026. Österreichs Wirtschaft soll heuer real um 0,5 Prozent wachsen und im kommenden Jahr um 1,2 bzw. 1,0 Prozent. Im Oktober gingen die Ökonomen für 2025 von einem Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent (Wifo) bzw. 0,4 Prozent (IHS) aus und für 2026 von 1,1 bzw. 0,9 Prozent.
Wifo und IHS heben Konjunkturprognose für 2025/26 leicht an
Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) sieht für die heimische Wirtschaft "Licht am Ende des Tunnels". Die Rezession der Jahre 2023 und 2024 war der längste Wirtschaftsabschwung der Zweiten Republik. Das Institut für Höhere Studien diagnostiziert "eine allmähliche Erholung der Investitionstätigkeit".
Für 2027 prognostizieren Wifo und IHS ein Wirtschaftswachstum in Österreich von 1,4 bzw. 1,1 Prozent. "Aufgrund eines Verlusts an internationaler Wettbewerbsfähigkeit und der protektionistischen Tendenzen im Welthandel dürfte das Tempo der wirtschaftlichen Erholung hinter früheren Aufschwungphasen zurückbleiben", schreiben die IHS-Ökonomen in ihrer Konjunkturprognose.
Die österreichische Industrie dürfte laut Wifo-Prognose "den Tiefpunkt am Jahresende 2025 durchschritten haben". Die heimischen Exporte und die industrielle Bruttowertschöpfung würden im kommenden Jahr "im Sog der Weltwirtschaft" wieder steigen. Von 2023 bis 2025 waren die Ausfuhren rückläufig. Die US-Importzölle, die handelspolitische Unsicherheit und die Schwäche der deutschen Industrie belasten Österreichs Exportwirtschaft. Vom Konsum der privaten Haushalte erwarten beide Institute keine großen Konjunkturimpulse. Inflation und niedrige Lohnabschlüsse würden den Konsum dämpfen.
Inflation wird 2026 spürbar sinken
Gute Nachrichten gibt es bei der Teuerung: Die Inflation soll von heuer 3,5 Prozent (Wifo) bzw. 3,6 Prozent (IHS) auf 2,6 bzw. 2,5 Prozent im kommenden Jahr sinken. Zu Jahresbeginn 2026 entfalle der Basiseffekt des Energiepreisanstieges vom Jänner 2025, wodurch die Inflationsrate um bis zu 1 Prozentpunkt sinke, erklärte das Wifo.
Die schwache Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen Jahren schlug merkbar auf den Arbeitsmarkt durch. Die nationale Arbeitslosenquote stieg von 6,3 Prozent im Jahr 2022 bis auf 7,4 Prozent im Jahr 2025. Im kommenden Jahr erwarten Wifo und IHS einen leichten Rückgang der Arbeitslosenrate auf 7,3 Prozent. Im Jahr 2027 soll die Arbeitslosenquote weiter auf 7,0 bzw. 7,1 Prozent sinken.
Budgetdefizit 2025 auf 4,6 bzw. 4,4 Prozent geschätzt
Die Ökonomen des Wifo und IHS prognostizieren für heuer ein gesamtstaatliches Budgetdefizit in Österreich von 4,6 bzw. 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Infolge der Budgetkonsolidierung erwarten beide Institute im kommenden Jahr ein Defizit von 4,2 Prozent und 2027 von 4,0 Prozent. Der Fiskalrat kam zuletzt auf ähnliche Budgetzahlen.
Damit liegt das gemeinsame Budgetdefizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern aber noch immer deutlich über dem Maastricht-Grenzwert von 3 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 betrug das heimische Defizit 4,7 Prozent. Im Juli wurde deswegen die Eröffnung eines EU-Defizitverfahrens gegen Österreich offiziell beschlossen.
Höheres Budgetdefizit bei Ländern und Gemeinden
Die derzeit vorliegenden Daten würden darauf hindeuten, dass die Budgetentwicklung im Bund "etwas besser ausfällt als geplant", während die Defizite auf Ebene der Länder und Gemeinden "höher ausfallen dürften", schreibt das Institut für Höhere Studien (IHS) in seiner Konjunkturprognose.
Auch das Wifo verwies auf "das weiterhin kräftige Wachstum der Ausgaben" der Bundesländer und Gemeinden. Neben den Verpflichtungen im Rahmen des Zukunftsfonds würden die demografischen Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Elementarbildung die Ausgabendynamik treiben. Bei den öffentlichen Einnahmen dämpfe "die verhaltene Entwicklung des privaten Konsums" das Mehrwertsteueraufkommen, so die Wifo-Ökonomen. Die Aussetzung der Abgeltung des letzten Drittels der kalten Progression sowie der starke Anstieg der Höchstbemessungsgrundlage sorge hingegen für "ein robustes Wachstum" von lohnbezogenen Abgaben.
Staatsverschuldung steigt auf knapp 80 Prozent
Die österreichische Staatsverschuldung dürfte laut Wifo-Prognose von knapp 80 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2024 auf knapp 85 Prozent im Jahr 2027 steigen.