Nach dem Amoklauf in einem Grazer Gymnasium rekonstruiert die Polizei derzeit den Tatablauf im Gebäude. Auch weitere Details zum 21-jährigen Schützen wurden bekannt.
Nach dem Amoklauf eines 21-Jährigen in seiner ehemaligen Schule in Graz mit zehn Todesopfern werden weitere Details zur Tat bekannt. So hatten am Dienstag laut der Bildungsdirektion Steiermark Klausuren im Rahmen der mündlichen Matura in dem Gymnasium stattgefunden.
Der bewaffnete Täter hatte am Mittwochvormittag - während der seit Dienstag laufenden Prüfungswoche zur mündlichen Matura - mit einer Schrotflinte und einer Pistole die Schule gestürmt. Nach ersten Notrufen gegen 10.00 Uhr "wegen Schüssen und Schreien", wie es am Dienstag geheißen hatte, trafen nur sechs Minuten später die ersten Streifen mit schwerer Schutzausrüstung an dem Gymnasium ein, nur wenig später auch die Schnelle Interventionsgruppe (SIG), die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) des Landeskriminalamts und 54 schwer bewaffnete Polizisten der Cobra. 17 Minuten nach den ersten Notrufen stellte die Sondereinheit nach einer Durchsuchung die Sicherheit für die Rettungskräfte her.
"Maturantinnen und Maturanten, deren Prüfungen unterbrochen oder ausgesetzt wurden, können selbst entscheiden, ob sie einen Ersatztermin noch vor dem Sommer wahrnehmen möchten oder ob sie erst im Herbst zu ihren Prüfungen antreten wollen", erklärte die Bildungsdirektion auf Anfrage der APA.
Medienberichte darüber, dass der 21-Jährige in der Vergangenheit gemobbt worden sein soll, wollte die Landespolizeidirektion auch am Mittwoch weiter nicht bestätigen. Auch Details zur Schulkarriere des 21-Jährigen blieben auf Nachfrage vorerst unklar, ebenso wurden auch Berichte über den AMS-Status des 21-Jährigen nicht von der Polizei bestätigt.
Als gesichert gilt laut Polizei nur, dass der 21-Jährige den Wohnsitz bei seiner alleinerziehenden Mutter in Graz-Umgebung hatte. Sein aus Armenien stammender Vater hatte nach der Trennung nicht mehr im Haushalt gelebt.
"Derzeit läuft eine Tatrekonstruktion in der Schule", sagte Polizeisprecher Sabri Yorgun am Mittwochvormittag. Die Ermittler erhoffen sich davon jedenfalls weitere Erkenntnisse. Auch zur Anzahl der gefallenen Schüsse und den Orten der Schussabgabe innerhalb des Gebäudes verwies Yorgun auf die laufende Rekonstruktion. Mehrere Hundert Personen müssten in diesem Rahmen befragt werden. Auch die Auswertung von Spuren und Datenträgern könnte über die nächsten Tage und Wochen hinweg andauern.