Gastkommentar von Johannes Huber. Nicht nur Doskozil lässt den SPÖ-Vorsitzenden hängen, sondern – abseits von gemeinsamen Fototerminen - vor allem auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.
Anhänger
von Andreas Babler tendieren dazu, aktuelle Umfrageergebnisse zu relativieren,
die dessen SPÖ weit davon entfernt sehen, abzuheben. Das werde schon noch
kommen, sagen sie in der Hoffnung, dass er bei den Leuten draußen (die er
lieber als „unsere Leute“ bezeichnet) so gut wirkt, dass die Werte im Laufe der
Zeit steigen werden. Das ist nicht ausgeschlossen: Vielleicht bringt der
50-Jährige - wie schon bei der Mitgliederbefragung zum Parteivorsitz im
vergangenen Frühjahr - eine Art Basisbewegung zu seinen Gunsten zusammen, die
dann alle überrascht; vor allem also auch das Establishment in den eigenen
Reihen, womit Präsidiums- und Vorstandsmitglieder bzw. Landesvorsitzende und
andere hohe Funktionäre gemeint sind.
In
Wirklichkeit ist das sogar seine einzige Chance. Nicht nur der burgenländische
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil lässt ihn hängen, sondern auch
vermeintliche Unterstützer wie der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig tun das.
Ja, Ludwig.
Nachdem
sich Babler vor der Vorsitzenden-Wahl gegen Doskozil durchgesetzt hatte, zeigte
er sich an dessen Seite. Ging mit ihm Würstelessen beim Parlament oder
Seilziehen auf dem Donauinselfest. Die Bilder sollten mehr als 1000 Worte zum
Ausdruck bringen. Glaubwürdig sind sie jedoch nicht.
Viele
Genossinnen und Genossen haben Babler nicht nur unterstützt, um Doskozil zu
verhindern. Er hat schon auch begeistert. Unter anderem, weil er eine
Erneuerung der Sozialdemokratie verkörpert, die im Zeichen der Basisdemokratie
steht. Außerdem weckte er Hoffnung auf eine saubere Machtausübung ohne
Inseratenmillionen und dergleichen. Inhaltlich sollten auch Umwelt- und
Klimaschutz eine größere Priorität erhalten. Den Lobautunnel würde der
Traiskirchner nicht bauen. Ludwig vertritt so ziemlich genau das Gegenteil von
alledem: Der Tunnel muss aus seiner Sicht sein. Bei Inseratenvergaben wird im
Einflussbereich der Stadt weitergemacht wie bisher. Und einfache Mitglieder in
Zukunft über einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende sowie eine allfällige
Regierungsbeteiligung entscheiden zu lassen, das lehnt der Wiener Bürgermeister
ab.
Ob Babler
so jemals groß durchstarten kann? Seinen Zugang zu Politik bringt er in der
eigenen Partei nicht durch. Genauer: Bei Vorstands- und Präsidiumsmitgliedern
steht er an damit. Nach herkömmlichen Kriterien ist er so verloren.
Insofern
hat er allen Grund, rund um die Uhr bei den Leuten draußen unterwegs zu sein
und zu versuchen, sie für sich zu begeistern. Nur wenn er eine Massenbewegung
zusammenbringt, die eine Aussicht auf große Wahlerfolge bringt, wird das
parteieigene Establishment vielleicht bereit sein, über Fototermine hinaus an
einem Strang zu ziehen mit ihm.
Johannes Huber betreibt den Blog – Analysen und Hintergründe zur Politik