The Prodigy, Tenacious D und Yungblud heizten bei Tag 2 am Novarock ordentlich ein.
Die Electro-Dance-Band fegte in knapp einer Stunde durch ein
Hit-Programm, das mit "Breathe" ein wenig holprig loslegte, aber bereits
mit dem nachfolgenden, nackenbrechende "Omen" ordentlich durchstartete.
Zwar fehlte mit dem tanzenden Flint ein wichtiges Element, aber Beats,
Bässe, Laser, Stroboskoplicht, Maxims gebrüllte und gebellte Parolen
("Get On Your Fight") und Mastermind Liam Howletts wütende Synths
begeisterten jene, die am Dancefloor vulgo vor der Blue Stage verblieben
waren. Das bitterböse "Smack My Bitch Up" ließen sich The Prodigy auch
in heutigen Zeiten nicht verbieten. Und so schnell das "reguläre"
Programm vorbei war, umso furioser tischten die Briten "Invaders Must
Die" im Zugabenteil auf.
Humor und Musik bei Tenacious D
Wie man Humor und Musik wirklich kurzweilig zusammenführt, bewies wiederum Tenacious D: Das aus den US-Schauspielern Jack Black und Kyle Gass bestehende Projekt, live von einer Band unterstützt, witzelte sich über das "Indiana Jones"-Thema, ließ bei "The Metal" einen Metallritter über die Bühne stolzieren und war auch ansonsten um keine gitarrenverrenkende Hampelei verlegen - inklusive ausladendem Flötensolo von Gass. Black ist ohnehin ein Sympathieträger vor dem Herren - selbst wenn in diesem Fall der Leibhaftige seine dekorativen Finger im Spiel hatte.
Yungblud hatte keinen einfachen Stand
Keinen ganz
einfachen Stand hatte Dominic Harrison alias Yungblud, der direkt nach
Sum 41 an der Reihe war. Während die kanadische Punkband, die kürzlich
ihre bevorstehende Auflösung verkündet hatte, mit einem energiegeladenen
Best-of-Set eine unglaubliche Menschenmenge anzog (Hits wie "In Too
Deep" wurden aus Tausenden Kehlen gebrüllt), musste sich der Brite sein
Publikum erst erarbeiteten. Ein Problem? Nicht wirklich, immerhin
verband Yungblud Spielfreude mit reichliche Bühnenaction und eingängigen
Indie-Rock-Tracks, die keine Scheu vor Hip-Hop- oder Popversatzstücken
aufwiesen.
"Der zweite Tag auf einem Festival ist am besten",
freute sich Harrison schon vor dem Gig im APA-Gespräch. "Alle sind
aufgewacht, aber haben noch keinen zu schlimmen Hangover." Dass er seit
dem Debüt "21st Century Liability" (2018) quasi nonstop tourt und
arbeitet, sei nur logisch. "Ich liebe es! Ich bin 25 Jahre alt, was
sollte ich sonst tun? Ich reise um die Welt, habe alle möglichen
Experimente gemacht. Jetzt bin ich hier und will, dass es Killer wird!"
Yungblud orientiere sich ohnehin nur an den Fans. "Nur sie zählen. Es
geht um unsere Welt, unsere Idee, unsere Energie."
Thundermother hatten reichlich in petto
Davon hatten
auch Thundermother reichlich in petto, wobei die schwedische
Frauenformation stilistisch mit ihrem klassischen Riffrock in eine
andere Richtung abzielte. "Das ist ja nichts Schlechtes, im Gegenteil",
sagte Gitarristin Filippa Nässil gegenüber der APA. "Rock and Roll is
here to stay - forever!" Anleihen bei AC/DC waren ebenso wenig zu
überhören wie der Einfluss von Joan Jett oder Girlschool. "Bei uns gibt
es keine Backing-Tracks, das ist das Wichtigste", betonte Sängerin
Linnéa Vikström. "Wir sind nicht ausgezogen, um das Rad neu zu erfinden.
Wir wollen Rock and Roll spielen und Spaß haben."
Sozialkritik bei Bob Vylan
Reichlich
Sozialkritik gab es hingegen bei Bob Vylan. Das britische Duo servierte
eine furiose wie intelligente Mischung aus Grime-Rap und Punkrock mit
Zutaten aus Indie-Rock und (etwas) Reggae. Inhaltlich wurde nicht
zuletzt die Herkunft der Musiker verarbeitet. "Unsere Wurzeln liegen in
der Karibik, dort stammen unsere Vorfahren her. Mein Vater ist
Jamaikaner, aber nur deshalb, weil seine Vorfahren in Afrika versklavt
wurden. Wenn man sich dessen bewusst ist, drückt sich das natürlich in
der künstlerische Arbeit aus", betonte der Sänger, der gegen Monarchie
und Fremdenfeindlichkeit wütete.
Das Publikum selbst hatte zu
diesem Zeitpunkt schon ein ganzes Festivalkarussell hinter sich
gebracht: Sonnenschein und sommerliche Temperaturen zu mittag, dunkle
Wolken und bedrohliches Donnergrollen am späten Nachmittag. Der große
Regen, der etwa im nahen Parndorf niederging, oder gar ein Gewitter
blieb während des Musikprogramms aber zum Glück aus - so hatte man nur
mit den matschigen Bedingungen zu kämpfen, was natürlich die hohe
Gummistiefeldichte erklärte. Davon abgesehen dominierte ein harmonischer
Gesamteindruck von Fans unterschiedlichster Couleur, die mal im
Metalshirt, mal im Plüschkostüm die Pannonia Fields unsicher machten.
Hauptsache gemeinsam feiern, schien die Devise.
Funeral For a Friend konzentrierte sich auf eine gute Zeit
Auf eine gute Zeit
konzentrierte sich auch die walisches Post-Hardcore-Band Funeral For A
Friend, die nach langer Pause wieder gemeinsam unterwegs ist. Dabei war
es ein trauriger Anlass, der das Sextett 2019 wieder zusammenführte,
spielte man doch Benefizkonzerte nach dem Tod eines engen Freundes. Eins
führte aber letztlich zum anderen, und so wurden am Nova Rock
eingängige Songs wie "Rookie of the Year" ebenso geboten wie das
knallharte "The End of Nothing". "Es macht wahnsinnig viel Spaß", meinte
Gitarrist Darran Smith danach. "Aber gleichzeitig sind wir es auch
nicht mehr gewöhnt." Sein Kollege Kris Coombs-Roberts verglich es mit
Hausschuhen, die man schon lange nicht mehr getragen hat. "Zuerst ist es
eigenartig, aber dann fühlst du dich wieder wohl."
Regierte hier die geradlinige Rockshow ohne Kinkerlitzchen, sah das zu späterer Stunde bei Powerwolf ganz anders aus. Die deutsche Metalband ist bekannt für ihre extravaganten Shows, die eher einer theatral aufgeladenen Messe gleichkommen - reichlich Pathos und viel Feuer inklusive. Den Gegenpol dazu markierte wohl Meshuggah aus Schweden: In Sachen vertrackter Rhythmik und verschrobenen Songstrukturen macht der Formation um Sänger Jens Kidman jedenfalls niemand so schnell was nach. Komplexität und Durchschlagskraft gingen hier wahrlich Hand in Hand - zur Freude der heftig headbangenden Fans.