Laut Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow ist aufgrund der Probleme bei der Reparatur von Turbinen in Kanada auch ein Komplett-Ausfall von Nord Stream 1 möglich.
"Ich denke, das wäre eine Katastrophe für Deutschland", sagte er nach Angaben der russischen Zeitung "Kommersant". Deutschland solle darüber nachdenken, die Turbinen lieber auf seinem eigenen Gebiet zu reparieren, damit sie nicht nach Kanada gebracht werden müssten, meinte der Diplomat. Der russische Energiekonzern Gazprom hatte wie angekündigt in der Nacht zum Donnerstag seine Gaslieferungen nach Deutschland durch Nord Stream weiter reduziert. Der Gasriese begründete den Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten.
Auch Österreich ist von reduzierten Gaslieferungen betroffen
Auch Österreich ist mit
reduzierten Gaslieferungen aus Russland konfrontiert. Ein Sprecher des
heimischen Öl- und Gaskonzerns OMV sagte, der russische Lieferant
Gazprom habe über eine Reduzierung informiert. "Wir werden diese Mengen,
sofern aufgrund des geringeren Gasbedarfs überhaupt notwendig, durch
Speichermengen und Mengen vom Spotmarkt ersetzen. Die Versorgung unserer
Kunden ist derzeit sichergestellt."
Österreichisches Klimaministerium will Situation genau beobachten
Das heimische
Klimaministerium will die Situation in Österreich jedenfalls genau
beobachten. "Wir überwachen die Situation und sind mit der OMV in engem
Austausch", hieß es in einer Stellungnahme an die APA. "Zur Stunde gibt
es keine Anzeichen für einen Lieferstopp, wir sind aber auf alle
Szenarien vorbereitet."
Habeck nimmt möglichen komplett-Ausfall von Nord Stream 1 ernst
Auch der deutsche Wirtschaftsminister
Robert Habeck nannte die Situation zwar ernst, sie gefährde die
Versorgungssicherheit in Deutschland aber nicht. Auch der deutschen
Bundesnetzagentur zufolge sei die Gasversorgung in Deutschland stabil.
"Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit gewährleistet",
steht im Lagebericht. Die Behörde beobachte die Lage sehr genau und
stehe in ständigem Kontakt zu den Unternehmen der Gaswirtschaft. Dennoch
fordert sie zum Energiesparen auf.
Habeck vermutet politische Entscheidung hinter Drosselung
Entgegen der Darstellung
Gazproms, der Grund für die Drosselung seien Verzögerungen bei
Reparaturarbeiten, vermutet Habeck dahinter allerdings eine politische
Entscheidung. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies das zurück. Die Probleme
hingen vielmehr mit den vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen
zusammen, meinte er. "Uns ist nur bekannt, dass es dort wirklich
Probleme mit den Turbinen und mit der Reparatur gab, einige Turbinen
kommen nicht zurück, sie werden irgendwo zurückgehalten." Es handle sich
nicht um Absicht von russischer Seite: "Das ist ein Problem, das gar
nichts mit uns zu tun hat." Auch der Energietechnikkonzern Siemens
Energy hatte mitgeteilt, dass eine in Kanada überholte Gasturbine
aufgrund der Russland-Sanktionen derzeit nicht aus Montréal
zurückgeliefert werden könne.
Russland warb für Pipeline Nord Stream 2
Bereits am Dienstag hatte Gazprom die Reduktion des bisher geplanten Tagesvolumens von 167 Mio. um rund 40 Prozent auf 100 Mio. Kubikmeter Gas pro Tag verkündet und auf Verzögerungen bei der Reparatur von Gasverdichtern verwiesen. Die neuerliche Reduktion in der Nacht zum Donnerstag auf nun noch 67 Mio. Kubikmeter bedeutet eine Drosselung um rund 60 Prozent innerhalb von zwei Tagen. Russland hatte immer wieder für die Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2 geworben.